Wegen Schweinepest

Dänemark baut einen Zaun aus Angst

Von Matthias Wyssuwa, Hamburg
 - 17:14

Er soll 70 Kilometer lang und 1,5 Meter hoch werden: Am Montag hat das dänische Parlament in Kopenhagen beschlossen, einen Zaun an der Grenze zu Deutschland zu bauen. So wollen die Dänen verhindern, dass Wildschweine aus Deutschland ins Königreich eindringen und die Afrikanische Schweinepest übertragen. Die Krankheit ist in Osteuropa verbreitet, auch in Deutschland wird über die Gefahr diskutiert – es gibt bislang aber keine dokumentierten Fälle. Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich, für Schweine hingegen schon. Betroffene Tiere verenden zumeist schnell.

Die Schweinefleischindustrie hat große Bedeutung für das Land. So zitierte die Zeitung „Berlingske“ Umweltminister Jakob Ellemann-Jensen mit der Einschätzung, dass ein Exportverlust von elf Milliarden Dänischen Kronen (etwa 1,5 Milliarden Euro) drohe, sollte die Schweinepest ausbrechen. Der Zaun soll etwa zehn Millionen Euro kosten. Noch stehen allerdings Prüfungen aus, wie sich der Zaun auf das Ökosystem auswirkt. Baubeginn könnte dann im Oktober sein.

An den Plänen gibt es viel Kritik. So ist nicht einmal klar, ob der Zaun wirklich wirkt. Wildschweine können nämlich gut schwimmen und auch übers Wasser die Grenze überqueren. Jäger warenen davor, dass sich die Schweine womöglich unter dem Zaun hindurch wühlen könnten.

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Bauern in SorgeDie Angst vor der Schweinepest

Zudem wird die Schweinepest nicht nur über Wildschweine übertragen. Eine große Gefahr geht auch von verunreinigten Tiertransportern aus oder von Lebensmitteln wie Wurstwaren, die mit dem Virus kontaminiert sind. Daher gab es an den Plänen auch früh Kritik aus Schleswig-Holstein. Schon als sie im März diskutiert wurden, sagte der Kieler Umweltminister und Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck: „Der Zaun wird nicht helfen, die Afrikanische Schweinepest herauszuhalten aus Dänemark.“ Die Maßnahme sei überzogen. Am Montag sagte der europapolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Rasmus Andresen: „Nach der Wiedereinführung der Grenzkontrollen sendet die dänische Regierung wiederholt ein populistisches Abschottungssignal. Weder wird der Zaun Wildschweine aufhalten, noch wird die dänische Abschottungspolitik Probleme lösen.“ Dänemark hatte als Folge der Flüchtlingskrise vor gut zwei Jahren beschlossen, die Grenze zu Deutschland wieder zu kontrollieren.

Das dänische Parlament hat nun außer dem Zaun auch höhere Geldstrafen für Vergehen beschlossen, die eine Verbreitung der Schweinepest begünstigen könnten – zum Beispiel die ungenügende Reinigung eines Tiertransporters. Auch sollen die Dänen über die Gefahren, die für die Tiere von kontaminierte Lebensmittelabfällen ausgehen, informiert werden. Die Jagd auf Wildschweine wird ausgeweitet. Zugestimmt haben dem Maßnahmenpaket die Abgeordneten der bürgerlichen Regierung, die Sozialdemokraten – und die rechtspopulistische Dänische Volkspartei. Aus deren Reihen kam auch ein Vorschlag, den Zaun noch etwas höher zu bauen. So könne auch die Kontrolle gegen illegale Einwanderung gestärkt werden. Aber dazu kommt es nicht.

Quelle: F.A.Z.
Matthias Wyssuwa
Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.
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