Schlagerstar

Chris Roberts ist gestorben

Von Peter-Philipp Schmitt
 - 16:03
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Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine besondere Form, beliebte und erfolgreiche Personen der Zeitgeschichte zu ehren: den „Bravo“-Starschnitt. Die Idee war genial, band sie doch die Leser über Wochen an das Jugendmagazin. Veröffentlicht wurde das Bild eines Stars, allerdings immer nur ein Ausschnitt von ihm auf jeweils einer Seite (später auch auf zwei Seiten). Zusammengeklebt ergab sich ein lebensgroßes Poster der prominenten Persönlichkeit. Nur wenige Auserwählte schafften es nach Brigitte Bardot, sie war 1959 die erste, als lose Blattsammlung in die „Bravo“ – Chris Roberts gehörte 1971 dazu.

Ein Jahr zuvor war einer seiner größten Hits erschienen: „Ich bin verliebt in die Liebe“. Chris Roberts wurde beinahe über Nacht zum Teenieschwarm, was mit der Musik und seinem Gesang, vor allem aber mit seinem Aussehen zu tun hatte. Darum auch wurde er als Schauspieler entdeckt und war in Filmen zu sehen, die allesamt anspruchslos, aber zumindest damals unterhaltsam waren: „Wenn die tollen Tanten kommen“, „Unsere Pauker gehen in die Luft“ oder „Tante Trude aus Buxtehude“ hießen die überdrehten Streifen. Trotzdem war Chris Roberts in den Siebzigern ein Star, wenn auch ein Schlagerstar, was heute kaum noch einen Wert darzustellen scheint.

Geboren wurde Chris Roberts im Kriegsjahr 1944 in München-Schwabing – als Cristian Klusáček. Seine Mutter war Deutsche, sein Vater kam aus Jugoslawien. Da die beiden im „Dritten Reich“ nicht heiraten durften, wurde in der Geburtsurkunde ihres Sohns „ungeklärte Staatsangehörigkeit“ eingetragen. So blieb er fast zeitlebens ein „Staatenloser“. Dennoch wurde er zu einem festen Bestandteil der deutschen Schlagerszene, galt sogar als „Schlager-König“ und feierte große Erfolge etwa mit dem Ralph-Siegel-Titel „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ (1974).

Mitte der siebziger Jahre aber ging es mit Schlagern und mit Chris Roberts stetig bergab. Sie und er wurden immer seltener in Radios gespielt, in den Achtzigern verschwand Roberts fast ganz von den Bühnen. Gleich mehrmals musste er den Offenbarungseid leisten. Einen letzten größeren Auftritt hatte er 1985 beim „Eurovision Song Contest“ in Göteborg, als er unter anderen mit Irene Sheer für Luxemburg antrat. Ihr wohlmeinendes „Children, Kinder, Enfants“ (von Ralph Siegel und Bernd Meinunger) landete auf Platz 13.

Erst im April dieses Jahres, kurz nach seinem 73. Geburtstag, wurde Chris Roberts offiziell zum Deutschen. „Ich habe mich zwar auch ohne Pass als Deutscher gefühlt“, sagte er nach der Einbürgerung, „aber ich hatte kein Wahlrecht. Jetzt brenne ich darauf, der Partei meine Stimme zu geben, auf die ich für ein geeintes Europa setze.“ Dazu hat er nun keine Gelegenheit mehr. Am Sonntag starb Chris Roberts nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin.

Quelle: dpa
Autorenporträt / Schmitt, Peter-Philipp (pps.)
Peter-Philipp Schmitt
Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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