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Franz Joseph I. von Österreich

Der ewige Kaiser

Von Stephan Löwenstein, Wien
 - 11:51
Medienkaiser: Franz Joseph I. in seiner Lieblingsresidenz Bad Ischl. Der Herrscher wusste auch die neue Technik der Fotografie virtuos zu nutzen. Bild: Schloß Schönbrunn/Sascha Rieger, F.A.Z.

Der Rahmen gleicht fast einem Staatsakt, dabei handelt es sich um eine Ausstellungseröffnung. Die Große Galerie von Schloss Schönbrunn ist mit Blumen geschmückt. Die Philharmonie Marchfeld spielt klassisches Wiener Programm. 500 geladene Gäste lauschen den einführenden Worten von Museumsleitern und wissenschaftlichen Kuratoren, moderiert vom opernballgestählten ORF-Gesellschaftsreporter Karl Hohenlohe. Die feierliche Eröffnung vollzieht kein Geringerer als Bundespräsident Heinz Fischer. Es geht schließlich um, sozusagen, einen seiner Vorgänger als österreichisches Staatsoberhaupt. Es geht um Kaiser Franz Joseph I. von Österreich.

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Franz Joseph wurde 1830 in Wien, auf Schloss Schönbrunn, geboren. Im Alter von 18 Jahren bestieg er unter turbulenten Umständen den Kaiserthron. Damit herrschte er über ein Reich, das sein Wesen und seine eigentliche Gestalt erst und nur unter Franz Joseph fand, nämlich in seiner Person. 1916 starb er, auch in Schönbrunn. Der Jahrestag ist erst im November, aber er ruft schon jetzt eine Fülle von Aktionen und Publikationen hervor. In wenigen gemessenen Worten würdigte der Bundespräsident, dass die Ausstellung die Ambivalenz des Kaisers wiedergebe: Einerseits Identifikationsfigur des Vielvölkerstaates, „gleichzeitig führten seine Entscheidungen auch zum Untergang der Monarchie“. Und Fischer schlug einen Bogen in die Gegenwart, in deren herausfordernden Zeiten für das „Projekt Europa“ das historische Verständnis so notwendig sei.

Die Ausstellung erstreckt sich über mehrere Orte in Wien und in Niederösterreich. In Schönbrunn sind Zeugnisse des Herrschers zu besichtigen, Bilder und Uniformen, Kutschen und Prachtroben. Das Wiener Hofmobiliendepot zeigt die Spanne zwischen Propaganda und Mensch. Post- und Spielkarten, Fotos und Filmaufnahmen, überall war der Kaiser präsent. Er soll die meistfotografierte Person seiner Zeit gewesen sein. Zu sehen sind aber auch Kuriosa wie seine Allerhöchste Unterhose – das Exemplar mit dem eingestickten Baujahr 1897 ging erst 2014 im Auktionshaus Dorotheum für 2500 Euro über den Tisch.

Waidmännisches ist im Jagdschloss Niederweiden zu sehen. Dann gibt es noch eine Schau im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek, eher Papierenes von und über Franz Joseph. „Der ewige Kaiser“, heißt diese Ausstellung treffend. Auch sie wurde kürzlich von Bundespräsident Fischer gemeinsam mit dem Kanzleramtsminister Josef Ostermayer eröffnet, auch dies eine Gelegenheit, Hinz und Kunz der republikanischen Elite zu treffen.

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Es gibt wissenschaftliche Werke zum bevorstehenden Jahrestag, eine Biographie des Kaisers und eine über seine Vertraute Katharina Schratt, eine Briefedition und ein Porträt der kaiserlichen Sommerfrische Bad Ischl im Salzkammergut, Bildbände und natürlich die Ausstellungskataloge. Es haben aber auch nicht weniger als drei Tageszeitungen sowie ein Wochenmagazin Geschichtshefte über Franz Joseph herausgebracht, teils in tiefer Verbeugung („Zum 100. Todestag“), teils mit kritischem Impetus („Der hilflose Monarch“). Die Hefte stoßen offensichtlich auf reges Interesse, schon wenige Tage nach Erscheinen muss man mehrere Verkaufsstellen abklappern, um noch ein Exemplar zu ergattern.

