Foto: plainpicture/Hollandse Hoogte/Ar

Schöne Ferien!

ANKE SCHIPP
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25.07.2017 · Die Vorfreude ist riesig: Endlich Urlaub! Endlich am Strand entspannen, im Hotel ausschlafen und abends mediterrane Küche genießen. Wie bitte? Sie nehmen Ihre Kinder mit? Äh, streichen Sie „entspannen“ und „genießen“. Warum Urlaub mit Kindern schon mal nervt – und was man dagegen tun kann.

Am Strand

Auf den ersten Blick ist alles wunderbar: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Wellen plätschern sanft vor sich hin. Ferien am Strand sind der Klassiker, sie stehen für Entspannung und sind eine Art Antipode zum Alltag im Büro. Leider ist es so, dass man mit Kindern am Strand einen Stresspegel erreichen kann, den man im Büro nur hat, wenn man zum Chef zitiert wird. Schon die Vorbereitung auf den Tag am Strand kann Nerven kosten: Die Kinder müssen mit Sonnencreme eingeschmiert werden, danach klebt alles, Haare, Hände, Klamotten. Dann Sachen packen, Badehosen, Bikinis, Handtücher etc. Hälfte vergessen? Noch mal zurück! Vor Ort gibt es dann die ersten Unstimmigkeiten: Die Kinder meckern über den heißen Sand, wollen sofort ein Eis/ins Wasser, während Sie sich mit dem Aufbau der Strandmuschel abmühen. Später müssen Sie Sandburgen bauen, Streit schlichten, wieder eincremen, Tonnen von Muscheln verstauen, mit dem Wissen, dass sie zu Hause wie Hölle stinken werden. Ein Trost bleibt: Zwischendurch kann man bestimmt mal ein schönes Buch lesen!

Foto: Jens Gyarmaty

Im Hotel

Das Hotel kann noch so schön sein: Kinder neigen zum Meckern. „Letztes Jahr war es viel schöner“, „Zu Hause ist es schöner“ oder „Da, wo der Louis immer hinfährt, ist es schöner“. Das müssen Sie sich mit Engelsgeduld anhören, während Ihre Kinder sogleich damit beginnen, das bis dato aufgeräumte Feriendomizil in einen Ort zu verwandeln, der gerade einen Tornado erlebt hat. Während die Kinder sich lautstark streiten, denken Sie nur daran, dass sich gleich die Zimmernachbarn beschweren werden, und steuern die im Internet so gelobte Kinderbetreuung an, bei der sich aber herausstellt, dass kein Animateur Deutsch spricht und Ihr Nachwuchs sich daher weigert, auch nur eine Stunde dort zu verbringen. Unser Tipp: Bewegen Sie sich umgehend Richtung Hotelbar, bestellen Sie einen Gin Tonic und planen für nächstes Jahr einen Campingurlaub.

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Im Flugzeug

Wenn man Pech hat, verläuft der Aufenthalt an Bord nach Murphy‛s Law: Zeitgleich mit dem Kommando „Ready for take-off“ fängt Ihr Kind an zu heulen. Noch während das Flugzeug steigt, fällt dem Nachwuchs ein: „Muss Pipi! Dringend!“. Auf 10 000 Meter Höhe schläft Ihr Kind genau dann ein, wenn das Essen serviert wird – und muss es dann kalt essen, wenn es aufwacht („Bääh“). Natürlich will es unbedingt dann eine Partie Uno spielen, wenn zur Landung die Tische hochgeklappt werden sollen. Das Gemeine an einem Familienaufenthalt im Flieger ist, dass man nicht einfach anhalten, rausgehen, Pause machen kann. Auch ein weiteres Stilmittel verzweifelter Eltern – einfach mal schreien – macht sich an Bord nicht besonders gut, seit amerikanische Fluggesellschaften wegen so was schon mal notlanden. Unser Tipp: Bleiben Sie ruhig, reden Sie sanft, holen Sie Malstifte raus, und vertrauen Sie im Ernstfall auf das Bordprogramm.

