Treffen von Trump und Kim

Auf dem Gipfel

Von Peter Sturm
 - 12:25

Kim Jong-un sollte sich bei nächster Gelegenheit ganz tief vor den Statuen seiner Vorfahren verbeugen. Seinem Großvater Kim Il-sung und seinem Vater Kim Jong-il nämlich verdankt es der junge Herrscher, dass ihm wahrscheinlich die Ehre zuteil wird, den amerikanischen Präsidenten zu treffen. Das ohne Rücksicht auf Verluste vorangetriebene nordkoreanische Atomwaffenprogramm scheint sich nun auszuzahlen, unabhängig davon, ob Kim Jong-un seine Charmeoffensive vor allem deshalb eingeleitet hat, weil die internationalen Sanktionen dem Regime wehtun.

Südkorea hat offenbar sowohl gegenüber dem Norden als auch gegenüber dem amerikanischen Präsidenten den richtigen Ton getroffen. Donald Trump wird sehr gerne gehört haben, dass alles nur deshalb möglich geworden ist, weil er so hart gegenüber Nordkorea aufgetreten ist.

Nun wollen sie also direkt miteinander reden. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Aber auch hier gilt, entscheidend sind die Inhalte. Noch weiß zum Beispiel niemand, was Nordkorea sich unter einer Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel vorstellen könnte. Wenn man das wörtlich nimmt, kann Pjöngjang nicht gut den Abzug der amerikanischen Truppen aus Südkorea fordern, denn diese haben schon seit Jahren keine Atomwaffen mehr in ihrem Arsenal. Aber auch da steckt der Teufel im Detail, denn Amerika wird sich nicht verbieten lassen, Schiffe mit Atomwaffen an Bord in nordostasiatische Gewässer zu schicken. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich in der Gegend nicht alles um Nordkorea dreht. Die amerikanisch-chinesische Rivalität ist langfristig das deutlich wichtigere Problem.

Politisch wird es für die Vereinigten Staaten aber schwer, zu weitgehende Forderungen Nordkoreas zurückzuweisen. Eine Ablehnung müsste schon ziemlich gut „verkauft“ werden, nicht zuletzt in Südkorea, wo aus naheliegenden Gründen große Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung auf der Halbinsel herrscht.

Nordkorea könnte sich – zum Beispiel als Gegenleistung für einen Friedensvertrag, der die Existenz des Staates (und damit zumindest indirekt des Regimes) garantiert – auch Zugeständnisse in der Atompolitik leisten. Das über viele Jahre angesammelte Wissen um die Produktion nuklearer Waffen bliebe dem Land ja in jedem Fall erhalten. Somit blieben für Pjöngjang für die Zukunft alle Optionen auf dem Tisch, wie man in solchen Situationen gerne sagt.

Video starten

Historisches GipfeltreffenTrump und Kim Jong-un wollen reden

Wenn es einen „Deal“ mit Donald Trump gäbe, müsste sich Kim Jong-un allerdings von vielen Zügen seines Regimes verabschieden, die es bisher konstituiert haben. Die fast vollständige (Selbst)Isolierung Nordkoreas ließe sich nicht aufrechterhalten. Das ließe viele Lebenslügen der Kim-Herrschaft in sich zusammenbrechen. Kurz- und mittelfristig würde dies vermutlich dadurch kompensiert, dass Nordkorea mit großzügiger wirtschaftlicher Hilfe rechnen könnte. Die damit einhergehende Verbesserung des Lebensstandards könnte sich Kim ans Revers heften.

Aber noch ist nichts sicher. Und gerade der Kim-Clan ist nicht dafür bekannt, einmal geschlossene Abkommen auch einzuhalten. Von daher empfiehlt sich das, was die südkoreanische Regierung gleichzeitig mit der Nachricht vom möglichen Gipfeltreffen Trump-Kim mitgeteilt hat: Die Sanktionen blieben selbstverständlich solange in Kraft, bis Nordkorea „geliefert“ habe.

Und noch einen Unsicherheitsfaktor gibt es. Wo wird, wenn er denn zustande kommt, der Gipfel stattfinden? Im Interesse der Sache wäre es vielleicht gut, wenn das Treffen nicht in Pjöngjang stattfände. Donald Trump ist nämlich, wie nicht zuletzt sein Besuch in China gezeigt hat, mit Äußerlichkeiten ziemlich leicht zu beeindrucken. Und wenn das Regime in Nordkorea eines perfekt beherrscht, dann sind das Äußerlichkeiten.

Quelle: F.A.Z.
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenNordkoreaDonald TrumpKim Jong-unSüdkoreaPjöngjangKim Il-sungAtomwaffeRegime