Den Vogel schießt, wie sollte es anders sein, mit goldglänzender Aufmachung das Sonderheft der „Kronen-Zeitung“ ab: „Der Unbestechliche – Das Geheimnis seiner Regierung“; „Franz Joseph privat – Lederhose und Kaffeetratsch“; „Liebe, Affären, Vertraute – Die Frauen in seinem Leben“. So, wie die Hefte beim Frisör, die das Neueste über Glück und Unglück der heutigen Monarchen berichten – leider nur aus anderen Ländern. Die Überraschung dieses Heftes lauert im Inneren, da wird wie auch in den anderen ernsthaft und seriös informiert.

Kapuzinergruft gibt Einblick in den Franz Joseph-Hype

Woher kommt dieser Hype um den Kaiser mit dem markanten Backenbart? Dass in Deutschland etwas Derartiges anlässlich eines Jahrestags des Kaisers Wilhelm II. veranstaltet würde, ist undenkbar. Obgleich doch beide Monarchien zur gleichen Zeit unter ähnlichen Umständen erloschen sind. Man könnte auch so fragen: Wie kommt es, dass das meistverkaufte Blatt Österreichs „Kronen-Zeitung“ heißt, obwohl das Land seit 98 Jahren keine Monarchie mehr ist? Nicht einmal dort, wo noch jemand auf dem Thron sitzt, gibt es so etwas.

Die Spurensuche führt zunächst dorthin, wo sich der Verstorbene selbst befindet, in die Kapuzinergruft. Joseph Roth, der mit den so gegensätzlichen Haltungen Nostalgie und Zynismus in seinen Romanen den Untergang der Monarchie erzählt, hat diese Grablege der Habsburger Kaiser als einen mythischen Zufluchtsort dargestellt (auch dieser Ort ist bei Roth allerdings verschlossen, als die Nazibarbarei hereinbricht). Heute ist die Kapuzinergruft vor allem ein Touristenmagnet, wenn auch nicht ganz so prominent wie andere fußläufig gelegene Sehenswürdigkeiten.

Man betritt sie durch die selbstöffnende Glastür eines neugeschaffenen Eingangs, entrichtet an einem Schalter seinen Obolus und gelangt über eine Treppe in den ostwärtigen Teil der Gruft. Dorthin, wo die Stifter des Kapuzinerklosters in noch recht schlichten Behältnissen beigesetzt sind, Kaiserin Anna und Kaiser Matthias. Im Laufe der Jahrhunderte schwillt die Pracht der Darstellung von Macht und Vergänglichkeit auf den Sarkophagen der beigesetzten Herrscher an bis hin zum barocken Feuerwerk in der Maria-Theresien-Gruft. Erst zwei Ecken oder 86 Sarkophage weiter kommt man in die Franz-Josephs-Gruft. Hier ist das Dekor in den klaren Linien der Kunst seiner Zeit gehalten.

Tragik trug zum Mythos bei

Wenn man die Schulklassen dazurechnet, dann besuchen jedes Jahr etwa 200.000 Menschen die Kaisergruft. Woher kommt dieses Interesse an einem Friedhof? Pater Gottfried Undesser, der als Hausoberer des Klosters 25 Jahre Kustos der Kapuzinergruft war, erzählt von dem Bildprogramm auf den Kunstwerken, als die vor allem die barocken Sarkophage aufgeführt sind. In der Maria-Theresien-Gruft sind in Zinn gegossene Szenen aus dem Leben der Kaiserin und ihres Mannes, Franz von Lothringen, zu sehen – an die Decke jedoch ist eine Vision des Propheten Ezechiel gemalt, die Erweckung der Gebeine Israels. Aber das eigentliche Interesse der meisten heutigen Besucher gilt doch denen, die ihnen zeitlich näher stehen.

