21 Tote bei Anschlag in Tunis

Präsident will Terroristen „endgültig ausschalten“

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Bei einem Terroranschlag auf das Nationalmuseum von Bardo in der tunesischen Hauptstadt Tunis sind am Mittwoch mindestens 21 Menschen getötet und mehr als zwanzig verletzt worden. Unter den Todesopfern seien 17 ausländische Touristen unter anderem aus Deutschland, Polen, Italien, Spanien, teilte Ministerpräsident Habib Essid im Staatsfernsehen mit.

Mindestens zwei mit Sturmgewehren bewaffnete und in Militäruniformen gekleidete Angreifer hatten demnach am Mittag auf dem Platz vor dem archäologischen Museum und dem daneben liegenden Parlamentsgebäude das Feuer auf Touristen eröffnet. Anschließend hatten sie sich im Bardo-Museum mit zahlreichen Geiseln vier Stunden lang verschanzt. Bei einer Befreiungsaktion durch tunesische Sicherheitskräfte wurden nach offiziellen Angaben zwei Angreifer und ein Polizist getötet. Unklar blieb, ob während der Aktion auch Touristen getötet wurden.

Ministerpräsident Essid sagte, es werde nach drei Personen gefahndet, die möglicherweise an dem Anschlag beteiligt gewesen. Die Angreifer hätten die Wirtschaft des Landes treffen wollen, die zu einem hohen Maße vom Tourismus abhängt. Der Regierungschef rief die Tunesier auf, die Sicherheitskräfte „in einer sensiblen und wichtigen Phase“ des Übergangs zur Demokratie nach dem Sturz des Diktators Ben Ali im Jahr 2011 zu unterstützen. Präsident Béji Cad Essebsi erklärte, ein „riesiges Unglück“ habe Tunesien heimgesucht. Das Land müsse alle Kräfte mobilisieren „und die Terroristen endgültig ausschalten“, sagte Essebsi bei einem Besuch von Verletzten im Krankenhaus.

Terror in Tunesien
Angreifer töten 17 Touristen
© reuters, reuters

Zum Zeitpunkt des Angriffs berieten die Abgeordneten im Parlament über Anti-Terror-Maßnahmen. Nach den Schüssen vor dem Gebäude sei unter den Parlamentariern „Panik“ ausgebrochen, berichtete eine Abgeordnete über den Kurznachrichtendienst Twitter. Die tunesischen Sicherheitsbehörden sind seit längerem besorgt wegen der Bedrohung durch radikale Islamisten und den Staatszerfall im Nachbarland Libyen. Das Ausmaß des Terrorangriffs vom Mittwoch auf Zivilisten in der Hauptstadt ging jedoch über die Befürchtungen hinaus, wie es in Tunis hieß.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Regierungschef Manuel Valls verurteilten die terroristische Attacke in Tunis. Hollande drückte in einer Botschaft an Tunesien die Solidarität Frankreichs aus, wie der Élysée-Palast am Mittwoch mitteilte. Valls verurteilte den Anschlag auf das Schärfste.

Die seit dem vergangenen Herbst amtierende neue tunesische Regierung hat sich einem harten Kurs gegen die radikalen Islamisten verschrieben. Präsident Béji Cad Essebsi hat die innere Sicherheit und den Kampf gegen den Terrorismus zur wichtigsten Aufgabe der neuen Führung erklärt, nachdem die von der islamistischen Partei Ennahda geführte Vorgängerregierung den Umtrieben der Salafisten zuvor nur halbherzig entgegengetreten war. Das änderte sich erst mit dem Angriff mehrerer hundert Salafisten auf die amerikanische Botschaft in Tunis im September 2012.

Wie ein ranghoher Funktionär des Innenministeriums dieser Zeitung unlängst erklärte, sind die radikalen Islamisten zwar weitgehend aus dem Straßenbild verschwunden, hätten sich aber in Kleingruppen organisiert, in denen sie zum Teil zusammenlebten. Erst am Montag hatte das tunesische Innenministerium einen Schlag gegen Dschihadistennetzwerke in der Stadt Kairouan gemeldet. Demnach wurden dort 22 Extremisten festgenommen; sie seien in vier Zellen organisiert gewesen und hätten versucht, junge Tunesier für Dschihadistengruppen in Libyen zu rekrutieren. Über die Grenze des östlichen Nachbarlandes werden sowohl Waffen geschmuggelt als auch Kämpfer geschleust. Auch im Grenzgebiet zu Algerien kommt es immer wieder zu Terrorangriffen.

Quelle: cheh.
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