Was Kinder zur Wahl sagen

„Angela Merkel hat einfach keinen Style“

Von Anke Schipp, Jörg Thomann, Lucia Schmidt und Julia Schaaf
 - 14:37
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Moritz, 6 Jahre: Die Frau Merkel hat so blonde Haare, so ungefähr wie ich auch, und sie hat meistens ein grünes T-Shirt an. Sonst fällt mir nix bei ihrem Aussehen auf. Martin Schulz finde ich da übrigens eher so mittel.

Ich höre oft was von Frau Merkel im Radio, aber was die so den ganzen Tag macht? Hmm, ich vermute, sie geht viel spazieren oder macht so ähnliche Dinge. Ob ich in der Politik später einmal arbeiten will? Bitte nicht!

Wer die meisten Punkte hat, gewinnt!

Vera, 9 Jahre: Bei der Wahl gibt es Zettel, wo ganz viele Namen draufstehen, und ganz viele Leute kreuzen einen Namen an, und am Ende guckt man, wie viele Punkte eine Person hat. Die Person mit den meisten Punkten gewinnt und wird dann Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler. Die reden dann mit anderen Bundeskanzlern und versuchen, etwas gegen Kriege zu tun zum Beispiel. Jetzt ist das noch die Angela Merkel. Die kenne ich aus dem Fernseher. Dann gibt es noch den Martin Schulz, der will auch Bundeskanzler werden. Ich weiß nicht, für welche Partei der ist. Über Parteien weiß ich eh nichts. Aber bei manchen Sachen sagt die Frau Merkel, ja, das finde ich gut, wo der Martin Schulz dann sagen würde, nee, das will ich anders. Deswegen gibt es Unterschiede, das wird dann in den Nachrichten gezeigt, und dann können die Erwachsenen noch mal überlegen.

Fast wie bei Lucky Luke

Nima, 12 Jahre: Nehmen wir an, es gäbe keine Politik, dann wäre jedes Land korrupt, ohne Regeln. Deshalb interessiere ich mich für Politik. Ich würde gerne wissen: Was machen die einen, was machen die anderen? Was ist richtig, was ist falsch? Bei den Wahlplakaten fällt mir allerdings auf, dass alle versuchen, ihre Ziele so zu machen, dass sie freundlich rüberkommen. Das ist wie in dem Lucky-Luke-Comic „Der Mann aus Washington“, wo die verschiedenen Präsidenten versuchen, nett zu sein zum Volk und sich einzuschleimen, damit sie viele Wähler abgrasen. Für mich ist das wichtigste, was Politiker im Hinterkopf haben, was die machen – und dass sie meistens die Wahrheit sagen.

Mein Vater sagt, wenn es rechts und links gäbe, wäre die CDU eher auf der rechten Seite und die SPD etwas links. Als die SPD früher an der Macht war, war sie sehr beliebt. Ich weiß auch nicht warum, aber ihr Ruf ist irgendwie zurückgegangen. Martin Schulz trägt die Namen von zwei Lehrern von mir, das finde ich lustig: Mein Musik- und Englischlehrer heißt Martin, meine Mathelehrerin Frau Schulz. Wenn die CDU an der Macht bleibt, ist Merkel weiter angesagt. Wenn die Grünen drankommen, wird Deutschland sehr umweltschonend. Wenn die NPD gewinnen würde, was sehr unwahrscheinlich ist, wäre Deutschland wieder wie damals vor dem Zweiten Weltkrieg. Aber ich habe Vertrauen zum deutschen Volk, dass sie wieder eher CDU oder SPD wählen.

Auch Frau Merkel ist aufgeregt

Paul, 9 Jahre: Den Martin Schulz kenne ich nur von den ganzen Plakaten. Über die Frau Merkel weiß ich mehr, sie redet sehr oft ins Mikrofon; und wenn sie etwas findet, was man in unserem Land besser machen kann, dann sagt sie das. Sie ist echt viel unterwegs, und nur wenn sie krank ist, dann liegt sie im Bett.

Ich glaube, jetzt, so kurz vor der Bundestagswahl, ist auch die Frau Merkel aufgeregt. Politiker zu sein und sich zur Wahl zu stellen, das ist spannend. Aber ich will Erfinder werden. Da macht es öfters „Boom“.

