Krise am Golf

Die Fake News um die Qatar-Krise

Von Rainer Hermann
 - 15:37

Der Bericht der „Washington Post“ ist der nächste Rückschlag für den Versuch Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar zu isolieren, um den kleinen, aber reichen Staat gefügig zu machen. Der Auslöser für die Krise, die am 5. Juni damit begann, dass die zwei Staaten sowie Ägypten und Bahrein ihre diplomatischen Beziehungen zu Qatar abgebrochen haben, war eine Meldung gewesen, die die qatarische Nachrichtenagentur am 24. Mai verbreitet hatte. In der würdigte der Emir des Landes, Tamim Bin Hamad Al Thani, die Hamas als „den legitimen Vertreter des palästinensischen Volks“ und Iran als eine „islamische Macht, die nicht ignoriert werden“ dürfe.

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate reagierten empört, und Qatar dementierte. Das sei keine Äußerung des Emirs und nicht seine Meinung, hieß es aus Doha. Die Webseite der Nachrichtenagentur sei gehackt worden, es handle sich um eine Falschmeldung. Qatars Gegner wiesen diese Erklärung aber zurück. Für sie war nun erwiesen, was sie vermutet hatten.

Qatar scheint nun doch Recht zu bekommen

Nun scheint Qatar aber Recht zu bekommen. Die „Washington Post“ berichtet unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstquellen, dass mutmaßlich die Vereinigten Arabischen Emirate die Falschmeldung mit der umstrittenen Äußerung plaziert haben sollen. Demnach haben Mitglieder der Regierung der Emirate am 23. Mai ein Hacken der Webseite der qatarischen Nachrichtenagentur diskutiert. Dort erschien dann am folgenden Tag die Meldung, von der Qatar von Beginn an gesagt hat, es handle sich um eine Falschmeldung. Unklar bleibt vorerst, ob die Emirate den Angriff selbst ausgeführt oder in Auftrag gegeben haben. Anfang Juni hatte der Nachrichtensender CNN berichtet, russische Hacker könnten die Falschmeldung zu den Äußerungen, die Emir Tamim zugeschrieben werden, plaziert haben, um einen Keil zwischen die Verbündeten Amerikas am Golf zu treiben.

Der qatarische Generalstaatsanwalt Ali al Marri hatte bereits am 21. Juni erklärt, er verfüge über Beweise, dass die Staaten, die Qatar zu isolieren versuchten, die Falschmeldung plaziert hätten. Zuvor habe Qatar die amerikanischen und britischen Geheimdienste gebeten, dieser Sache nachzugehen, berichtete der qatarische Nachrichtensender Al Dschazira.

Der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington, Yusuf al Utaiba, hat den Bericht der „Washington Post“ umgehend als „falsch“ zurückgewiesen. „Richtig“ sei vielmehr, dass Qatar islamistische Extremisten unterstütze – von der Hamas bis zu den Taliban. In London sagte Anwar Gargash, der Staatsminister für Auswärtige Beziehungen der Vereinigten Arabischen Emirate, sein Land habe keine qatarischen Webseiten gehackt, es sei ihm auch nicht an einer weiteren Eskalation gelegen.

Abwegig ist der Bericht der „Washington Post“ indessen nicht. Denn die Vereinigten Arabischen Emirate gehören in den Vereinigten Staaten zu den größten Lobbyisten, sie bezahlen dafür beispielsweise das Beratungsunternehmen Camstoll, das frühere ranghohe Mitarbeiter der amerikanischen Regierung beschäftigt. Das Unternehmen habe Kontakt zu amerikanischen Journalisten aufgenommen, die in der Folge kritische Artikel über Qatar geschrieben hätten, berichtet die „New York Times“.

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Dass am Golf mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigte am Wochenende eine Meldung, die die Nachrichtenagentur Reuters zunächst verbreitet, dann aber wieder zurückgezogen hat. Dort hatte es geheißen, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und vier weitere Länder hätten bei der Fifa beantragt, Qatar die Austragungsrechte für die Fußballweltmeisterschaft 2022 zu entziehen. Der Urheber der Falschmeldung ist noch nicht identifiziert. Im Rahmen des psychologischen Kriegs, den sich die Monarchien am Golf liefern, schien sie zunächst nicht aus der Luft gegriffen zu sein.

Konflikt am Golf
Gabriel: Die Region muss miteinander den IS bekämpfen
© EPA, reuters

Zwei Vermittlungsversuche haben in den vergangenen Wochen den Konflikt am Golf zwar nicht gelöst, sie haben aber immerhin eine weitere Eskalation abgewendet. So hatten der Emir von Kuweit, Scheich Sabah al Ahmad Al Sabah, und der amerikanische Außenminister, Rex Tillerson, in einer Pendeldiplomatie zwischen Riad, Abu Dhabi und Doha vermittelt. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in die Vermittlung eingewilligt, da sich rasch gezeigt hatte, dass Doha nicht auf die Forderungen eingehen würde, die die Aufgabe der qatarischen Souveränität bedeutet hätten. Die jüngste Wendung in der Krise mit dem Bericht der „Washington Post“ stärkt Qatar weiter.

Quelle: FAZ.NET
Rainer Hermann  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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