Mindestens elf Tote

Kalifornien kämpft gegen Flammen

Von Horst Rademacher, Napa Valley
 - 11:54
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Der Silverado Trail ist eine der schönsten Straßen im Napa Valley, dem bekanntesten Weinbaugebiet Nordamerikas. Der Weg schlängelt sich an der Ostseite des Tals am Fuß der Macayamas Mountains entlang. An den nach Südwesten ausgerichteten Hängen wachsen einige der berühmtesten Cabernets Kaliforniens. Normalerweise werden sie in diesen Frühherbsttagen gelesen. In der Nacht zum Montag wurde die Weinlese allerdings dramatisch unterbrochen.

Windböen mit Geschwindigkeiten von teilweise mehr als 100 Kilometern pro Stunde trieben Flammenwalzen so schnell vor sich her, dass den Arbeitern in den Weinbergen und den Keltereien nur noch die Flucht blieb. Innerhalb von weniger als 24 Stunden fachte der heftige Wind in drei vom Weinbau geprägten kalifornischen Landkreisen nördlich von San Francisco zwölf große Waldbrände an. Mindestens elf Personen kamen in den Flammen ums Leben. Mehr als 1500 Gebäude, darunter ein Riesensupermarkt und ein Luxushotel, fielen den Bränden zum Opfer. Besonders schwer getroffen war die Stadt Santa Rosa am nordwestlichen Rand des Weinbaugebiets. Dort wurden Hunderte Wohnhäuser, drei Schulen und ein Museum vollkommen zerstört. Gouverneur Jerry Brown rief daraufhin den Notstand aus.

Waldbrände sind in Kalifornien, wo zwischen Mai und November so gut wie kein Niederschlag fällt, nichts Ungewöhnliches. Besonders häufig sind diese Brände aber zum Ende der Trockenzeit. Nach Monaten ohne Regen sind dann Wälder und Gebüsch vollkommen ausgedörrt.

Zusätzlich beginnt sich die Großwetterlage zu ändern, und es wehen oft starke Ostwinde, die sehr trockene Luft aus dem Hinterland in Richtung kalifornische Küste wehen. In Südkalifornien haben diese Winde, die mit dem Mistral im Rhônetal zu vergleichen sind, einen eigenen Namen: „Santa Ana Winds“. Sie lassen die relative Luftfeuchtigkeit oft auf wenige Prozent sinken, was die Waldbrandgefahr drastisch erhöht. Weil für das vergangene Wochenende derartige Winde im Großraum San Francisco vorhergesagt waren, wurden auf allen Feuerwachen rote Fahnen gehisst – eine Warnung vor allerhöchstem Waldbrandrisiko.

Feuer im Napa Valley noch längst nicht unter Kontrolle

Noch ist nicht klar, was die ersten Brände in der Nacht zum Montag entfachte. Einer der zwölf großen Waldbrände, das sogenannte Tubbs-Feuer, entstand am Sonntagnachmittag in der Nähe der Kleinstadt Calistoga und brannte sich dann, vom Wind getrieben, westwärts nach Santa Rosa. Einem weiteren Waldbrand, dem Atlas-Feuer, fielen viele Einfamilienhäuser und mehrere Weingüter nordöstlich des Silverado Trails zum Opfer. Die Feuer breiteten sich unter anderem deshalb so schnell aus, weil der Wind Funken und glühende Aschepartikeln zum Teil kilometerweit vor sich hertrieb. Die Feuer konnten deshalb Brandschneisen überspringen, die vorsorglich angelegt worden waren, und sich fast unkontrolliert ausbreiten.

Obwohl die Feuer im Napa Valley noch längst nicht unter Kontrolle sind, ist schon jetzt klar, dass es sich um die katastrophalsten Brände der vergangenen 25 Jahre in Kalifornien handelt. Im Oktober 1991 kamen 25 Menschen ums Leben, als in den Hügeln oberhalb von Oakland und der Universitätsstadt Berkeley unter ähnlichen Wetterbedingungen wie jetzt ein Waldbrand fast drei Tage lang wütete. Das Feuer zerstörte damals mehr als 2800 Häuser und fast 500 Wohnungen. Ende September 1923 gingen in Berkeley mehr als 600 Häuser in Flammen auf, als ein Waldbrand bei windigen und äußerst trockenen Wetterbedingungen von den Hügeln aus auf die Universität und die Stadt übergriff.

Noch ist nicht klar, wann die gegenwärtige Feuersbrunst unter Kontrolle gebracht werden kann. Die nordkalifornische Weinindustrie hat aber schon jetzt schwere Verluste erlitten. So fielen den Flammen nicht nur mehrere Weingüter und Lagerhallen zum Opfer. Das Feuer zerstörte auch die Rebstöcke in zahlreiche Weinfeldern und Weinbergen. Schließlich dürfte der beißende dichte Qualm den noch nicht geernteten Trauben zum Verhängnis werden. Er legt sich nämlich auf die Trauben und dringt teilweise in sie ein. Das gibt später dem Wein einen unangenehm rauchigen Geschmack. Einige Winzer in den besonders betroffenen Anbauflächen haben den Rest ihrer Weinlese schon jetzt abgeschrieben.

Quelle: F.A.Z.
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