Kein Style, kein gutes Aussehen

Mathilda, 11 Jahre: Angela Merkel könnte definitiv mehr aus sich machen, sie hat einfach keinen Style. Überhaupt nicht gefallen hat mir das, was sie mal bei einer Oper getragen hat, einen komischen langen Rock, der glitzerte, und dazu das gleiche Oberteil. Martin Schulz will auch Bundeskanzler werden. Gut sieht er nicht aus. Politiker finde ich generell langweilig. Wie ein Politiker aussehen müsste, damit ich ihn wählen würde? Keine Ahnung, so ähnlich wie Papa.

Bitte erst einmal ein Selfie!

Nina, 12 Jahre: Mir tut Martin Schulz ein bisschen leid, weil er auf allen Plakaten immer so lächelt und denkt, dass er Bundeskanzler wird, und ich denke nicht, dass er Bundeskanzler wird. Was ein Bundeskanzler macht, weiß ich nicht so richtig. Er muss halt das Land regieren, er hat eine Partei. Er ist in diesem Reichstagsgebäude, und ich glaube nicht, dass er sich viel aussuchen kann an einem Tag, weil er immer was hat, viele Reisen und Interviews und Gespräche, und er muss in andere Länder reisen und Donald Trump oder so treffen. Treffen würde ich Merkel und Schulz natürlich gerne mal, sie sind doch so berühmt. Und dann würde ich ein Autogramm bekommen, ein Interview und ein Selfie.

Politik ist besser als Feuer

Amelie, 8 Jahre: Ich war mal in Berlin, da war so ein Haus, und Angela Merkel war an der Eingangstür, da habe ich sie gesehen. Und im Fernsehen. Ich glaube, die hilft uns. Aber ich weiß es eigentlich nicht. Den Namen Martin Schulz habe ich auch schon mal gehört. Wir hatten in der dritten Klasse im Sachunterricht mal darüber geredet, was man macht, wenn man Politikerin oder so was ist. Das fand ich gut. Gerade hatten wir das Thema Feuer. Da haben wir immer nur eine Kerze angezündet und eigentlich nicht so viel erfahren. Ich finde Politik eigentlich ein bisschen besser als Feuer.

Die AfD ist ein bisschen blöd

Victor, 10 Jahre: Ich glaube, dass Angela Merkel noch ein bisschen bleibt, weil die schon seit 40 Jahren Bundeskanzlerin ist. Mir gefällt ganz gut an der, dass die keinen Krieg anfängt oder wegen kleiner Sachen sofort droht oder ausrastet wie zum Beispiel Donald Trump. Ich find’s auch gut, dass sie die Flüchtlinge nach Deutschland gelassen hat. Was ich nicht so gut finde, dass die CDU eher was mit den reichen Menschen macht.

Ich glaube, die SPD würde eher den Armen helfen. Und die Grünen würden was für die Umwelt machen. Wenn die AfD gewählt wird, ist es nicht so gut. Die sind ja ein bisschen blöd. Letztens war ich bei meiner Tante, und da war Angela Merkel im Fernsehen, wie sie grad Bundeskanzlerin geworden ist. Da war sie noch ganz jung und hatte braune, ganz kurze Haare. Das sah witzig aus. Ich glaube, jetzt gefällt sie mir besser. Aber es ist nicht wichtig, wie ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin aussieht.

Bitte recht freundlich!

Lilian, 9 Jahre: Bei der Wahl geht es darum, dass die Deutschland verschönern wollen oder was ändern. Man wählt, damit das Volk das Recht hat zu entscheiden, wer Politiker ist. Martin Schulz ist ein Mann, der ist halt anders als Frau Merkel und will was anderes machen als sie. Was, weiß ich nicht. Angela Merkel ist eigentlich ganz nett. Aber sie hat immer so einen starren Gesichtsausdruck. Die verändert nie den Blick und grinst nicht so oft. Das finde ich nicht so toll. Man sollte schon versuchen, ein bisschen freundlicher zu gucken.

Fair ist anders

Madita, 10 Jahre: Angela Merkel ist schon sehr lange Bundeskanzlerin, deshalb würde ich es cool finden, wenn auch mal jemand anders gewinnen würde. Das fänd’ ich fairer. Stell dir mal vor, meine Freundin Lilian wäre Bundeskanzlerin, schon 16 Jahre lang, und dann will das jemand anders ganz doll und geht schmollig nach Hause, weil er gerne Bundeskanzler geworden wäre. Da fänd’ ich fairer, dass Lilian sich nicht jedes Jahr aufstellen lässt. Damit auch die anderen mal ’ne Chance haben.

