Frankfurter Zeitung 03.10.1917

70. Geburtstag - Deutschland feiert Hindenburg

Berlin, 2. Oktbr. (W.B.)

Früh morgens erschien der Kaiser in der Wohnung des Generalfeldmarschalls und sprach ihm als erster seine Glückwünsche aus. Das kaiserliche Geschenk besteht in einer Marmorbüste. Außerdem stellte der Kaiser den Generalfeldmarschall à la suite des oldenburgischen Infanterieregiments Nr. 91. Als der Generalfeldmarschall dann zum Dienst ging, säumten die Straße von der Wohnung zum Generalstabsgebäude Schulkinder ein, die ihm Herbstblumen auf den Weg streuten, während Flieger Blumen und Lorbeeren abwarfen.

Vor dem Generalstabsgebäude empfing General Ludendorff an der Spitze der Generalstabsoffiziere des Großen Hauptquartiers den Generalfeldmarschall, entwarf in kurzen Worten ein Lebensbild des Generalfeldmarschalls als Verkörperung der ruhmreichen Entwicklung des preußischen und deutschen Vaterlandes und brachte im Namen des Generalstabs ein Hurra auf der Generalfeldmarschall aus. Der Feldmarschall erwiderte mit Dank an seine Mitarbeiter, besonders an seinen Ersten Generalquartiermeister. Er schritt darauf die Front der vor dem Generalstabsgebäude aufgestellten Kriegervereine und anderer Korporationen ab, für die der Landrat des Kreises Glückwünsche aussprach. Der Feldmarschall erwiderte, daß es ihm am heutigen Tage eine ganz besondere Freude sei, sich mit dem ganzen deutschen Volke eins zu wissen in Siegeswillen und Siegeszuversicht, sprach in warmer Anerkennung von den Leistungen des Heeres und der Heimat und brachte ein Hurra auf den Kaiser und König aus. Es schloß sich die Beglückwünschung der Militärbevollmächtigten der Verbündeten an. Kaiser Karl hat hierzu seinen Flügeladjutanten Oberstleutnant von Capinolle mit besonderem Handschreiben entsandt. Der Sultan und der König von Bulgarien ebenso wie die Heeresleitungen der Verbündeten im Namen ihrer Armeen haben telegraphische Glückwünsche übermittelt. Auch Abordnungen von Offizieren und Mannschaften der Regimenter, zu denen der Feldmarschall als Chef oder à la suite gehört, sind im großen Hauptquartier eingetroffen. Vormittags wird weiter der Reichskanzler erwartet.

*

In einer großen Anzahl Städte wurde gestern der 70. Geburtstag Hindenburgs feierlich begangen. In Berlin spielte mittags die Militärmusik vor dem Eisernen Hindenburg nahe der Siegessäule, während zahlreiche Flieger über dem Tiergarten kreisten. Hofprediger Döring hielt um 5 Uhr eine Begrüßungsansprache an die Menge. Im Zirkus Busch veranstaltete der Offizier-Vortragsverein eine Kundgebung, in der 10 Militärkapellen des Gardekorps, der Berliner Lehrergesangesverein und der Berliner à Capella-Chor mitwirkten. Von dort wurde ein Telegramm an den Generalfeldmarschall gesandt, in dem gelobt wurde, „treu und unerschrocken mitzuarbeiten an einem durch Sieg gewonnenen deutschen Frieden“. In der Philharmonie sprach Geheimrat v. Wilamowitz-Möllendorf. In Hannover, am Wohnort des Generalfeldmarschalls, fand eine Sammlung durch Schulkinder statt, die nachher zum Heime Hindenburgs zogen und dort eine Glückwunschadresse überreichten. In München hielt neben dem Oberbürgermeister und dem Historiker Dr. v. Müller der Sieger von Warschau, Prinz Leopold von Bayern, eine Ansprache auf dem Königsplatz, in der er aufforderte, keine Zaghaftigkeit zu zeigen und durchzuhalten.. In Brüssel feierte der Generalgouverneur Generaloberst v. Falkenhausen mit der deutschen Kolonie den Hindenburgtag im Konservatorium. Das preußische Herrenhaus und der deutsche Nationalverband in Wien sandten Glückwünsche. Der Deutsche Stahlwerksverband überwies der Hindenburg Spende 100.000 Mark.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 5. Oktober 2017.

Quelle: sösi.
  Zur Startseite