Goetheturm abgebrannt

„Ich habe ihn geliebt“

 - 14:37
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Die brennende Spitze des Goetheturms ist in der Dunkelheit wie ein Lichtsignal über dem Wald weithin zu sehen. Wenige Stunden später ist das rund 85 Jahre alte Wahrzeichen völlig abgebrannt. Die Frankfurter sind bestürzt und traurig. „Dieser Blick auf die Stadt hat das Frankfurt-Bild vieler geprägt“, beschreibt Rainer Vollweiter aus dem Umweltdezernat die emotionale Bedeutung des Holzturms für viele Menschen.

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann zeigt sich betroffen: „Der Goetheturm war ein Wahrzeichen, mit dem die Kinder dieser Stadt groß werden.“ Der 43 Meter hohe Holzturm müsse möglichst schnell wieder eins zu eins aufgebaut werden. „Die Frankfurter sind sehr modern, an diesem Punkt aber sehr traditionsbewusst.“

Viele Menschen wollen sich am frühen Donnerstagmorgen ein eigenes Bild von der Zerstörung machen. Eine 70 Jahre alte Anwohnerin, die wie jeden Morgen mit ihrem Hund Gassi geht, schaut traurig auf die verkohlten Holzpfeiler und die vielen Trümmer, die von dem Turm übrig sind. „Ich wohne am Goetheturm“ – das habe sie immer gesagt, erzählt die Frau. Seit 35 Jahren lebt sie schon in der Nähe des Aussichtsturms am Waldrand. „Wenn wir aus dem Urlaub nach Hause zurück kamen, haben wir ihn sogar aus dem Flugzeug gesehen“, sagt sie betroffen. Ihr Mann habe dann immer gesagt: „Guck, da isser.“

Goetheturm
„Wer nicht oben war, ist kein echter Frankfurter.“
© dpa, FAZ.NET

Trauer und Betroffenheit ist bei fast allen zu spüren, die mit ihren Hunden oder dem Fahrrad in der Nähe des beliebten Ausflugsziels unterwegs sind. „Ich bin da als Kind einmal in der Woche mit meiner Oma hin geradelt“, erzählt ein 39 Jahre alter Offenbacher sichtlich bestürzt. Auf seinem Weg zur Arbeit nach Frankfurt habe er den Turm immer noch jeden Morgen aus der S-Bahn gesehen. „Das war schon ein Wahrzeichen für die Region.“ Feuerwehrsprecher Thorsten Brückner, der den Turm auch von Kindesbeinen an kennt, sagt: „Das ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel in der Region, idyllisch gelegen weg vom hektischen Trubel in der Innenstadt.“

„Wer macht sowas und warum?“

„Mein Neffe hat mir um 6.00 Uhr eine Nachricht geschrieben“, sagt eine Radfahrerin aus dem Stadtteil Sachsenhausen. „Als Kinder sind wir mindestens siebenmal am Tag oben gewesen. Im Wald haben wir Trapper und Indianer gespielt und dann auf dem Turm die Friedenspfeife geraucht“, erzählt die rüstige 74-Jährige. Und den Tränen nahe: „Ich habe ihn geliebt.“

Dann wird sie wütend: „Es ist zum Kotzen, dass so schöne Dinge zerstört werden. Wer macht sowas und warum?“ Wut ist bei vielen Frankfurtern zu spüren. „Das ist so eine Schweinerei“, sagt eine andere Frau, die am Stadtwald groß geworden ist. Sie steht mit anderen Anwohnern zusammen und ist überzeugt, dass Brandstifter am Werk waren.

Dem Stadtoberhaupt ist die Wut beim Blick auf den abgebrannten Turm ebenfalls anzusehen. „Nicht nur der Oberbürgermeister ist wütend, auch die Menschen in der ganzen Stadt sind wütend“, sagt Feldmann. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist fassungslos: „Das ist ein echter Alptraum und richtig bitter. Wer steckt ein Identifikationssymbol der Frankfurter in Brand?“

Ein Passant sagt: „Da kann man jetzt nur hoffen, dass er wieder aufgebaut wird.“ Damit spricht er aus, was viele denken, die sich nach dem Feuer am noch qualmenden Brandort einfinden. „Es wird auf jeden Fall einen neuen Turm geben“, versprechen die Stadträte Jan Schneider und Markus Frank (beide CDU) am Brandort. Wie der dann genau aussehe, sei allerdings noch offen.

Und ungefähr ein Jahr müssten die Frankfurter auf jeden Fall ohne ihren Turm auskommen. Viele Institution aus der Stadt hätten bereits finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau zugesagt und Spendenkonten eingerichtet, ergänzt Feldmann.

Quelle: dpa
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