„Xavier“ legt Hauptstadt lahm

„Das habe ich noch nicht erlebt“

 - 23:22
Nichts geht mehr: Eine U-Bahn an der Berliner Station Alexanderplatz Bild: dpa, dpa

Mit Orkanböen fegt der Sturm „Xavier“ über Berlin und sorgt zum Beginn des Feierabendverkehrs für einen Ausnahmezustand in der deutschen Hauptstadt. Im Stadtteil Tegel stirbt eine Frau, als ein Baum auf ihr Auto stürzt. Für mehrere Stunden brechen große Teile des öffentlichen Nahverkehrs und des Straßenverkehrs zusammen. Bäume fallen in vielen Gegenden um, auch an der berühmten Flaniermeile Kurfürstendamm. Heftige Böen werfen geparkte Motorräder und Fahrräder um und schleudern Blumenkästen von den Balkonen.

Auch außerhalb Berlins verursacht „Xavier“ verheerende Schäden. Allein in Brandenburg fordert der Sturm vier Menschenleben. Damit liegt die Zahl der Todesopfer bei insgesamt sieben. Im gesamten Norden und Nordosten der Bundesrepublik fallen Züge aus, unter anderem auch die wichtigen Fernverbindungen Berlin-Hamburg sowie Berlin-Hannover.

Nichts geht mehr in vielen Teilen der Stadt. Zehntausende hängen auf Bahnhöfen fest. Viele Pendler versuchen es mit den U-Bahnen, die dann hoffnungslos überfüllt sind. Doch auch da kommt es zu Problemen bei Linien mit oberirdischen Streckenteilen. Erst am Abend fahren alle U-Bahnlinien wieder. Auf den Flughäfen Tegel und Schönefeld ist der Betrieb vorübergehend eingeschränkt, weil die Abfertigung eingestellt wird. Passagiere müssen in gelandeten Flugzeugen warten.

Die Feuerwehr arbeitet zwischen 16 und 20 Uhr etwa 1050 Einsätze ab. Helfer der freiwilligen Feuerwehren werden zur Unterstützung angefordert. Die S-Bahn unterbricht den kompletten Verkehr in der Hauptstadt. Ursache sind vor allem Bäume, die auf die Gleise oder in die Oberleitungen stürzten. „Ein Schienenersatzverkehr kann wegen des Unwetters nicht eingerichtet werden“, twittert die S-Bahn. Gegen Abend werden einzelne Strecken wieder befahren.

„Das habe ich noch nicht erlebt“

Auch die Busse und die Straßenbahnen, die besonders im Osten der Stadt das wichtigste Verkehrsmittel sind, stehen stundenlang still. Ein Busfahrer sagt seinen Gästen auf der Linie M29 durch: „Liebe Fahrgäste, ich fahr seit dreißig Jahren Linienbus, aber das habe ich noch nicht erlebt: Der Busverkehr wird eingestellt, bitte steigen Sie alle aus.“ Erst nach 19.00 Uhr fahren die ersten Buslinien wieder.

Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sagt, auch am Freitagmorgen sei noch mit Störungen zu rechnen. Jede einzelne Strecke müsse überprüft werden. Wann sie wieder befahren werden könnten, hänge vom Umfang der Aufräumarbeiten ab.

Am Berliner Hauptbahnhof ist die Lage am Donnerstagabend chaotisch. Hunderte stehen im Eingangsbereich herum, viele sind auf der Suche nach einer Unterkunft für die Nacht. Manche berichten, es sei schwierig, noch ein Hotel zu finden. Die Bahn stellt einen Schlafwagen bereit, der schon nach kurzer Zeit voll gewesen sei, erklärt ein Bahnmitarbeiter. Ab 16.00 Uhr waren nach und nach weite Teile des Bahnverkehrs eingestellt worden. Die Deutsche Bahn stoppte alle Regional- und Fernzüge in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Wegen des Unwetters bleibt in Berlin auch die Internationale Gartenausstellung (IGA) im Stadtteil Marzahn geschlossen, am Nachmittag außerdem auch der Zoo und der Tierpark. „Elefanten, Zebras und Giraffen (...) ziehen sich sicherheitshalber in ihre Stallungen zurück“, heißt es. Später schreiben Zoo und Tierpark bei Facebook, dass sie aufgrund von Sturmschäden und damit verbundenen Aufräumarbeiten am Freitag geschlossen bleiben müssten.

Quelle: dpa
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