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Sauber, aber unrein?

Streit um einen muslimischen Waschsalon in Malaysia

Von Till Fähnders, Singapur
 - 16:30
Dreckige Wäsche ist dreckige Wäsche, oder? Bild: dpa, F.A.Z.

Im Waschsalon seien alle gleich, könnte man meinen. Dreckige Wäsche ist dreckige Wäsche, egal welcher Gesellschaftsschicht, ethnischer Herkunft oder Religion der Besitzer der Kleidung auch angehören mag. Doch in einem Geschäft in der malaysischen Stadt Muar war der Betreiber anderer Meinung. Er hatte am Eingang seines Selbstbedienungs-Salons kürzlich ein Schild mit der Aufschrift „Nur für Muslime“ aufgestellt. Darunter stand, dass die Kunden bitte ihre Schuhe vor Betreten des Geschäfts ausziehen sollten.

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Ein Foto der Aufforderung verbreitete sich daraufhin in Windeseile im Internet. Im mehrheitlich muslimischen Malaysia, wo es große chinesische und indische Minderheiten gibt, rief das gemischte Reaktionen hervor. Manche begrüßten den Schritt, der den Muslimen mehr Sicherheit darüber gebe, möglicherweise sogar unwissentlich gegen religiöse Regeln zu verstoßen. Andere reagierten empört. Sie sahen das Waschverbot für Andersgläubige als Zeichen einer verstärkten Islamisierung.

Die Diskussion erlangte ein solches Ausmaß, dass sich nun der Sultan des Bundesstaats Johor, der in seinem Gebiet unter anderem als religiöses Oberhaupt fungiert, genötigt fühlte, ein Machtwort zu sprechen. Es fiel recht deutlich gegen den Betreiber aus. „Dies ist kein Taliban-Staat“, sagte Sultan Ibrahim laut der Zeitung „The Star“. Der Schritt sei „extremistisch“ und widerspreche dem moderaten und toleranten Geist, der in Johor herrsche. Der Regent verlangte, dass sich der Betreiber für seinen Fauxpas entschuldigen möge. „Falls er weiter der Praxis gegen Nicht-Muslime folgt, bin ich der Meinung, er sollte Johor verlassen. Ich schlage vor, er geht mit seinem Geschäft nach Afghanistan.“

Wie die Zeitung dabei feststellte, war das Schild zu dem Zeitpunkt allerdings schon durch ein anderes ersetzt worden. „Muslim-freundlich“, stand nun darauf. Doch dem Sultan erschien dies nur als billiger Trick, das gleiche nur auf andere Weise auszudrücken. „Tu nicht so scheinheilig. Es ist immer noch dasselbe. Der Besitzer sollte sein Gehirn säubern lassen“, sagte er. Darüber hinaus verabschiedete er ein königliches Dekret, in dem der Besitzer aufgefordert wurde, das anstößige Schild zu entfernen. Er kündigte an, dass in Zukunft bei solchen Fällen der Verlust der Geschäftslizenz drohen könne.

Tatsächlich blieb die wortgewaltige Intervention des Sultans nicht ohne Folgen. Wenige Stunden später kam am Mittwoch die kleinlaute Entschuldigung des Salonbesitzers. Er versprach, sich an die Verordnung zu halten. Das Aufstellen des Schilds begründete der Mann damit, dass er seinen überwiegend muslimischen Kunden einen Dienst habe erweisen wollen. Sie hätten sich besorgt gezeigt, dass „Unreinheiten“ (najis) in die Wäsche gelangen könnten. Nach Angaben des Besitzers hätten auch seine nichtmuslimischen Kunden Verständnis für ihren Ausschluss gezeigt. Der nächste Waschsalon sei schließlich nur dreihundert Meter entfernt.

Quelle: F.A.Z.
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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