Menschen
Taylor Swift vor Gericht

„Weil mein Hintern an der Rückseite ist“

Von Christiane Heil, Los Angeles
© AP, F.A.Z.

Tausende „Swifties“ hatten die verschärften Sicherheitsvorkehrungen längst bemerkt. Nach Jahren unbeschwerter Treffen, für die Taylor Swift Stadien in ganz Amerika buchte, um sich mit ihren Fans zu unterhalten und fotografieren zu lassen, war die Sängerin im Sommer 2013 vorsichtig geworden. „Wir luden weniger Menschen zu den Meet-and-Greets ein. Es wurden Metalldetektoren aufgestellt und Hintergrundinformationen eingeholt“, sagte Andrea Swift, die Mutter der amerikanischen Popprinzessin, in dieser Woche vor einem Bundesgericht in Colorado. Der Anlass der Entzauberung? „Meine Tochter wurde sexuell belästigt. Von dem Typen da“, sagte sie und zeigte auf David „Jackson“ Mueller.

Der frühere Radiomoderator soll Taylor Swift Anfang Juni 2013 bei einem ihrer Meet-and-Greets unter den Rock gefasst und am Po begrapscht haben. Da sein Arbeitgeber, der Sender KYGO, ihn nach einer Beschwerde der damals Dreiundzwanzigjährigen hinauswarf, reichte Mueller zwei Jahre später eine Schadenersatzklage gegen Swift ein – und forderte drei Millionen Dollar. Swift antwortete mit einer Widerklage wegen sexueller Belästigung.

Popstar Taylor Swift beschuldigt einen Radio-Moderator der sexuellen Belästigung.
© AFP, F.A.Z.

Nach der ersten Prozesswoche nun sieht es für den 55 Jahre alten Mueller nicht gut aus. Ein Foto seines Treffens mit Swift, das den Geschworenen im Gerichtssaal gezeigt wurde, scheint die Version der Sängerin zu stützen. Wie das Bild belegt, lag Muellers Arm in der Höhe ihres Pos, als er am 2. Juni 2013 in Denver mit Swift und seiner damaligen Freundin Shannon Melcher für ein Foto posierte. „Er hat nicht meine Rippen berührt. Er hat nicht meinen Arm berührt. Er hat nicht meine Hand berührt. Er hat meinen nackten Hintern begrapscht“, widersprach Swift am Donnerstag Muellers Darstellung, er habe damals eventuell versehentlich Rücken oder Arm gestreift.

Dass sich die Sängerin gründlich auf den Prozess vorbereitet hatte, bekam auch Muellers Anwalt zu spüren. Als der Jurist Swift fragte, warum ihr Kleid auf dem Foto trotz des angeblichen Übergriffs seines Mandanten nicht sichtbar nach oben geschoben wurde, reagierte sie ohne zu zögern. „Weil sich mein Hintern an der Rückseite meines Körpers befindet.“ Die Geschworenen honorierten Swifts Schlagfertigkeit mit einem Lächeln. Auch weitere Versuche des Juristen, Muellers mutmaßliche Belästigung als Versehen abzutun, bremste sie aus. „Er hat meinen Hintern gegen meinen Willen unter meinem Rock betatscht und nicht wieder losgelassen. Aber sonst hat er mich nicht unsittlich berührt“, erwiderte die Sängerin auf die Frage, ob der Moderator sie mehr als ein Mal begrapscht habe.

Swift will ein Zeichen gegen sexuelle Übergriffe setzen

Schon vor Prozessbeginn hatte Swift mitgeteilt, sich im Gerichtssaal nicht in die Rolle des verschüchterten Opfers drängen zu lassen. Sie wolle durch das juristische Verfahren ein Zeichen gegen sexuelle Übergriffe setzen. Ihr Anwalt Douglas Baldridge legte dem Gericht Forschungsartikel und Studien vor, die die Folgen sexueller Gewalt darstellen.

Kurz nach der Begegnung mit dem Radiomoderator in der Pepsi-Arena hatte Swift eine stillere Lösung versucht. Damals kontaktierte sie Muellers Chef, um ihm von der angeblichen Belästigung zu berichten. Es folgten mehrere Telefongespräche des Radiomoderators mit der Chefredaktion und eine Untersuchung durch den Senders. Zwei Tage nach dem Fototermin wurde „Jackson“ entlassen. In seiner Schadenersatzklage machte er Swift für die Kündigung verantwortlich. Die Mitschnitte von Telefongesprächen mit seinen Chefs aber, die seine Version angeblich stützten, sollen unter widrigen Umständen verloren gegangen sein.

Wie Mueller am Dienstag aussagte, nahm sein Mobiltelefon versehentlich nur Bruchstücke der Konversation auf. Auf verschiedene Computer übertragene Daten fielen angeblich Unfällen mit Kaffeebechern und Wasserflaschen zum Opfer. Swifts Anwälte werteten die Klage des früheren Radiomoderators daher als Versuch, aus einer zufälligen Begegnung mit einer Prominenten Kapital zu schlagen. „Wir haben nur eine Geschichte zu erzählen, nämlich dass Herr Mueller ihren Hintern begrapscht hat“, fasste Swifts Anwalt Baldridge zusammen. Die Sängerin ließ derweil wissen, bis zum erwarteten Prozessende in der kommenden Woche jeden Tag vor Gericht zu erscheinen. Für den Fall eines Sieges kündigte sie an, sich mit einem symbolischen Dollar Schmerzensgeld zufriedenzugeben. „Ich werde aber nicht zulassen, zum Sündenbock für eine falsche Entscheidung eines Anderen stilisiert zu werden“, drohte Swift.

Quelle: F.A.Z.
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