„Niemand kommt“

Viele Menschen warten nach „Irma“ vergeblich auf Hilfe

Von Christiane Heil, Los Angeles
 - 16:12
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In einem Pflegeheim in Hollywood nördlich von Miami sind nach Medienberichten wegen einer defekten Klimaanlage fünf Insassen gestorben, weil es nach Hurrikan „Irma“ keinen Strom gab. Der „Miami Herald“ und andere lokale Medien beriefen sich am Mittwoch auf Behörden vor Ort. Diese waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Dem Sender CBS zufolge hatte der Stromausfall zu einem defekten Generator geführt, die Menschen seien an einer Gasvergiftung gestorben.

Unterdessen war das Ausmaß der Zerstörung auch drei Tage nach Hurrikan Irmas Ankunft auf den Florida Keys nur aus der Luft zu sehen. Die Aufnahmen, die Drohnen am Mittwoch von der Inselkette südlich von Miami machten, zeigten aus dem Fundament gerissene Häuser, Boote zwischen entwurzelten Bäumen und Straßen, die durch Möbel, Fernsehgeräte und Wohnwagen versperrt wurden. Nach ersten Schätzungen der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde wurde zwischen Key Largo und Key West jedes vierte Haus zerstört, als Irma am Sonntag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern über die Inselkette fegte. Etwa zwei von drei Gebäuden nahmen Schaden. Rettungskräfte suchten am Mittwoch weiter nach Überlebenden.

Der einzige Highway der Keys, der nach Überschwemmungen wieder passierbar ist, blieb südlich von Islamorada gesperrt. Da fast 300 Strommasten abgeknickt wurden und die Wasserversorgung zusammenbrach, können die meisten der 70000 Bewohner vorerst nicht nach Hause zurückkehren. Etwa 10.000 Menschen, die die Inselkette trotz Evakuierungsanordnungen nicht verließen, werden von Transportflugzeugen des Militärs mit Wasser und Lebensmitteln versorgt.

Der Bezirk Monroe richtete ein provisorisches Gefängnis ein, um Plünderer einzusperren. Das Sheriffbüro verhängte eine Ausgangssperre von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, die auch für die kommenden Nächte gilt.

In der Karibik, wo der Hurrikan in der vergangenen Woche wütete, machte sich dagegen Verzweiflung breit. Als Wirbelsturm der höchsten Kategorie 5 hatte Irma südöstlich von Florida Inseln wie Barbuda, St. Martin, die Jungferninseln, Puerto Rico und Kuba heimgesucht. „Die Menschen hier haben Angst, vergessen zu werden“, sagte die Krankenschwester Shelby Alfred dem amerikanischen Sender NBC.

Alfred, die auf der Jungferninsel St. John arbeitet, berichtete von Ruinen als Notunterkünften sowie Engpässen bei der Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln. Auf der Nachbarinsel St. Thomas verschanzten sich Hausbesitzer in Kellern, um Plünderern Widerstand zu leisten. „Ich trage rund um die Uhr ein Sturmgewehr und eine Pistole bei mir“, sagte der Immobilieninvestor Conn Davis.

St. Thomas soll fast vollständig zerstört sein. Auch auf Barbuda und der französisch-niederländischen Insel St. Martin verwüstete Hurrikan Irma etwa 95 Prozent der Häuser. „Wir sitzen vor dem Radio. Wir rufen an, aber niemand kommt“, sagte Leroy Webb, ein Bewohner des niederländischen Teils der Insel dem Sender CNN.

Zerstörung
„Irma“ hinterlässt Trümmer auf den Florida Keys
© AFP, afp

Prominente spenden

Bei einer Spendengala, die in der Nacht zu Mittwoch von 15 amerikanischen Fernsehsendern übertragen wurde, haben Prominente wie George Clooney, Julia Roberts und Stevie Wonder mehr als 14 Millionen Dollar für die Opfer der Hurrikane Harvey und Irma gesammelt. Die Veranstalter der einstündigen Gala „Hand in Hand“ verteilten die Spenden unter Organisationen wie „Habitat for Humanity“, „Save the Children“ und die Stiftung „Rebuild Texas“. „Wenn es in dieser Katastrophe einen Hoffnungsschimmer gibt, dann durch Menschen, die einander helfen“, sagte Moderator Jay Leno.

Quelle: F.A.Z.
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