Herzblatt-Geschichten

Männer, die auf Schiffe zeigen

Von Jörg Thomann
 - 12:02
zur Bildergalerie

Erinnern Sie sich noch an Karsten Ullrich? Jenen „Diplom-Psychologen“, den wir unlängst an dieser Stelle gewürdigt haben? Anhand eines Fotos, auf dem die spanischen Prinzessinnen Leonor und Sofia (12 und 10) etwas ernst wirkten, hatte er ihnen in der Freizeitwoche bescheinigt, sie seien „zutiefst unglücklich“ und bedroht von Depressionen und Selbstmordgedanken. Unsere kleine Recherche indes ergab keinen Hinweis darauf, dass ein Psychologe namens Karsten Ullrich auch außerhalb der „Freizeitwoche“ existiert – obgleich deren stellvertretende Chefredakteurin versprach, er werde sich mit uns in Verbindung setzen. Und wissen Sie, wer sich jetzt, nach zwei Wochen, ganz unerwartet bei uns gemeldet hat? Niemand. Und schon gar nicht Karsten Ullrich.

Dafür lesen wir nun folgende Schlagzeile bei „Neue Freizeit„: „Große Angst um die süße Estelle – Victoria & Daniel – Heimliches Drama! Das durfte nicht passieren – Sie ist doch noch ein Kind“. Was nicht passieren durfte, das, so ergibt ein Blick ins Heft, sind ein paar öffentliche Auftritte der fünfjährigen Schwedenprinzessin. „,Das ist zu viel für das Mädchen. Bisher lächelt Estelle noch, aber der Druck nimmt ständig zu. Victoria und Daniel müssen die perfekte Balance finden, sonst könnte der Stress schreckliche Konsequenzen nach sich ziehen‘, warnt der Kinderpsychologe Dr. Ole Karlsson (48).“ Meinen Sie, Herr Doktor, etwa Depressionen und Selbstmordgedanken? Und woran liegt es eigentlich, dass sich im Netz gar kein „Psykolog“ Ihres Namens findet? Klingt „Ole Karlsson“ nicht ohnehin wie ein schwedischer Verwandter von „Karsten Ullrich“? Handelt es sich gar um ein Gemeinschaftsprojekt der Klatschblätter, Fake-Psychologen verschiedener Nationen unter ähnlich klingenden Namen einzusetzen? Kommen als Nächstes die Ferndiagnosen von Carlos Ola, Kirsty O’Leary, Olli Kahn und Ulf Kirsten?

Promikinder mit langweiligen Namen

Nun können ähnliche oder gleiche Namen ein echtes Problem sein. Wie „In“ berichtet, zoffen sich mit Melanie Müller und Sarah Nowak zwei Halbberühmtheiten aus der Reality-TV-Welt um den Namen von Nowaks ungeborener Tochter. „Heißen soll das Kind: Mia Rose. Ein Schock für Melanie Müller. Denn am 20.September dieses Jahres kam ihre Tochter per Kaiserschnitt zur Welt – und heißt Mia Rose!“

Müller will nun nicht, „dass es noch ein zweites Promi-Kind mit demselben Namen gibt“, und ist „richtig ausgerastet“. Tja, Frau Müller, hätten Sie Ihrer Kleinen halt einen wirklich standesgemäßen Promi-Namen gegeben wie Tallulah Trixibelle oder Chastity Tiger, dann wäre Ihnen das wohl erspart geblieben. Übrigens gibt es noch eine andere prominente Dame, die Mia Rose heißt, nämlich eine, ähem, amerikanische Pornodarstellerin.

Nachhilfe am Hafen

Stefan Mross kennen wir nur einen, aber der reicht auch schon. Über ihn und seine Freundin Anna-Carina Woitschak schreibt „Das neue Blatt„: „Sie lieben sich im Eiltempo!“ Gut, das ist in Deutschland bei den meisten Paaren so, aber gemeint ist hier, dass sie erst seit Januar ein Paar, aber schon in ein gemeinsames Haus gezogen sind. „Nun ging es in den ersten Liebesurlaub – auf Kreuzfahrt durchs Mittelmeer. „Das neue Blatt“ war exklusiv dabei und sprach mit beiden über ihre Liebe.“ Muss ja ganz schön leer gewesen sein auf dem Schiff, nur die beiden und „Das neue Blatt“.

Auf zwei Seiten sehen wir ganz viele herzige Fotos des Paares, auf denen er sie, beide mit geschlossenen Augen, auf die Schläfe küsst oder huckepack trägt („,Er trägt mich auf Händen‘, sagt sie“, widersprechen kann man da nicht). Schön auch das Bild mit der Unterschrift „Er zeigt ihr im Hafen von Ajaccio (Korsika) die Schiffe“, denn tatsächlich stehen beide direkt am Kai, und Mross deutet auf die Schiffe, die in großer Zahl direkt vor ihnen liegen. Ob sie die wohl auch ohne seine Hilfe erspäht hätte?

Helene Fischer in Gefahr?

„Unentdeckt Mama geworden“ ist laut „Bunte“ eine deutsche Schauspielerin, die „still und heimlich ein Kind zur Welt gebracht“ habe. „Wir würden den Bunte-Lesern gern die exklusiven Fotos der kleinen Familie zeigen. Doch leider ist es uns verboten“, klagt „Bunte“, die die Paparazzi-Bilder natürlich liebend gern zeigen würde. „Stell dir vor: Eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen erwartet ein Kind – und kaum jemand bekommt etwas von der Schwangerschaft mit?!“ Das, Bunte, ist großer Quatsch. Wir sind nämlich überzeugt, dass viele Leute etwas mitbekommen haben: die Familien, enge Freunde, das Standesamt, der Arzt, die Hebamme – kurz, alle die es etwas angeht. Dich, „Bunte“, geht es nichts an.

Von nationalem Interesse hingegen ist Helene Fischers linkes Auge, das, wie ein von ihr selbst veröffentlichtes Video zeigte, vermutlich aufgrund einer geplatzten Ader blutunterlaufen war – was die Klatschhefte hyperventilieren lässt: Vom „Schock-Unfall hinter der Bühne“ phantasiert „Neue Post“, und „Das neue Blatt“ behauptet: „Ihr Körper rebelliert.“ „Closer“ („Wie viel Leid kann sie noch ertragen?“) hat einen Hamburger Augenarzt kontaktiert, der sich „zum Thema allgemein“ äußert, sosehr sich „Closer“ auch müht, das Gespräch auf Fischer zu lenken: „Können körperlich anspruchsvolle Aktivitäten – etwa kopfüber herumturnen – eine Einblutung fördern?“ Der Arzt jedoch erklärt ganz gelassen, so eine Einblutung sei „zwar kosmetisch nicht sehr schön, aber auch nicht schädlich“. Das ist halt das Doofe an Experten, die nicht erfunden sind: Sie machen einem mitunter die ganze Geschichte kaputt.

Quelle: F.A.S.
Jörg Thomann - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jörg Thomann
Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenHelene FischerStefan MrossUlf KirstenMänner