Was Leser in Zügen erlebten

„Toll, halber Urlaubstag weg“

 - 09:42

Acht Stunden hatte die Bahnfahrt von Bernhard Fleischer gedauert, ans Ziel kam er dabei nie. Auf den Text zu seiner chaotischen Bahnfahrt, der am Wochenende in der Sonntagszeitung erschienen war, erhielten wir hunderte Leserkommentare und Zuschriften. Viele erzählten ihre Geschichten über ausgefallene Züge, fehlende Durchsagen, stundenlange Verspätungen. Besonders mangelnde Kommunikation mit den Reisenden bemängeln viele Briefe. Einige sind sehr wütend, wenige nehmen das Erlebte mit Humor. Eine Auswahl.

Halber Urlaubstag weg

Im Juli wollten wir unsere Reise um 08:58 Uhr nach Oldenburg in Holstein mit dem ICE antreten. Nach verschiedenen Durchsagen mit mal 15 Minuten, mal 50 Minuten Verspätung bis zum Ausfall beziehungsweise der Gleisänderung war das schon sehr nervig. Dann kam die Durchsage: “Bitte nächsten Zug ICE um 10:09 Uhr auf Gleis 8“, dann Gleis 9, dann endgültig Gleis 1. Alle genervten Reisenden rannten nach Gleis 1. So einen überfüllten Bahnsteig haben wir selten gesehen. Keine Chance auf eine Mitfahrt. Ins Reisezentrum, sehr freundliche Mitarbeiter, Umbuchung mit leider nur einer Reservierung auf einen ICE um 12:58 Uhr. Dieser kam rund zehn Minuten verspätet an. Die Anzeige sprach von geänderter Zugreihung. Also nach Gleisabschnitt F gehechtet. Zug fährt ein, 1. Klasse doch in A. Wieder zurück im Schweinsgalopp. Komplett durchgeschwitzt. Endlich sitzen auf dem einen reservierten Platz, enorme Hitze im Zug, Klimaanlage ausgefallen, juhu. Nach rund 45 Minuten haben uns die sehr netten Zugbegleiter in einen anderen Wagen mit funktionierender Klimaanlage bringen können. Ankunft in Oldenburg (Holst.) um 18:54 Uhr statt 14:37 Uhr. Toll, halber Urlaubstag weg. Michael Schubert

Der reine Horror

Unsere Fahrt Rostock – Schwerin dauerte von 12.44 Uhr bis 18.00 Uhr wegen eines Stellwerksausfalls. Der Zug bewegte sich in dieser Zeit nur zwischen Schwerin-Pampow und Holthusen, und zurück (Anm. der Red.: Eine Strecke von etwa fünf Kilometer). Ganze 5 Stunden 15 Minuten!

Außerdem war die Klimaanlage nicht in Ordnung. Die Temperatur im Abteil betrug circa 30 Grad. Im Bordbistro gab es kein Essen, es gab nur Getränke,warm. (Kühlung ausgefallen). Als alles verkauft war, gab es Tetrapak Mineralwasser gratis. Kurz vor 18.00 als alles sinnlose Hin- und Hergefahre zwischen den beiden Orten selbst den Zuständigen in Berlin auffiel, wurde uns mitgeteilt, dass die Bahn Busse und Taxen bestellt, um von Schwerin nach Hamburg zu kommen. Um 18.00 standen rund 400 Personen am Bahnhof Schwerin und kämpften um Plätze in einem Bus und vier Taxen: davon konnten wir eines ergattern, aufgrund der starken Gehbehinderung meines Mannes.

