Großkundgebungen in Spanien

„Redet oder tretet zurück!“

 - 14:05

Mit mehreren Großkundgebungen haben Zehntausende Spanier in den großen Städten des Landes am Samstag für einen Dialog in der Katalonien-Frage demonstriert. Unter dem Motto „Hablamos?“ (Reden wir?) versammelten sich die Demonstranten vor den Rathäusern, etwa in Madrid und Barcelona. Die meisten waren ganz in Weiß gekleidet und trugen weiße Schriftbänder und Luftballons.

Immer wieder brandeten Sprechchöre auf: „Wir wollen, dass geredet wird“, hieß es da. Mit Blick auf Ministerpräsident Mariano Rajoy und den Chef der katalanischen Regionalregierung, Carles Puigdemont, riefen die Menschen: „Redet oder tretet zurück!“

In Madrid fand wenige Hundert Meter vom Rathaus entfernt eine zweite Demonstration statt. Tausende Menschen protestierten hier gegen die Trennungspläne der wirtschaftsstarken Region. Die zentrale Plaza Colón hatte sich in ein Meer aus spanischen Nationalflaggen verwandelt. „Ich bin Spanier!“, skandierten die Leute.

Angesichts der Konfrontation und Kompromisslosigkeit zwischen Madrid und Barcelona fand ein anonymer Aufruf zum Dialog immer mehr Anhänger: Bis Samstagmittag hatten bereits mehr als 9000 Menschen die im Internet von Change.org veröffentlichte Petition unterschrieben. „Spanien ist besser als seine politischen Führer“, heißt es dort. Alle Spanier waren aufgerufen, am Samstagmittag weiß gekleidet vor die Rathäuser zu ziehen und weiße Tücher von ihren Balkons zu hängen.

In Barcelona will Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa am Sonntag an einer ähnlichen Demonstration teilnehmen; er hatte das katalanische Unabhängigkeitsstreben als „Krankheit“ verurteilt und vor einem „neuen Bosnien“ gewarnt.

Madrid
Für die Einheit Spaniens
© AFP, reuters

Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU), warnt seinerseits vor einer neuen Eurokrise durch Katalonien. Weber sagte der „Bild“-Zeitung (Samstagsausgabe), die politische Auseinandersetzung um Katalonien könne „zu einem europäischen Flächenbrand werden“. Er hob hervor: „Auch eine neue Eurokrise ist nicht auszuschließen, wenn die katalanische Regionalregierung den Konflikt weiter eskalieren lässt.“ Er forderte Verhandlungen zwischen Madrid und Barcelona.

Katalanisches Referendum
Spanische Regierung entschuldigt sich für Polizeieinsatz
© MARISCA/EPA-EFE/REX/Shutterstock, reuters

Die Fronten zwischen beiden Seiten sind seit einem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober verhärtet. Dabei hatte sich eine deutliche Mehrheit der Wähler für die Abspaltung der Region ausgesprochen. Allerdings waren nur 43 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen gegangen. Rajoy lehnt jeden Dialog mit Barcelona ab. Die Zentralregierung verstärkte am Freitag sogar noch den Druck auf Katalonien, indem sie ein Dekret erließ, das es Unternehmen erleichtert, die Region zu verlassen.

Quelle: dpa
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