Nix für mich

Georg, 9 Jahre: Die Bundestagswahl gibt es bei uns, damit man nach der Wahl so etwas wie einen König hat, der Ordnung im Land schafft. Ich weiß, dass Frau Merkel ganz gute Dinge entschieden und getan hat, zum Beispiel die Sache mit den vielen Flüchtlingen. Und sie will auch, dass Familien gerechter behandelt werden. Die Bundeskanzlerin Merkel redet im Interview eigentlich genau so, wie sie auch aussieht. Und ein ganz, ganz kleines bisschen sieht sie auch aus wie eine Königin.

Die Frau Merkel sitzt, glaube ich, den ganzen Tag in ihrem Büro und macht Ausflüge zu anderen Menschen, und dann gibt sie eben viele Interviews. Das ist schon ein cooler Job – aber nix für mich. Wenn ich wählen könnte, wem ich da die Stimme geben würde? Mhh, da gibt es ja auch noch diesen Matthias und diesen Oliver, die sind hier auf den Plakaten, die sehe ich immer, wenn ich zur Schule laufe. Ich würde dann vermutlich den Oliver oder den Matthias oder eben die Bundeskanzlerin Merkel wählen.

In Nordkorea müssen alle dieselbe Frisur tragen

Jakob, 9 Jahre: Angela Merkel finde ich gut, denn sie hat nicht so Regeln wie andere. In Deutschland darf jeder das machen, was er gerne möchte. Nicht wie in Nordkorea, wo dieser Heng Chi Oh oder so regiert. Der macht dumme Sachen. Da muss jeder dieselbe Frisur tragen. Wenn ich schon wählen dürfte, würde ich die Grünen wählen, weil ich es gut finde, dass die Umwelt nicht verschmutzt werden soll und es dann mehr Mülleimer geben würde.

Wie bei der Klassensprecherwahl

Hanna, 11 Jahre: Ich finde, Angela Merkel sieht langweilig aus, sie könnte mehr Farben tragen. Außerdem sollte sie lieber Röcke anziehen und kein Jackett. Eine Bundestagswahl stelle ich mir so vor, dass man auf einen Zettel den schreibt, den man wählen möchte, und dann muss man den irgendwo abgegeben. Dann wird alles gezählt, und die Mehrheit gewinnt. So wählen wir ja auch den Klassensprecher.

Auf der Suche nach gemeinsamen Lösungen

Paul, 10 Jahre: Frau Merkel klingt, wenn ich sie im Radio höre oder in den Nachrichten sehe, meistens ziemlich freundlich. Sie sieht eigentlich immer ordentlich angezogen aus. Wenn ich Frau Merkel und Herrn Schulz vergleiche, dann fällt mir auf, dass Herr Schulz oft klarer seine Meinung sagt und will, dass das dann auch genauso klappt. Als Bundeskanzler ist man schon sehr viel unterwegs und trifft sich mit anderen Menschen wie dem Herrn Erdogan. Und dann überlegen sie alle zusammen, was im Moment auf der Welt nicht richtig gut läuft, und versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Ich glaube, Politiker oder Bundeskanzlerin zu sein, das ist ein echt stressiger Job.

Erste Amtshandlung wäre ein Pferdkauf

Liliana, 6 Jahre: Angela Merkel kenne ich. Martin Schulz? Ich kenne diesen Namen, aber ihn kenne ich nicht. Ein Bundeskanzler ist ein Mann oder eine Frau, die über die Stadt bestimmen. Aber nicht über alles, nur Sachen, die gewählt werden und die wichtig sind. Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich zuerst sagen, ihr müsst mir ein Pferd kaufen. Und dann würde ich den Kindern Häschen schenken und Süßigkeiten. Und helfen, dass sie nicht arm werden und geklaut werden.

Quelle: F.A.S.
Autorenbild / Anke SchippJörg Thomann - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen ZeitungLucia Schmidt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen ZeitungAutorenporträt / Schaaf, Julia
Anke Schipp
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Lucia Schmidt
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Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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