Wir waren froh endlich gegen 19.30 Uhr in Hamburg zu sein um den Zug gegen 19.45 Uhr ab Hauptbahnhof zu bekommen. Was sich aber dann abspielte (nach dieser wahren Odyssee), war der reine Horror: Zwei oder drei Züge Richtung Süden (Ruhrgebiet) waren ausgefallen und wir stiegen in einen total überfüllten Zug und kamen um 23.40 Uhr in Essen an. Das es fast zwei Stunden dauerte bis man eine Chance bekam zum WC oder ins Bistro zu kommen, weil die Menschen stehend und hockend zwischen Gepäckstücken die Gänge besetzten, machte das Chaos komplett! Renate Jochem

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Pendler-Sorgen

Ich bin Pendler, ich fahre wie so viele andere jeden Tag von Bremen nach Hamburg und zurück mit dem Zug zur Arbeit. Seit Beginn der Hitzewelle in Deutschland habe ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Verspätung. Das klingt erst Mal nicht nach viel. Wenn man aber bedenkt, dass das jeden Tag passiert, kommen so jede Woche mindestens 4,5 Stunden zusammen, die die Deutsche Bahn mir von meiner schon zu knappen Freizeit stiehlt. Dabei ist nicht einmal die Verspätung selbst das schlimme, sondern die Art und Weise wie die Deutsche Bahn argumentiert. Jeden Tag ein neuer Grund für die Verspätung, teilweise bekommt man überhaupt keine Information warum. Die Züge bleiben scheinbar grundlos länger an den Bahnhöfen stehen. Ich bezahle jeden Monat 264,- Euro für mein Ticket, Alternativen gibt es kaum, mit dem Auto kann ich nicht fahren, da es jeden Tag kilometerlange Staus auf der A1 zwischen Bremen und Hamburg gibt. Ich fühle mich der DB ausgeliefert. Aber was soll ich machen, ich bin darauf angewiesen. Andree Helm

Für einen Selbständigen ein Desaster

Im Juli befand ich mich auf der Rückreise per Bahn von einem Geschäftstermin in der Nähe von Köln. In Köln Messe stieg ich in den ICE nach München, eine Direktverbindung ohne umsteigen. Pünktliche Abfahrt gegen 14.40 Uhr, Reservierung des Sitzplatzes ging in Ordnung. Kurz vor dem Halt am Frankfurter Flughafen kam die Durchsage, dass in Frankfurt Hauptbahnhof alle Fahrgäste aussteigen und in einen anderen baugleichen ICE am selben Bahnsteig gegenüber einsteigen müssen, da dieser ICE nicht weiterfahren werde. Auf meine Frage, ob die reservierten Sitzplätze sozusagen transferiert werden oder ich eventuell dann ohne Sitzplatz dastehe, wurde mir entweder gar nicht oder unwirsch geantwortet, dass die Sitzplatzreservierungen sowieso nach zehn Minuten verfallen, allerdings saß ich ja da schon auf meinem reservierten Sitzplatz und war beim Arbeiten. Am Frankfurter Hauptbahnhof stiegen dann alle aus. Dann die Durchsage: Ersatzzug kommt auf dem selben Gleis aber 500 Meter weiter vorne an. Also hetzten alle 500 Meter weiter nach vorn. Dann passierte nichts, nach 30 Minuten abermalige Durchsage, dass alle wieder in den (vormals defekten) ICE einsteigen könnten. Also alle zurück, nur jetzt natürlich ohne die Sitzplatzreservierungen. Gründe für die plötzliche Genesung des Zuges wurden nicht gegeben wie auch der Grund des Wechsels vorher.

Nach dem glücklichem Erkämpfen eines Sitzplatzes – leider ohne Arbeitsmöglichkeit – Weiterfahrt. Nach Aschaffenburg stoppte der ICE unmittelbar auf offener Strecke. Immerhin erfolgte zeitnah die Durchsage, es gebe ein Problem, weil ein Regionalzug vor uns liegengeblieben sei und erst abgeschleppt werden müsse, da es keine Ausweichstrecken gebe. Immerhin setzte sich der Zug dann nach weiteren 30 Minuten wieder in Bewegung. Insgesamt erreichten wir dann glücklich München mit einer Stunde Verspätung. Der Zeitverlust ist gerade noch tolerabel, aber der Grund, die Bahn zu nehmen, da ich im Flugzeug nicht arbeiten kann, war völlig hinfällig. Von daher für einen Selbständigen ein Desaster. Wäre ich geflogen, wäre ich zur gleichen Zeit angekommen, hätte aber wenigstens in der Lounge etwas arbeiten können. Samson Fung