Ist bei Maria Theresia mal eine Rose zu finden, verschämt zwischen das Fahnen- und Musketendekor gesteckt, liegt in der Franz-Josephs-Gruft fast ein Blumenteppich. Der vergängliche Schmuck liegt vor der erhöhten Grablege des Kaisers, ein wenig auch vor dem Sarkophag seines Sohnes, des Kronprinzen Rudolf, aber in Fülle vor seiner Frau. Sicherlich spiegelt sich hier in diesem kleinen, kühlen Raum viel von der Tragik, die das Leben Franz Josephs umwehte und die nicht unwesentlich zu seinem Mythos gehört: „Mir bleibt nichts erspart.“ Die erste Tochter starb als Kleinkind – damals nichts Ungewöhnliches, aber für das junge Kaiserpaar sehr belastend. Der Bruder wurde als Kaiser Maximilian von Mexiko von Revolutionären getötet. Der Sohn hat sich erschossen und seine Geliebte gleich mit. Der nächste Thronfolger wurde gemeinsam mit seiner Frau in Sarajevo von einem serbischen Nationalisten erschossen. Und seine eigene Frau Elisabeth wurde am Genfer See von einem Anarchisten erstochen. Die Frau, die er nach allen Selbstzeugnissen wirklich geliebt hat und die diese Liebe nicht dauerhaft zu erwidern vermochte.

Wiener halten es nicht mit Sissi

Manchmal kämen Touristen wieder heraus, weiß Pater Gottfried zu berichten, und seien ganz enttäuscht, weil die Sissi gar nicht da unten liege. Diejenigen, welche die Blumen abgelegt haben, haben die Kaiserin Elisabeth gefunden. Natürlich haben die Sissi-Filme zur modernen Mythenbildung beigetragen. Die rührende Liebesgeschichte, dargestellt von der zarten Romy Schneider und dem feschen Karlheinz Böhm. Die unglückliche Kaiserin am intriganten Hof. Sissi ist ein beliebtes Plakatmotiv für den Wien-Tourismus. Es gibt ein eigenes Museum in der Hofburg. Dort kann man allen erdenklichen Kitsch kaufen, bis hin zur Sissi in der Schneekugel. Aber der Verdacht liegt nahe, dass das nur eine Touristengeschichte ist. Man wird kaum einen Wiener treffen, der in diesem Museum war oder zugibt, es gewesen zu sein. Wer auf sich hält, sagt „die Kaiserin Elisabeth“. Und lässt allenfalls die Schreibweise „Sisi“ gelten.

Da, wo die Wiener hingehen, ist nicht die Sisi allgegenwärtig, sondern der Kaiser Franz Joseph. Am Musikverein, der Oper, dem Burgtheater, den Museen. Überall steht dran, in welchem Jahr seiner Regentschaft dieses und jenes Gebäude errichtet wurde. Die ganze Ringstraße, die um die Innere Stadt führt, ist eine einzige Gedächtnismeile des Kaisers. Und das ist kein Zufall. Schließlich ging der Anstoß dazu, die Stadtmauer zu schleifen und das freie Schussfeld davor gleich mit aufzugeben, auf sein berühmtes Schreiben zurück, das mit den Worten des damals 28 Jahre jungen Kaisers begann: „Es ist mein Wille ...“ Im vorigen Jahr wurde die 150. Wiederkehr der feierlichen Eröffnung der Ringstraße gefeiert, obwohl die 1865 erst halb bebaut war.

Nachkommen gehen bürgerlichen Berufen nach

Das Konzept war einfach, aber genial: Der Kaiser bekommt seine Prachtallee, sicherheitshalber eingefasst von zwei Kasernen. Die schmucken Staatsbauten werden finanziert durch den Verkauf der beträchtlichen Flächen, die durch den Wegfall der Befestigung frei werden. Die Residenzstadt kann zu einer Weltstadt zusammenwachsen. Und das Bürgertum gewinnt Spielraum zum Bau seiner eigenen Repräsentationshäuser. Der Bau der Ringstraße war auch ein wichtiger Schritt für die Emanzipation des jüdischen Großbürgertums. Es erhielt in dieser Zeit die Erlaubnis, eigenen Grund in der Innenstadt zu erwerben, und zugleich auch den Raum dazu.

