FAZ plus ArtikelDeutschland und Amerika

Die große Entfremdung

Von Renate Köcher
 - 18:02

Die deutsche Bevölkerung verfolgt den Kurs der Vereinigten Staaten mit wachsender Besorgnis. Das Land, das den Deutschen seit Jahrzehnten als wichtigster und verlässlichster Verbündeter und Freund galt, wird ihnen plötzlich fremd, ja bedrohlich. Die überwältigende Mehrheit hat den Eindruck, dass Europa und die Vereinigten Staaten auseinanderdriften; über Jahrzehnte war dies in Deutschland die Einschätzung einer Minderheit, jetzt sind 70 Prozent davon überzeugt. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen werden als tiefgreifend gestört wahrgenommen. Stuften vor drei Jahren noch knapp zwei Drittel der Bevölkerung die Beziehungen als gut oder sehr gut ein, sind es jetzt nur noch 20 Prozent; 71 Prozent halten das deutsch-amerikanische Verhältnis für angespannt. Damit fällt die Bilanz der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nur noch graduell besser aus als die der Beziehungen zu Russland, die 82 Prozent der Bürger kritisch beurteilen.

Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten als Ordnungsmacht erodiert bereits seit einiger Zeit und ist jetzt auf einem neuen Tiefpunkt angekommen. In den neunziger Jahren war eine stabile relative Mehrheit der Bürger überzeugt, dass die Vereinigten Staaten die einzige zuverlässige Weltmacht sind, die in Krisengebieten für Frieden sorgen kann. Schon nach der Jahrtausendwende war ein Großteil dieses Vertrauens geschwunden: 2003 sahen noch 25 Prozent der Bürger die Vereinigten Staaten in dieser Rolle, jetzt sind es nur noch 15 Prozent. Zugleich nimmt der Eindruck zu, dass kaum ein anderes Land seine Interessen derart rücksichtslos vertritt wie Amerika: 2013 teilten 52 Prozent diese kritische Sichtweise, 2016 waren es 59 Prozent, aktuell sind es 66 Prozent.

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Quelle: F.A.Z.
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