Homo- oder Heteroeltern

Womit spielt das Kind?

Von Christiane Heil
 - 17:51

Die sexuelle Identität von Kindern hängt einer neuen Studie zufolge nicht davon ab, ob sie bei heterosexuellen oder gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen. Die Analyse von Spielvorlieben weise darauf hin, dass es für die empfundene Geschlechtszugehörigkeit nicht entscheidend ist, wie ein Kind aufwächst, berichtet die amerikanische Psychologin Rachel Farr. „Der Familientyp hat kaum Einfluss auf das geschlechtsspezifische Rollenmuster. Die geschlechtsbezogene Entwicklung von Adoptivkindern lesbischer oder schwuler Paare ähnelt der solcher Kinder, die von heterosexuellen Paaren adoptiert werden“, fasste die Wissenschaftlerin nun bei der Veröffentlichung der Studie in dem Fachjournal „Sex Roles“ zusammen.

Farr, die an der Universität von Kentucky forscht, hatte für die Untersuchung insgesamt 106 amerikanische Adoptivfamilien mit homosexuellen und heterosexuellen Eltern begleitet. Dabei beobachtete sie mehr als fünf Jahre lang, wie sich das geschlechtstypische Verhalten der Kinder während ihrer Entwicklung änderte. Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Beobachtung, welches Spielzeug der Nachwuchs wählte und wie temperamentvoll er damit umging.

Heimisches Rollenvorbild für Genderentwicklung nicht notwendig

Wie Farr feststellte, verhielten sich die meisten Kinder ihrem Geschlecht entsprechend. Einige Jungen und Mädchen, die im Kindergartenalter Spielzeuge wählten, die üblicherweise nicht von Kindern ihres Geschlechts gewählt wurden, zeigten auch im Schulalter häufiger Interesse an für ihr Geschlecht untypischen Hobbys oder Aktivitäten.

Laut Farrs Studie spielte die Familienform keine Rolle dabei, ob sich die Kinder genderkonform oder nicht genderkonform verhielten. Die Psychologin registrierte lediglich nach der Einschulung eine Hinwendung zu genderkonformerem Verhalten. „Es scheint, dass ein männliches oder weibliches Rollenvorbild zuhause nicht notwendig ist, um bei Adoptivkindern eine typische Genderentwicklung zu unterstützen oder sie von Gender-Nonkonformität abzuhalten“, sagte Farr.

Mehr Selbstbewusstsein und Autonomie

Nach der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den Vereinigten Staaten Ende Juni 2015 beschäftigten sich amerikanische Gerichte immer wieder mit Versuchen verschiedener Bundesstaaten, Lesben und Schwulen Adoptionen zu verweigern. Vor sieben Wochen entschied der Oberste Gerichtshof nach Scharmützeln über Geburtsurkunden mit den Namen homosexueller Eltern, dass alle Bundesstaaten künftig Adoptionen auch durch gleichgeschlechtliche Paare erlauben müssen.

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Wie die Psychologin Farr sagte, erhoffe sie sich von ihrer Studie eine Entlastung von Jugendämtern, Adoptionsagenturen und Familienrichtern bei Fällen, in denen über das Wohl von Kindern gleichgeschlechtlicher Paare gestritten würde. Insgesamt sei die gesunde Entwicklung von Kindern stärker von der Erziehungskompetenz der Eltern abhängig als von deren sexueller Orientierung.

In Deutschland können gleichgeschlechtliche Paare nach der Entscheidung für eine „Ehe für alle“ künftig gemeinsam Kinder adoptieren. Bisher durfte dies zunächst nur ein Elternteil tun. Eine Studie der Universität Bamberg zu Kindern in Regenbogenfamilien zeigte, dass sich der Nachwuchs mit Blick auf die Beziehungsqualität zu den Eltern und der psychischen Anpassung kaum von den Sprösslingen traditioneller Familien unterscheidet. „Die vorhandenen Unterschiede weisen sogar auf Vorteile von Kindern und Jugendlichen aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften hin“, sagte Fabienne Hornfeck vom Deutschen Jugendinstitut in München. Sie hätten ein höheres Selbstwertgefühl und mehr Autonomie in der Beziehung zu ihren Eltern.

Quelle: F.A.Z.
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