Tropensturm über Atlantik

„Ophelia“ auf dem Weg zum Hurrikan – und in Richtung Portugal

 - 13:46

Die Hurrikansaison über dem Atlantik beginnt jedes Jahr Anfang Juni und geht bis Ende November: In dieser Zeit ist das Wasser warm und die Luft feucht – ideale Bedingungen für das Entstehen von Tropenstürmen. Manche dieser Stürme entwickeln sich zu Hurrikans: Harvey, Irma und Maria haben in diesem Jahr bereits für Tod und Zerstörung gesorgt. Nicht nur die Intensität der Stürme ist in diesem Jahr außergewöhnlich – auch die Menge der Hurrikans ist auffällig: In der vergangenen Saison 2016 gab es insgesamt sechs Hurrikans, in diesem Jahr braut sich gerade schon der zehnte Hurrikan in Folge zusammen – lange vor dem Ende der Saison. „Ophelia“ tobt gerade über dem Nordatlantik, Meteorologen gehen davon aus, dass der Tropensturm am Donnerstag zu einem Hurrikan der (niedrigsten) Kategorie 1 heraufgestuft wird. „Ophelia hat das Potential, ein ausgewachsener Hurrikan zu werden“, hieß es am Dienstag bereits auf der Webseite des Wetterexperten Jörg Kachelmann.

Der Ex-Hurrikan „Ophelia“ trifft derzeit auf die Küste Irlands.

Die Meteorologin Claudia Salbert veröffentlichte am Mittwoch einen Artikel auf „wetter24.de“ mit dem Titel: „Ophelia wird zum Hurrikan.“ Das Wasser im Atlantik sei „schön warm, hat eine Temperatur von 26/27 Grad und somit wird Ophelia wahrscheinlich am Donnerstag zu einem Hurrikan der Kategorie 1.“ Bereits jetzt seien Windspitzen bis zu knapp 120 Stundenkilometern möglich. Außergewöhnlich macht Ophelia aber eine andere Sache: Der Sturm zieht nicht wie Harvey, Irma und Maria auf Amerika zu – sondern auf Europa. „Derzeit ist der Kurs Ost/Nordost – würde bedeuten, dass Ophelia direkt auf Portugal treffen würde“, schreibt Salbert. „Allerdings liegt da auch die große Unsicherheit, die Modelle zeigen noch eine große Streuung.“

Der Sturm bewegt sich momentan sehr langsam, mit gerade mal acht Stundenkilometern, und wird voraussichtlich erst am Sonntag vor der Küste Portugals auftauchen – und dann Richtung Norden abdrehen. Laut „kachelmannwetter.com“ könnte er dann Irland „nahe“ kommen. Die Portugiesen und Spanier müssen sich zumindest auf extrem wechselhaftes Wetter einstellen: Am Sonntag könnte „Ophelia“ auf seiner Vorderseite mit heißen Strömung noch einmal für hochsommerliche Temperaturen sorgen, schreibt Meteorologin Salbert, von Montag an werde der Sturm dann wohl vor allem im Süden Portugals und Spaniens heftige Regenfälle bringen – und die sommerliche Trockenheit beenden.

Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) sagt auf Anfrage: „Es ist sicher eher ungewöhnlich, dass ein Hurrikan auf Europa zuzieht.“ Normalerweise zögen die tropischen Stürme mit den Passatwinden in westliche Richtung. Ophelia habe sich aber vor der Westküste Afrikas etwas weiter nördlich als üblich gebildet und sei deswegen nicht in die Passatwinde gelangt. Während die aus dem Osten wehen, herrscht oberhalb des 30. Breitengrads in den höheren Atmosphären Wind aus dem Westen. „Alle zwei, drei Jahre gerät da mal ein Tropensturm rein“, sagt Friedrich.

Weil das Wasser vor Portugal deutlich kälter ist als in der Karibik, schwächen sich die Stürme spätestens dort dann normalerweise schnell ab. Aber eben nicht immer: Hurrikan „Vince“ war 2005 zum Beispiel nördlich des 30. Breitengrades entstanden – und wurde zum ersten Hurrikan seit mehr als 160 Jahren, der spanisches Festland erreichte. „Auch Ophelia wird seine Kraft laut der aktuellen Prognosen ziemlich lange behalten können“, sagt Friedrich. Warum der Sturm so weit nördlich entstanden ist? Das Wasser sei dort in diesem Jahr wärmer als gewöhnlich gewesen, erklärt Friedrich.

Ganz anders als in Spanien wird sich „Ophelia“ übrigens erst mal in Deutschland auswirken: Der Sturm könnte wie „eine echte Wärmepumpe“ wirken und warme Mittelmeerluft ins Land blasen, heißt es auf wetter.net: „Hurrikan Ophelia bringt uns den goldenen Oktober!“ Laut dem Deutschen Wetterdienst steigen die Temperaturen in Deutschland ab Freitag an – um die 20 Grad sind bei Sonne in den folgenden Tagen drin. Im Westen und Südwesten sind sogar Spitzenwerte von bis zu 25 Grad möglich.

Quelle: sede.
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