Sturm im Norden und Nordosten

Zahl der Todesopfer steigt auf mindestens sieben

 - 20:51

Sturmtief „Xavier“ hat in Nord- und Ostdeutschland mindestens sieben Todesopfer gefordert. In Berlin-Tegel kam laut Angaben der Feuerwehr eine Frau ums Leben, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Im Land Brandenburg sind am Donnerstag vier Menschen ums Leben gekommen. Bei Gransee (Oberhavel) sei ein Ast in eine Windschutzscheibe geflogen und habe einen Menschen getötet. Zudem wurde in derselben Region eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. In Mecklenburg-Vorpommern kam ein Lastwagenfahrer ums Leben, als er in Neu-Karstädt von einem umstürzenden Baum getroffen wurde, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Vorher war in Hamburg ein Baum auf das Auto einer Frau gefallen und hatte sie getötet, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie die wichtigen Fernverkehrsstrecken Berlin-Hamburg sowie Berlin-Hannover ein. Zunächst war noch unklar, wann die Züge wieder fahren können. „Es wird sicherlich im Laufe des Abends noch zu Problemen kommen“, sagte eine Sprecherin. Die Bahn stellte etwa ein Dutzend leere IC- und ICE-Züge in Bahnhöfen für gestrandete Reisende bereit.

Sturmtief
„Xavier“ fegt über Norden und Osten Deutschlands
© dpa, reuters

Gegen 16 Uhr traf der Sturm auf Berlin. Die Feuerwehr rief wenig später den Ausnahmezustand aus. Innerhalb einer halben Stunde gingen am Nachmittag rund 50 Notrufe ein, teilte die Behörde mit. Nun werde kategorisiert, welche der eingegangenen Notrufe zuerst bearbeitet werden, sagte ein Sprecher. Dabei gelte Menschenleben vor Sachschäden. „Wenn ein Mensch von einem Baum getroffen wird, muss eine Straßenblockierung durch einen abgefallenen Ast erst mal warten.“ Den Ausnahmezustand ruft die Feuerwehr immer dann aus, wenn die Behörde mit den eingehenden Notrufen nicht mehr hinterher kommt. Auch Helfer der freiwilligen Feuerwehr wurde zur Unterstützung angefordert. Laut dem Sprecher sollen rund 400 Kräfte aushelfen.

Sturmtief „Xavier“: Per Klick auf die Karte sehen Sie die örtliche Windstärke (Durchschnittsgeschwindigkeit 10 Meter über der Oberfläche gemessen).

Die Hamburger Feuerwehr hob eine Warnung wegen des Sturmtiefs Xavier ins Freie zu gehen, am Donnerstagnachmittag wieder auf. „Unsere Warnung, sich nicht im Freien aufzuhalten, heben wir hiermit auf. Dennoch: Vorsicht vor abgebrochenen Ästen!“ Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt. Insgesamt hatte die Feuerwehr mehr als 800 wetterbedingte Einsätze registriert. In der Hansestadt wechselten sich seit dem Mittag immer wieder heftige Regenfälle und Stürmen mit kurzen sonnigen Phasen ab.

Auch in Hannover rückten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Dachverkleidungen aus. Ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Bei Holzminden (Niedersachsen) wurde eine Kreisstraße von einem umgestürzten Baum blockiert, außerdem stürzte ein Baum auf drei Autos – verletzt wurde jedoch niemand. In Werlte bei Osnabrück krachte ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum.

Flugreisende mussten Einschränkungen hinnehmen. Wegen des heftigen Sturms im Norden mussten etliche Verbindungen ausfallen. Der Flughafen Bremen meldete drei gestrichene Flüge von und nach Amsterdam sowie eine abgesagte Maschine aus Istanbul. Auch in Hannover fielen Verbindungen mit der niederländischen Hauptstadt sowie nach Istanbul aus. In Hamburg fuhr die S-Bahn nicht mehr zum Airport. Auch wurde mit Verspätungen bei den Flügen gerechnet. Die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Berlin blieb wegen der Unwetterwarnung erstmals in diesem Jahr komplett geschlossen. Der Deutsche Wetterdienst hatte vor orkanartigen Böen gewarnt.

Quelle: sede./dpa
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