70. Geburtstag von Camilla

Die Aufsteigerin

Von Jochen Buchsteiner
 - 14:03

Wenn die Herzogin von Cornwall, bekannt als Camilla, an diesem Montag ihren 70. Geburtstag feiert, begleiten dies die meisten Briten mit freundlicher Anteilnahme. Das hätte vor rund 20 Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Damals, in der Zeit vor und nach dem Tod Prinzessin Dianas, galt Camilla, die langjährige Geliebte und heutige Ehefrau des Kronprinzen Charles, als „Britanniens meistgehasste Frau“. Der Beiname „Rottweiler“ machte sich breit, und als sie sich einmal in einen Supermarkt traute, soll eine Kundin mit einem Brötchen nach ihr geworfen haben.

Ein vergleichbarer Aufstieg in der Gunst der Nation, schrieb kürzlich ein „Royal Correspondent“, sei vor Camilla nur Prinz Albert gelungen, und das ist immerhin 180 Jahre her. Auch der deutsche Prinz aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha war lange Jahre mit Argwohn, ja Ablehnung betrachtet worden, bis ihn die Briten endlich als Teil des Königshauses respektierten, genauer: als den Mann an der Seite ihrer Monarchin, der Königin Victoria.

Die Herzogin von Cornwall wuchs als Camilla Rosemary Shand in einer jener Upper-class-Familien auf, in denen man die Töchter auf ein Leben ohne Geldsorgen vorbereitete und ihnen Zumutungen wie die Beendigung einer höheren Schule ersparte. Schon als junges Mädchen lernte Camilla Konversation in Paris und Florenz und verfeinerte ihre Manieren auf der internationalen Bühne der höheren Familien – was sie kürzlich, als sie in einem Zeitungsgespräch auf ihre Jugend zurückblickte, als „in gewisser Weise snobbish“ bezeichnete. Den Mann, der ihr Leben definieren sollte, traf sie zum ersten Mal im Alter von 23 oder 24 Jahren. Trotz gegenseitiger Anziehung heirateten die beiden aber erst einmal andere Partner. Camilla vermählte sich 1973 mit dem Offizier Andrew Parker Bowles – Charles, acht Jahre später, mit Diana Spencer.

„Eine zutiefst unerfreuliche Zeit“

Gerüchte, dass Camilla und Charles vor- und außereheliche Kontakte pflegten, zirkulierten schon länger, aber zum öffentlichen Gut wurde das Verhältnis erst 1992, als das Buch „Diana: Her True Story“ herauskam – und vor allem im Jahr darauf, als die Presse Mitschnitte intimer Telefongespräche zwischen Charles und Camilla veröffentlichte, die, um es vorsichtig zu sagen, letzte Zweifel ausräumten. Bald darauf, 1995 und 1996, ließen sich die beiden von ihren Partnern scheiden. In den Jahren bis zur Hochzeit mit Charles, die vom Unfalltod Dianas emotional aufgeladen waren, wurde Camilla von Teilen der Öffentlichkeit die Rolle der bösen Nebenbuhlerin und der rücksichtslosen Familienzerstörerin zugewiesen. Um nicht auf Schritt und Tritt von Paparazzi verfolgt zu werden, verkroch sie sich in ihrem Landhaus in Wiltshire, das sie bis heute als Rückzugsort behalten hat. Dort beschäftigte sie sich mit Büchern und Krimiserien; außerdem begann sie zu malen. Im Rückblick spricht sie von einer „zutiefst unerfreulichen Zeit, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche“. Geholfen, erzählte sie unlängst in einem Interview, hätten ihr vor allem ihre beiden Kinder Tom und Laura sowie ihre Geschwister Annabel und Mark – aber auch ihre traditionelle englische Erziehung, in der für Jammerei kein Platz gewesen sei.

Seit nunmehr zwölf Jahren steht Camilla als Ehefrau an der Seite des Kronprinzen, der sie öffentlich gerne als „my darling wife“ bezeichnet. Mit etwa 200 Veranstaltungen im Jahr gilt die Herzogin von Cornwall als eine der Leistungsträgerinnen im Hause Windsor. Sie begleitet Charles bei Auftritten und Reisen im In- und im Ausland und steht selber zahlreichen Wohltätigkeitseinrichtungen vor. Mit Leidenschaft engagiert sie sich in der „Nationalen Osteoporose-Gesellschaft“; sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter sind an den Folgen dieser Krankheit gestorben.

Über die Jahre haben sich die Briten an Camilla gewöhnt und auch sympathische Eigenschaften an ihr entdeckt, nicht zuletzt ihren Humor. Frieden hat die Nation mit Camilla aber auch geschlossen, weil dem vermutlich zukünftigen König nahezu täglich anzusehen ist, wie wohl er sich in der Gesellschaft seiner zweiten Ehefrau fühlt.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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