FAZ plus ArtikelZerstörung der Möhnetalsperre

„Was haben wir angerichtet!“

Von Reiner Burger, Möhnesee-Günne
 - 06:55
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Noch nicht einmal fünf Jahre alt war Karl-Heinz Wilmes, als er lernte, dass das Leben manchmal Katastrophen bereithält. Es war im Januar 1943, als der Bürgermeister des kleinen Ortes Günne im Sauerland zu seiner Mutter kam, um ihr mitzuteilen, ihr Mann Heinrich sei in Russland gefallen. Elli Wilmes brach zusammen. „Sie hatte einen Wein- und Schüttelkrampf, lag auf dem Bett. Draußen war schönster Sonnenschein.“ Das Bild hat sich Karl-Heinz Wilmes ins Gedächtnis gegraben, seine Sinne früh geschärft. „Mir war klar: Mutter ist jetzt allein mit zwei kleinen Kindern, mit mir und meinem erst im Jahr davor geborenen Bruder Erich.“ Das zweite große Ereignis, an das er sich genau erinnern kann, geschah kaum fünf Monate später.

Einige Male hatte es 1943 in den Orten rund um die Möhnetalsperre schon Alarm gegeben, ohne dass es zu einem Angriff gekommen war. „Aber diesmal waren die Flugzeuge da“, sagt Wilmes. Sein Onkel und seine Tante waren mit ihren vier Kindern schon im Keller, seine Oma betete den Rosenkranz. Es war die Nacht auf den 17. Mai 1943. So hell war der Vollmond, dass man draußen Zeitung hätte lesen können. Aus dem Kellerfenster des in den Hang gebauten Hauses hatte der kleine Karl-Heinz freien Blick auf die nur ein paar hundert Meter entfernte Talsperre. „Ein Bomber kam über die Mauer. Ich sah Lichtblitze, das waren die Geschosse der deutschen Flugabwehr. Das Flugzeug drehte ab, aber schon war das nächste da – wieder so unglaublich tief, dass ich die Besatzung in der gläsernen Kuppel sah.“

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Quelle: F.A.Z.
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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