Ironischerweise ist derjenige Teil des Straßenrings nach Franz Joseph benannt, der gewöhnlich gar nicht zur Ringstraße gezählt wird, der eher so etwas wie die Kehrseite darstellt: Der Halbbogen am Donaukanal. Der Franz-Joseph-Kai atmet den Geist von Buden statt Prachtbauten. Aber, doppelte Ironie, am Abend tobt hier mehr städtisches Leben als am Ring, wo sich höchstens zwischen zehn und elf noch einmal Oper und Burgtheater entleeren.

Franz Joseph I. hat nicht nur Steine hinterlassen, sondern auch Nachkommen, viele Nachkommen. Trotz all seiner familiären Tragödien zählen sie hundert Jahre nach seinem Tod viele Hunderte, selbst wenn man die Gerüchte über außereheliche Kinder aus Franz Josephs Affären, etwa derjenigen mit Anna Nahowski, außer Betracht lässt. Von seinen Kindern Gisela, Rudolf und Marie Valerie hatten Franz Joseph und Elisabeth 15 Enkel und bereits 55 Urenkel. Die wenigsten seiner heutigen Nachkommen leben in Wien, aber einige schon. Sie haben in der Regel ganz normale bürgerliche Berufe. Von ererbten Latifundien oder Apanagen können auch die Nachfahren des Kaisers nicht leben – nicht nur, weil die Republik Österreich nach 1918 das Privatvermögen derjenigen Habsburger einzog, die nicht eine förmliche Verzichtserklärung auf den Thron abgaben.

Kaiserliche Herkunft wird nur nach Innen gepflegt

Philipp Altenburg schlägt für das Gespräch das Café Sperl vor. Das ist eines jener Altwiener Kaffeehäuser mit schweren Vorhängen und abgewetzten Plüschsitzen. Altenburg ist Angestellter einer Bank und wohnt in einer Etagenwohnung irgendwo hinterm Rathaus. Er ist insofern typisch für die Nachkommen Franz Josephs, auch weil er wie die meisten von ihnen nicht Habsburg heißt. Es ist auch nicht so, dass man ihm den kaiserlichen Ahnen von klein auf eingetrichtert hätte. Aber es gab natürlich zu Hause die Bilder an der Wand. Und in den siebziger und achtziger Jahren gab es Familientreffen der Nachkommen von Marie Valerie, das stärkte natürlich den Familiensinn.

Das ist das eine – nach innen. Nach außen trägt man das nicht vor sich her. Wer im Internet sucht, findet Artikel, in denen Philipp Altenburg vorkommt. Da geht es aber um ein soziales Engagement, vom Kaiser keine Rede. Natürlich hat Altenburg sich dort, wohin es ihn verschlug, für Spuren seines Ahnen interessiert. In Paris suchte er mal das Grab des an Trunksucht gestorbenen Joseph Roth auf. In Bosnien stieß er auf ein altes serbisch-orthodoxes Evangeliar, dem ein in Gold gefasstes Gebet für Kaiser Franz Joseph vorangestellt war. Bei einem Onkel traf er auch mal einen Nachfahren Josef Ettenreichs – jenes Fleischermeisters, der dem flanierenden Kaiser einst durch beherztes Eingreifen beim Messerattentat eines ungarischen Nationalisten das Leben rettete.

Für die Familie ist Karl I. der Bezugspunkt

Aber Altenburg ist weit davon entfernt, den Vorfahren auf den Sockel zu heben. „Für mich war er der Großvater meines Großvaters. Davon zu trennen ist die politische Person.“ Die politische Person Franz Joseph sei trotz mancher moderner Ideen wie die der Ringstraße doch gefangen in der Pflichterfüllung gewesen, den Normen und Konventionen, die ihm Grenzen gesetzt hätten. Und so wenig wie der Privatmann Philipp Altenburg ist auch die Gesamtfamilie Habsburg erkennbar daran beteiligt, zur Blüte des Franz-Joseph-Mythos beizutragen. Eduard Habsburg, der als Sprecher des Erzhauses auftritt, sagt im Sonderheft der „Presse“: „Von Kaiser Franz Joseph stamme ich zwar direkt ab, aber er ist weiter weg. Kaiser Karl steht mir näher ... Karl ist der Punkt, an dem wir Habsburger uns versammeln. Franz Joseph ist für uns Geschichte.“

