Hörner unterm Hammer

Südafrika streitet über den Schutz von Nashörnern

Von Claudia Bröll, Kapstadt
 - 16:46
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Tierschützer in Südafrika hatten bis zuletzt heftig gegen eine Online-Auktion von 264 Nashorn-Hörnern protestiert, die ungeachtet dessen seit Mittwoch läuft. Die Hörner stammen aus dem Besitz von John Hume, des größten Nashorn-Züchters der Welt. Auf seiner Farm in Klerksdorp hält der Südafrikaner 1500 Nashörner. Über die Jahre hinweg hat er Hörner mit einem Gesamtgewicht von mehr als sechs Tonnen angesammelt. Ein Teil davon kommt jetzt unter den sprichwörtlichen Hammer.

Seit Jahren kämpft der Südafrikaner dafür, dass der Handel mit den Hörnern freigegeben wird. Nach eigenen Worten geht es ihm dabei nicht nur ums Geschäft. Eine Legalisierung würde aus seiner Sicht die Wilderei eindämmen und die berühmten afrikanischen Dickhäuter vor dem Aussterben bewahren. „Die Nachfrage nach Nashorn-Hörnern ist enorm und wird nicht schnell nachlassen“, sagt Hume. Es sei daher unumgänglich, Anreize für die Zucht und den Schutz der Tiere zu schaffen.

Viele Tierschützer und Gesetzgeber aber sehen das anders: Der internationale Handel mit Nashorn-Hörnern ist nach einer UN-Konvention seit 1977 verboten. Auch Südafrikas Regierung erließ ein Verbot, allerdings erst 2009. Private Züchter wie Hume zogen dagegen vor Gericht, bis das Verfassungsgericht ihnen im April Recht gab. Die jetzt laufende Online-Auktion ist die erste seit der Aufhebung des Verbots. Bis zuletzt hatte sich auch die zuständige Behörde dagegen gesträubt.

80 Prozent aller Nashörner leben heute in Südafrika

Um nicht gegen internationale Regeln zu verstoßen, ist der Handel nur auf Südafrika beschränkt. Ausländische Käufer dürfen mit einer behördlichen Zulassung maximal zwei Hörner für den „Eigenkonsum“ außer Landes schaffen. Umweltministerin Edna Molewa versprach, alles zu unternehmen, um Schmuggel und eine Verletzung des internationalen Verbots zu verhindern.

Etwa 80 Prozent aller Nashörner leben heute in Südafrika. Vor zehn Jahren fielen dort 13 Tiere Wilderern zum Opfer, im vergangenen Jahr waren es 1175. Meist handelt es sich um hochprofessionelle Banden, die nachts schwer bewaffnet und mit Nachtsichtgeräten ausgestattet in Wildparks einbrechen und die Tiere auf brutale Weise enthornen.

In China gelten die Hörner als Statussymbol

Nashorn-Hörner bestehen aus der gleichen Materie wie menschliche Fingernägel. Doch auf dem Schwarzmarkt zahlen Händler astronomische Preise für ein paar Gramm Keratin. Vor allem in Ländern wie Vietnam und China gelten die Hörner als Statussymbol. Hartnäckig hält sich der Glaube, dass sie Potenz steigern und Krankheiten wie Krebs heilen. Auch Medizinmänner in Afrika verabreichen pulverisiertes Nashorn-Horn.

Private Züchter lassen den Nashörnern auf ihren Farmen regelmäßig die Hörner absägen, auch um sie vor Wilderern zu schützen. Dafür seien Tierärzte im Einsatz, die Tiere würden vorher betäubt, teilt Hume mit. Das Horn wachse relativ schnell nach, etwa 100 Millimeter im Jahr. Die Haltung der Tiere verschlingt jedoch immer höhere Summen. Allein die Sicherheitsvorkehrungen kosten laut seiner Internetseite 170.000 Dollar im Monat. Um den Betrieb fortführen zu können, brauche er die Einnahmen aus der Auktion.

Kritiker jedoch befürchten, dass Nashorn-Hörner durch den legalen Handel salonfähig würden und sich die Mär von ihrer Wunderwirkung noch festige. Auch wird befürchtet, dass die in Südafrika gehandelten Hörner doch ins Ausland gelangen oder die von Wilderern erbeuteten „Blut-Hörner“ umgekehrt auf dem legalen Markt landen. Das sei nicht vollständig zu verhindern, sagen die Tierschützer.

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Quelle: F.A.Z.
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Claudia Bröll
Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.
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