Gutschein dankend abgelehnt

Das Chaos fing in Köln am Hauptbahnhof an. Auf den Tickets war ein Abschnitt am Gleis angegeben, in dem der Zug halten sollte, der nicht existierte. Deshalb habe ich den Infopoint aufgesucht und gefragt, ob der Zug denn tatsächlich an diesem Gleis abfahren würde. Mir wurde dann mitgeteilt, dass der Zug ausfällt, was auf keiner Anzeigetafel und auch nicht per Durchsage bekannt gegeben wurde. Der nächste sollte in einer Stunde in Deutz abfahren. Also fuhr ich nach Köln Deutz. Dort suchte ich wieder den Infopoint der Deutschen Bahn auf, um mir mitteilen zu lassen, welchen Sitzplatz ich im „neuen“ ICE belegen könnte. Die Antwort: keinen. Der Zug sei ausgebucht und mit meinem teuer gekauften Ticket könne ich diesen sowieso nicht nutzen, da Zugbindung bestehe. Ich müsste mir ein neues Ticket kaufen. Das kam für mich aufgrund der gezahlten knapp 150 Euro nicht in Frage.

Am Gleis angekommen: Menschenmassen. Als der Zug mit einer einstündigen Verspätung ankam und sich die Türen öffneten, drängten die Menschen herein. Der Zug war völlig überfüllt. Menschen standen mit ihrem Gepäck, so wie ich mit meiner Geige auf dem Rücken, im Gang, sich zu bewegen war unmöglich. Trotzdem hielten es die wohl sehr serviceorientierten Bahnmitarbeiter für nötig, ihren Rundgang mit dem Servierwagen durchzuführen, und sich durch den völlig überfüllten Gang zu quetschen. Ich stand ganze vier Stunden in dem stickigen und warmen Zug, bis ich in Bayern endlich in den Regionalzug umsteigen konnte und kam mit einer dreistündigen Verspätung im Hotel an.

Über die Fahrt habe ich mich bei der Bahn beschwert und wollte mein Geld für die Fahrkarte, die ich ja nicht nutzen konnte, da der Zug ausgefallen ist, erstattet haben. Dies sei nicht möglich - man könne mir allerdings einen Gutschein für meine nächste Fahrt mit der Deutschen Bahn anbieten - im Wert von zehn Euro. Diesen habe ich dankend abgelehnt. Melanie Rauhut

Wieder mit dem Auto

Gerade erlebt am Sonntag habe ich eine solche Fahrt erlebt auf der Strecke Hamburg-Dammtor nach Frankfurt Main. Ab 15:40 erschien die Anzeige, dass der ICE ausfällt. Der Ersatzzug sollte ab dem Hauptbahnhof fahren, es fehlten jedoch die Hinweise, wie man jetzt schnell zum Hauptbahnhof kommt, um den Ersatz-Zug zu erreichen. Kurzentschlossen mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof gefahren, dort war der bereitgestellte IC einer älteren Generation ohne Klimaanlage bereits so überfüllt, dass das Bahn-Personal uns nicht mehr hinein ließ. Über das Reisezentrum wurden wir umgebucht auf einen ICE, der 17:01 Uhr abfuhr. Dort funktionierte alles bis auf den Speisewagen, wo durch einen Kurzschluss nur kalte Speisen und Getränke verkauft werden konnten. Die Ankunft in Frankfurt war dann um eine Stunde verspätet.

Schlimm ist, dass jede Professionalität im Umgang mit Eventualitäten fehlt. Immer hat man den Eindruck, es wird improvisiert oder das Unternehmen agiert an der Belastungsgrenze. Fazit: Ich fahre wieder mit dem Auto. Tobias Frank-Fleck

Die Texte haben wir aus der großen Anzahl der Einsendungen ausgewählt. Sie wurden redaktionell bearbeitet und zum Teil leicht gekürzt.

Quelle: marw.
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