Front National

„Marine Le Pen hat eine Bank gefunden, Punkt!“

Von Michaela Wiegel, Paris
 - 15:51

In der Debatte über die russischen Millionen für den Front National (FN) hat der UMP-Abgeordnete Henri Guaino am Dienstag die Finanzierungsstrategie Marine Le Pens gebilligt. „Nein, der Kredit schockiert mich nicht“, sagte Guaino im Radiosender France Info. Der frühere Chefberater im Elysée-Palast wird vom neuen UMP-Vorsitzenden Nicolas Sarkozy wieder als Redenschreiber in Anspruch genommen. Guaino sagte, er verstehe die Debatte über den russischen Kredit für den FN nicht. „Marine Le Pen hat eine Bank gefunden, Punkt, aus!“, sagte Guaino.

Der UMP-Abgeordnete hatte zuvor Präsident Hollande scharf kritisiert, weil er aufgrund der Ukraine-Krise das Milliardengeschäft über zwei Hubschrauberträger vom Typ Mistral an die russische Marine suspendiert hat. Marine Le Pen hat unterdessen den Vorwurf zurückgewiesen, ihre finanzielle Abhängigkeit von dem Geldinstitut eines Putin-Vertrauten bestimme ihre politische Positionierung gegenüber dem Regime Putins.

Der frühere Arbeits- und Sozialminister Xavier Bertrand (UMP) bezichtigte Le Pen der Lüge. Durch die Kreditaufnahme in Moskau begebe sich der Front National in einen „moralischen und politischen Interessenkonflikt“, so Bertrand. Die Unabhängigkeit des FN und der im Parteinamen und im -programm bekundete Patriotismus sei „ein großer Scherz“.

„Marine Le Pen hat das Recht, prorussische Positionen zu verteidigen und in Putin ihr Idol gefunden zu haben“, sagte Bertrand. „Aber künftig wird man sich immer fragen müssen, ob das so ist, weil die Russen ihr Geld geliehen haben“, sagte der UMP-Abgeordnete. Die FN-Vorsitzende habe bislang kein überzeugendes Argument gefunden, um den Verdacht zu widerlegen.

Le Pen hat inzwischen die Schreiben veröffentlichen lassen, mit denen vier Banken (LCL, Crédit Agricole, CIC und BNPParibas) eine Kreditanfrage des FN ablehnen. Le Pen behauptete, sie habe sich an die First Czech Russian Bank (FCRB) in Moskau gewandt, da die französischen Geldinstitute ihrer Partei keinen Kredit gewähren wollten.

Sozialisten: „Putin finanziert sie, um Europa zu spalten“

Der Vorsitzende der sozialistischen Partei, Jean-Christophe Cambadélis, hielt Marine Le Pen vor, die Unwahrheit zu sagen. Das Kreditgeschäft sei aufgrund der Seilschaften zwischen Le Pens Parteimitstreitern und dem Putin-Regime zustande gekommen. „Wladimir Putin finanziert sie, weil sie eine Rolle in seiner Strategie spielt, Europa zu spalten“, sagte Cambadélis im Fernsehsender BFM TV.

Die genaue Höhe der zugestandenen Kredite ist noch immer unklar. Nach Enthüllungen der Internetzeitung „Mediapart“ hatte Le Pen zugegeben, einen Kredit in Höhe von neun Millionen Euro von der FCRB aufgenommen zu haben. Insgesamt soll der FN-Schatzmeister Wallerand de Saint-Just einen Finanzierungsbedarf in Höhe von 40 Millionen Euro in den Verhandlungen mit der russischen Seite angemeldet haben.

Quelle: FAZ.NET
Michaela Wiegel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
TwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenFrançois HollandeMarine Le PenNicolas SarkozyWladimir PutinBNP ParibasFNMarine