Burma

Stützpunkte, wo einst Dörfer standen

Von Till Fähnders, Singapur
 - 16:00

Eigentlich sollten die etwa 700.000 Rohingya, die im vergangenen halben Jahr nach Bangladesch geflohen waren, in ihre Dörfer in Burma zurückkehren. Doch nach Einschätzung der Vereinten Nationen und von Menschenrechtsorganisationen ist es fraglich, in was für ein Umfeld die Flüchtlinge zurückgeschickt werden. So hatte das burmesische Militär in den vergangenen Wochen die Überreste niedergebrannter Rohingya-Dörfer plattgewalzt. Und nun errichtet die Armee laut Amnesty International dort neue Militärstützpunkte und andere Einrichtungen, die offenkundig nicht für die rückkehrenden Rohingya bestimmt sind.

Dem Bericht zufolge verändern die Arbeiten die Verhältnisse in dem Siedlungsgebiet der Rohingya im Norden des Bundesstaats Rakhine stark. Das Militär betreibe nach den „ethnischen Säuberungen“ nun Landraub in großem Stil. Die Erkenntnisse von Amnesty International stützen sich auf die Berichte von Anwohnern und auf Satellitenbilder. Auf den Bildern sollen Grenzposten, Hubschrauberlandeplätze und Unterkünfte für Umsiedler aus anderen Gebieten zu sehen sein. Der Bericht wurde indirekt auch von der UN-Sonderberichterstatterin für Burma, Yanghee Lee, bestätigt. Sie hatte am Montag vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf gesagt, dass in einigen Gegenden der Region „riesige Neuentwicklungsprojekte“ im Gange seien.

UN-Sonderberichterstatterin darf nicht ins Land

Zwar hatte die burmesische Regierung diese Darstellung umgehend zurückgewiesen. Sie teilte jedoch mit, dass tatsächlich Polizeistationen gebaut würden, die aber zum normalen Aufbau einer Dorfgemeinschaft gehörten. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht, da die Region von der Außenwelt abgeschirmt wird. Die UN-Sonderberichterstatterin wird nicht einmal mehr ins Land gelassen. Mit den neuen Berichten mehren sich die Hinweise darauf, dass die Behörden in Burma nicht vorhaben, die Region mit der Rückkehr der Rohingya in ihren früheren Zustand zurückzuversetzen.

Viele der Flüchtlinge lehnen eine Rückkehr nach Burma ab, weil sie fürchten, dort in Segregation von der restlichen Bevölkerung in Lagern leben zu müssen. Sie fordern außerdem, dass ihnen vor der Rückkehr nach Burma staatsbürgerliche Rechte garantiert werden.

Quelle: F.A.Z.
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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