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Im Auto

Autofahren mit Kindern in der Ferienzeit ist eine der größten Herausforderungen der modernen Menschheit. Kinder müssen lange sitzen, können sich nicht bewegen, sehen vor sich nur die Hinterköpfe der Eltern und grauen Asphalt. Aber sehen Sie es positiv: Sie sind unter sich! Sie können Musik hören, singen, schimpfen, meckern, so laut, wie Sie möchten. Keiner beobachtet Sie! Keiner hört Sie! Bleiben Sie also gelassen, wenn Sie im Stau von 18 Kilometer Länge stehen, der Terror auf der Rückbank zu eskalieren droht, Ihre Kinder genau dann mal Pipi müssen, wenn Sie gerade die Abzweigung zur Raststätte passiert haben. Singen Sie, spielen Sie „Ich packe meinen Koffer“ oder, ja, dann halt, wenn es gar nicht anders geht: Starten Sie das Filmprogramm. Denn eins ist sicher: Die Flimmerkiste hat noch jedes Kind sediert!

Foto: Getty

Im Restaurant

Essen gehen im Urlaub hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass man abends nicht kochen muss. Ein Nachteil: Es kann passieren, dass man im Restaurant sitzt und denkt: Hätte ich doch gekocht! Wie oft hat man den Kindern schon gesagt, dass sie nicht auf ihrem Stuhl kippeln sollen. Dass sie „bitte, bitte, bitte“ nicht so laut reden sollen. Dass es doch total egal ist, wer jetzt genau am Fenster sitzt. Dass keiner etwas dafür kann, dass das Essen so lange dauert. Dass man seine Spaghetti nicht frisst, sondern isst. Und muss das jetzt sein, dass schon die zweite Apfelschorle umgeschüttet wird? Ellenbogen vom Tisch! Gabel in die linke Hand! Erschwerend kann hinzukommen, dass man sich womöglich in einem französischen Restaurant befindet und neidisch zum Nachbartisch schaut, an dem drei französische Kinder mit geradem Rücken schweigend am Tisch sitzen und manierlich ihr Drei-Gänge-Menü essen, ohne dass es zu irgendwelchen Zwischenfällen kommt. Was hilft? Zahlen bitte!

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An der Raststätte

Nach einigen Stunden Quengelei, Vollsperrung auf der A 5, Dauerdudelei im Radio haben Sie endlich die Raststätte erreicht. Vermutlich spüren Sie einen Moment der Erleichterung, aber das ist natürlich reichlich naiv, denn schließlich ist Ferienzeit, und da mutieren gepflegte deutsche Raststätten gerne zu Orten der Verwüstung und Menschenansammlungen. Schlangen vor den Toiletten, Schlangen am Buffet, Schlangen an der Kasse. Keine freien Tische – oder nur solche, auf denen Pommes-frites-mit-Ketchup-Reste lauern. Am Salat-Buffet ist noch ein Plätzchen frei, aber natürlich plärrt der Nachwuchs: Ich will Pommes!! Also anstellen und im Dunst der Fritteuse verharren, bis man dran ist. Im Anschluss finden Sie zugleich mit einer fünfköpfigen Familie einen freien Tisch und müssen sich nun entscheiden, ob Sie generös den Vortritt lassen oder die Gelegenheit nutzen, Ihren gesamten Frust rauszulassen: „Wer glauben Sie denn, dass Sie sind? Wir waren zuerst da, basta!“ Unser Tipp: Bereiten Sie die Reise besser vor, und vertrauen Sie auf die guten alten Stullen als Reiseproviant, die Sie gemeinsam mit Ihren Kindern im Auto oder am Picknick-Tisch verzehren. So umgehen Sie zumindest den Stau am Buffet und müssen sich nur der Pipi-Problematik stellen.

Foto: plainpicture/Hexx
Quelle: F.A.Z.