Nach Hurrikan „Irma“

In Florida bleibt es dunkel

Von Christiane Heil, Los Angeles
 - 20:27
zur Bildergalerie

Die Verwüstungen verschlugen selbst dem Hurrikan-erprobten Martin Senterfitt die Sprache. „Es herrscht humanitärer Ausnahmezustand“, sagte der Krisenmanager des Bezirks Monroe in der Nacht zum Dienstag knapp. Stunden zuvor hatten Rettungskräfte und Räummannschaften der Einsatzzentrale auf Key Largo immer wieder von chaotischen Zuständen auf den Florida Keys berichtet. Am Sonntagmorgen traf Hurrikan Irma auf die Inselkette im Süden Floridas. Er flutete Straßen und Häuser, riss Palmen und Stromleitungen nieder und spülte Trümmer auf den Highway 1, die Hauptverkehrsader der Keys. Etwa 10.000 der rund 70.000 Bewohner der Inselkette, die Senterfitts Evakuierungsaufforderungen in der vergangenen Woche ignoriert hatten, verbrachten die Nacht im Dunklen. Einige hundert versammelten sich in der Highschool von Key West.

Kurz nach Irmas Ankunft auf Cudjoe Key mit bis zu 200 Stundenkilometer starken Windböen hatten die Einsatzkräfte die etwa 200 Kilometer lange Inselkette abgeriegelt, um Bewohner davon abzuhalten, zu früh zu ihren möglicherweise zerstörten Häusern zurückzukehren. „Hilfe ist unterwegs“, versprach Krisenmanager Senterfitt. Während die Katastrophenschutzbehörde am Montag begann, Tausende Eingeschlossene aus Hubschraubern mit Wasser und Lebensmitteln zu versorgen, schickte der frühere Feuerwehrmann die Nationalgarde los. Sie soll in den kommenden Tagen in den Trümmern nach Überlebenden und Verletzten suchen. Zwei Menschen kamen bereits ums Leben. Die Einsatzkräfte auf den Florida Keys rechnen mit weiteren Toten. „Wir haben schon Bestattungsteams angefordert“, sagte Heather Carruthers, die Leiterin der Gesundheitsbehörde in Monroe County.

Monster-Hurrikan im Video
Das war „Irma“
© AFP, F.A.Z.

Die Verkehrsbehörde des Bundesstaates Florida schickte derweil mehrere Teams nach Süden, um die berühmten Brücken zwischen den Keys zu überprüfen. Aus Jacksonville im Norden machten sich derweil etwa 100 Mitarbeiter von Energieversorgern auf den Weg, um die Stromleitungen zu reparieren. Am Dienstag waren weiterhin fast alle Haushalte auf den Keys ohne Strom und Wasser. Nachdem die Behörden auch die drei Krankenhäuser der Inselkette evakuiert hatten, kehrten am Montag die in der Region stationierten Rettungshubschrauber zurück. Die Flughäfen in Key West und Marathon bleiben aber weiterhin geschlossen. „Wir wissen, dass die Menschen möglichst bald wieder nach Hause möchten“, sagte Roman Gastesi, der Landrat des Bezirks Monroe. „Wir arbeiten, so schnell es geht.“

Evakuierung teilweise aufgehoben - mindestens elf Tote

Die Marine schickte den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln nach Key West, um die Einsatzkräfte zu unterstützen. Wie Floridas Gouverneur Rick Scott erwartet auch das Weiße Haus einen längeren Wiederaufbau. „Ich gehe davon aus, dass die Bewohner der Keys wochenlang nicht zurückkehren können“, sagte der Heimatschutzberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Tom Bossert, am Montag.

Vor Hurrikan Irma, der die Florida Keys am Wochenende als Wirbelsturm der zweithöchsten Kategorie 4 heimsuchte, hatte im September 1960 zuletzt Hurrikan Donna die Inselgruppe direkt getroffen. Damals wurden drei von vier Häusern der Keys zum Teil schwer beschädigt. Nach Donna dauerte es Wochen, bis die mehrfach gebrochene Wasserleitung nach Key West wieder funktionierte. Nach Hurrikan Irma konnten am Dienstag die ersten Bewohner zumindest in den Norden der Inselkette zurückkehren. Die Behörden hoben die Evakuierungsanordnungen für Key Largo, Tavernier und Islamorada wieder auf. Südlich des Lower Matecumbe Key blieb der Highway 1 aber gesperrt.

Mit heftigen Regenfällen und Windböen erreichte Hurrikan Irma am Montag auch den Norden Floridas, bevor er als schwächerer tropischer Wirbelsturm Teile der Bundesstaaten Georgia und South Carolina überschwemmte. Die amerikanischen Behörden meldeten mindestens elf Tote. Fast 6,7 Millionen Menschen wurden im Südosten der Vereinigten Staaten von der Stromversorgung abgeschnitten. In der Karibik, wo Irma in der vergangenen Woche mindestens 36 Menschenleben forderte und Inseln wie das französisch-niederländische St. Martin fast völlig zerstörte, begannen derweil die Aufräumarbeiten.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenFloridaHurrikan Irma