Nach Hurrikan Maria

Das verkorkste Krisenmanagement des Donald Trump

Von Yves Bellinghausen
 - 12:46

Irma, José und Maria: Drei Wirbelstürme haben innerhalb weniger Wochen die amerikanische Karibikinsel Puerto Rico verwüstet. Maria, der die größte Zerstörung angerichtet hat, ist schon vor gut einer Woche abgezogen, aber die Insel liegt noch immer im Chaos: das Stromnetz ist zusammengebrochen, es gibt zu wenig Treibstoff auf der Insel und auch beim Trinkwassermangel ist derzeit keine Besserung in Sicht.

In der Folge des Wirbelsturms gerät das Krisenmanagement von Präsident Trump zusehends unter Druck: Während der Gouverneur der Insel vor einer humanitären Katastrophe warnt, beschäftigte sich Trump in den Tagen nach dem Wirbelsturm zunächst mit seinem Kleinkrieg gegen die amerikanische Football-Liga „NFL“, anstatt sich um Puerto Rico zu kümmern.

Absonderliche Reaktion des Präsidenten

Am Montag äußerte sich Trump dann doch noch zu Puerto Rico und schrieb auf Twitter, die Insel hätte schon vor dem Sturm unter „defekter Infrastruktur und enormen Schulden“ gelitten. Das Stromnetz sei in einem fürchterlichem Zustand gewesen und ohnehin würde die Insel der Wall Street Milliarden Dollar schulden. Die absonderliche Reaktion des Präsidenten empfanden viele Amerikaner als unangemessen.

„Lasst uns bitte nicht über diese verdammten Schulden reden, sondern lasst uns über die Toten reden!“, sagt die völlige aufgelöste Bürgermeisterin von San Juan, der Hauptstadt von Puerto Rico. In einem Video berichtet sie dem amerikanischen Fernsehsender CBS unter Tränen, dass die Insel auf sich selbst gestellt sei. Hilfe aus der Hauptstadt würde in Puerto Rico nicht ankommen, klagt sie. Hilfskräfte stünden bereit, aber würden auf Einsatzbefehle warten. Das Leben hunderter Bürger sei bedroht, wenn Washington nicht bald handele.

Prominente haben den Präsidenten öffentlich stark kritisiert, und selbst an Puerto Rico gespendet. Auch Politiker in Washington machen den Präsidenten mitverantwortlich für die miserable Lage auf der Insel. So haben 38 Senatoren am Mittwoch einen Brief an Trump unterschrieben, in dem sie ihn an die „schreckliche humanitäre Situation“ auf Puerto Rico und auf den Jungferninseln erinnern und appellieren an ihn, zu handeln.

Wie die „New York Times“ berichtet, begründet Trump die schleppend anlaufende Hilfeleistung damit, dass Puerto Rico im Meer liegt. „Es ist eine Insel mitten im Ozean, Sie können da nicht einfach mit einem LKW hinfahren“, sagt er auf Nachfrage eines Reporters.

Glücklicherweise haben die Amerikaner mittlerweile einen Weg gefunden, die Insel „mitten im Ozean“ zu erreichen: Am Donnerstag schaffte Trump den „Jones Act“ ab. Dem Gesetz aus dem Jahr 1920 zufolge dürfen Schiffe mit Güterlieferungen aus den Vereinigten Staaten Puerto Rico nur dann anlaufen, wenn sie unter amerikanischen Flagge fahren. Ausländische Schiffe durften bisher keine Waren von amerikanischen Häfen nach Puerto Rico befördern – nun wird dies ermöglicht.

Auch seien inzwischen 10.000 Hilfskräfte und 7.200 Soldaten auf der Insel im Einsatz, wie das Weiße Haus am Donnerstagabend bekanntgab. 44 von 69 Krankenhäuser seien wieder in Betrieb, meldet die Nachrichtenagentur Reuters am späten Donnerstagabend.

Trump selbst ist ganz begeistert von dem Krisenmanagement. Die Einsatzkräfte machten einen „großartigen“ Job, schrieb er in Versalien auf Twitter.

Der Commander-in-Chief selbst kommt allerdings erst am Dienstag, mehr als zwei Wochen nach dem Hurrikane nach Puerto Rico – früher habe er nicht kommen können, ohne die Hilfsleistungen zu behindern, sagte er.

Hurrikan „Maria“
Kritik an Krisenmanagement von Donald Trump
© dpa, reuters
Quelle: FAZ.NET
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