Taxifahrer nimmt Band auf

„Mach die Betten, ich bringe Dir neun Amerikaner“

Von Marlene Grunert
 - 19:30

Herr Traxel, Sie haben am Wochenende neun Musiker aus Kalifornien bei sich zu Hause in Dahn – zwischen Bad Bergzabern und Pirmasens – beherbergt. Was war passiert?

Ich betreibe ein Taxiunternehmen, und Samstagnacht rief mich die Dahner Polizei an, um zwei Taxis zu bestellen. Die Beamten meinten, da seien neun Amerikaner mit ihrem Tourbus liegengeblieben. Wohin ich die fahren sollte, konnte mir der Polizist aber auch nicht sagen.

Und da haben Sie die Musiker einfach mit zu sich genommen?

Ich habe dann erst mal sieben, acht Hotels zwischen Pirmasens und Landau angerufen. Aber die eine Hälfte war ausgebucht, und die andere ist gar nicht mehr ans Telefon gegangen. Da blieb mir doch gar nichts anderes übrig.

Konnten Sie sich überhaupt verständigen?

A little bit. Meine Frau kann besser Englisch, die habe ich dann auch angerufen und ihr gesagt: Mach die Zimmer fertig, mach die Betten fertig, ich bringe Dir neun Amerikaner.

Wie hat sie reagiert?

Sie hat nur gefragt, ob das mein Ernst sei. Aber ein paar Minuten später war alles fertig. Seitdem die Kinder ausgezogen sind, stehen deren Zimmer ohnehin leer. Am nächsten Abend haben wir dann noch zusammen ein Pfälzer Barbecue veranstaltet.

Was gab es da?

Rollbraten natürlich! Zusammen mit zwei Elsässer Freunden haben wir den Amerikanern die rheinland-pfälzische Kultur ein bisschen näher gebracht, mit white wine und red wine.

White wine von der Mosel?

Wie bitte? Natürlich Pfälzer Wein! Die haben dann noch ein paar ihrer Lieder gesungen – kirchlichen Rock. Das war so schön, dass es mir Tränen in die Augen getrieben hat.

Wie ging es weiter mit Ihren neuen Freunden?

Bis Dienstag konnte ich sie in einer Pension unterbringen. Auch dort war man sehr freundlich und hat den Musikern einen guten Preis gemacht. Am Dienstag habe ich sie dann in eine Ferienwohnung in Erfweiler gebracht, da hat die Wirtin gar kein Geld mehr verlangt. Die war über die Zeitung auf unsere Geschichte aufmerksam geworden.

Wie haben die Musiker reagiert?

Die hatten sofort Tränen in den Augen. Die sprechen nur noch von den „crazy Germans“ und sind fix und foxi. Aber so sind wir Pfälzer halt: zwar am äußersten Rand Deutschlands, aber lieb. Für Mittwochabend haben wir auch noch einen Gig organisiert.

Einen Gig?

Ja, das sagt man doch so, oder? In der „Kulisse“ in Pirmasens findet ein Benefizkonzert statt, denn die müssen jetzt ein bisschen Geld reinbekommen. Die haben den Bus von einem rumänischen Pfarrer geliehen bekommen, und der will den natürlich nach der Tour heil zurück. Die Reparatur soll aber 1000 Euro kosten. Für die Musiker ist das eine gewaltige Summe, hinzu kam die Pension. Auf all das waren die ja gar nicht vorbereitet. Wobei man sagen muss: Auch das Autohaus war sehr hilfsbereit. Die haben die Abschleppkosten übernommen. Insgesamt war das hier eine ganz tolle Erfahrung. Dass mein Telefon nun permanent klingelt, finde ich aber trotzdem absurd.

Warum?

Ich habe doch gar nichts Großartiges gemacht. Gastfreundschaft ist so wichtig, die sollte jeder pflegen. So viele andere denken gerade in Deutschland in die andere Richtung. Das möchte ich wirklich nicht akzeptieren.

Die Fragen stellte Marlene Grunert.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Grunert, Marlene
Marlene Grunert
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