Karl I. war der letzte Kaiser von Österreich. Der Großneffe Franz Josephs war nach der Ermordung Franz Ferdinands der reguläre Thronfolger. An Präsenz reicht er bei weitem nicht an den alten Kaiser heran. Er wird entweder vergessen oder verurteilt, weil er sich 1918 weigerte, förmlich abzudanken. Dass Habsburg seine Erinnerung hochhält, hängt mit Karls – erfolglosen – Friedensbestrebungen und der kirchlichen Seligsprechung zusammen. Franz Joseph I. aber ist schon durch die schiere Dauer seiner Regierungszeit in der öffentlichen Erinnerung überwältigend.

Am Ende gab es im ganzen Reich kaum mehr jemanden, der bewusst einen anderen Herrscher erlebt hatte. Und sein Porträt war auch dank der neuen Technik der Fotografie omnipräsent. Es hing in Amtsstuben, Wirtshäusern und angeblich sogar in Bordellen. Und vielleicht spielte für das Phänomen des „Medienkaisers“ auch eine schiere Äußerlichkeit eine Rolle: der Bart. Franz Josephs Gesichtsschmuck war so individuell zuzuordnen wie der gezwirbelte Schnäuzer Wilhelms II. Aber anders als Wilhelms Oberlippen-W wirkt Franz Josephs Backen-Schnurrbart nicht aggressiv, sondern, zumal in seinen späteren Jahren, gemütlich und großväterlich. Und womöglich ist es das, was ihn auch für die heutigen Österreicher zu einer Figur macht, an der man nicht „anzustreifen“ fürchten muss, nicht einmal ein sozialdemokratischer Bundespräsident. Franz Joseph war kein sprühender Intellektueller oder tatkräftiger Reformer, er war ein fleißiger Bewahrer, so gut es ging, mit ausgesprochen menschlichen Zügen. Das macht ihn als historische Kunstfigur beinahe harmlos.

Bis das Know-How der Stickkunst ausstirbt

Die Republik jedenfalls lebt und webt wie selbstverständlich in den Kulissen der Monarchie. In den Anfangsjahren hielt man noch auf Abstand zur vormaligen Residenz der Habsburger, doch nach dem Zweiten Weltkrieg wählte Bundespräsident Karl Renner den von Kriegsschäden verschonten Leopoldinischen Trakt als Amtssitz für das Staatsoberhaupt. Und so führt die Spurensuche zuletzt wieder zum Bundespräsidenten, diesmal in seine Amtsräume. Ihre Möblierung stammt vor allem aus der Zeit Maria Theresias, vor deren überlebensgroßem Porträt Heinz Fischer sich mit Staatsgästen beim Händeschütteln fotografieren zu lassen pflegt. Vor den Fenstern aber hängen Vorhänge, in die der Doppeladler und der Wahlspruch des Kaisers Franz Joseph eingestickt sind: „Viribus Unitis“, das heißt „mit vereinten Kräften“.

Zeit und Licht haben an diesen Vorhängen genagt, nach etwa hundert Jahren fingen sie an zu zerfallen. Für eine Rekonstruktion konnten die Stickmuster noch aufgetrieben werden. Die Muster und dazugehörigen Maschinen gehören einer Firma namens „Creation S“ in der Schweiz. An einem solchen Vorhang sitze eine Arbeiterin acht bis neun Tage alleine für die Stickarbeit, sagt Seniorchef Benedikt Hutter. Einst beschäftigte man 500 Näherinnen, die solche Arbeiten verrichteten. Aber: „Es gibt nicht mehr viele, die das können.“ Derzeit sind wieder einige Arbeiten in Auftrag. Sollte dieses Know-how einmal ganz untergehen, dann wird es wohl schwierig werden, den Wahlspruch des Kaisers Franz Joseph an den Vorhängen der Präsidentschaftskanzlei zu bewahren.

Quelle: F.A.Z.
Stephan Löwenstein
Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.
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