Gestrandeter Frachter

„Es muss gelingen, so einen Frachter aufzuhalten“

 - 16:51
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Der vor der Nordseeinsel Langeoog gestrandete Frachter wird dort voraussichtlich noch mindestens bis Freitag liegen. Die vorbereitenden Maßnahmen für einen Schleppversuch würden noch den kompletten Donnerstag in Anspruch nehmen, teilte das Havariekommando am Dienstag mit. Die Experten wollen von Dienstagabend an Ballastwasser abpumpen, damit Schlepper diesen von der Sandbank befreien können. Dies werde einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. Die Bergung werde nun Schritt für Schritt vorbereitet. „Wir hoffen, dass wir es vor dem Wochenende erledigt haben.“

Ursprünglich sollten Schlepper den 225 Meter langen Schüttgutfrachter „Glory Amsterdam“ schon am Montagabend von der Sandbank ziehen. Doch das Havariekommando musste seine Pläne ändern, weil die Wassertiefe selbst bei Hochwasser dafür nicht ausreichte. Die Experten suchten am Dienstag deshalb nach einer Alternative. Nun wollen sie die 22.000 Tonnen Ballastwasser abpumpen, die das unbeladene Schiff stabil auf See halten sollten. Gleichzeitig sollen zwei Hochseeschlepper es mit rund 1000 Meter langen Schleppleinen sichern. Der Wind könnte den leichter werdenden Frachter sonst noch weiter aufs Land treiben, erläuterte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich. Für den Schleppversuch sind zwei Schlepper im Auftrag der Reederei auf dem Weg Richtung Langeoog. „Die staatlichen Schlepper dürfen nur in einer absoluten Gefahrensituation zum Einsatz kommen.“

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) forderte angesichts der schwierigen Bergung schärfere Sicherheitsvorschriften im Schiffsverkehr. Schiffe mit unzureichend ausgebildeten Besatzungen müssten bei der Hafenstaatenkontrolle gestoppt werden, teilte der Politiker mit. Außerdem seien strengere Bauvorschriften vor allem für Tanks und Ruderanlagen nötig.

Auch der Inselbürgermeister von Langeoog, Uwe Garrels (parteilos), forderte im Gespräch mit FAZ.NET, dass Konsequenzen aus dem verunglückten Abschleppversuch gezogen werden müssen: „Es hat sich gezeigt, dass die Notfallstrategie überarbeitet werden muss. Sonst sind wir hier nicht mehr sicher.“ Er habe großen Respekt vor der Arbeit des Havariekommandos und der Menschen an Bord. „Trotzdem gibt es jetzt dringenden Handlungsbedarf. Es muss kritisch hinterfragt werden, wie man so etwas in Zukunft verhindern kann. Wir hatten ja noch Glück im Unglück: Was ist, wenn das bei einem Schiff mit Gefahrgut passiert?“

Treibstoff wird nicht abgepumpt

Umweltschützer und Fischer blicken mit Sorge auf den gestrandeten Frachter. In den Treibstofftanks der „Glory Amsterdam“ sind gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel. Der Unglücksfrachter sei eine erhebliche Gefahr für den Nationalpark Wattenmeer, in dem zurzeit zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse rasteten, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte.

Dennoch haben sich die Bergungsspezialisten dagegen entschieden, die Treibstoffe vorsorglich abzupumpen. „Das Schiff ist sicher und weist keine Risse auf“, sagte Friedrich. Beim Abpumpen bestehe erst recht die Gefahr, dass Öl ins Wasser gelange. Ein Ölüberwachungsflugzeug fliegt regelmäßig über das Gebiet rund um den Frachter. Ausgetretenes Öl hat es nach Angaben des Havariekommandos bisher nicht entdeckt. Die Besatzung ist weiter an Bord des Frachters. Den 22 Seeleuten geht es nach Angaben des Havariekommandos gut.

Ein Mechaniker versuchte bisher vergeblich, die Ruderanlage der 225 Meter langen „Glory Amsterdam“ zu reparieren. Diese sei blockiert, was die Bergung erschwere, sagte ein Sprecher. Ansonsten weise das Schiff keine erkennbaren Schäden auf. Der Schüttgutfrachter hatte sich bei dem schweren Sturm „Herwart“ in der Nacht zum Sonntag in der Deutschen Bucht losgerissen und war auf eine Sandbank vor der ostfriesischen Insel getrieben.

Quelle: sede./dpa
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