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Syrische Deserteure

Im Salon von „Madame O.“

Von Michaela Wiegel, Paris
 - 15:38
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Die Avenue Henri Martin liegt im wohlhabenden grünen Westen von Paris. Die Häuser haben großherrschaftliche Fassaden mit eigenen Eingängen für Dienstboten. Männer in Livree stehen bereit, sollten sich Gäste einfinden, deren dunkle Limousinen diskret durch schmiedeeiserne Tore gelotst werden. Hier im Herzen des vornehmen XVI. Arrondissements könnte das neue Zuhause des abtrünnigen syrischen Generals Manaf Tlass liegen, der mit seinem Jugendfreund Baschar al Assad gebrochen hat. Der französische Außenminister Laurent Fabius hatte das bevorstehende Eintreffen des Generals bei der jüngsten Konferenz der „Freunde Syriens“ in Paris angekündigt. Fabius fügte hinzu, das sei ein schwerer Schlag für das Regime Assads.

Manaf Tlass war zuletzt Brigadegeneral in der berüchtigten Republikanischen Garde, die Baschar al Assads Bruder Mahir kommandiert. Fabius’ Ankündigungen liegen jetzt gut eine Woche zurück und in der französischen Hauptstadt hält die Presse noch immer vergeblich Ausschau nach dem General, der aufgrund seines guten Aussehens der „Alain Delon Syriens“ genannt wurde. Laurent Fabius druckst inzwischen herum, wenn er auf den Verbleib Tlass’ angesprochen wird. Er wisse auch nicht, wo der General sei, sagte er und grinste dabei geheimnisvoll. Das hat das Gerücht beflügelt, Tlass residiere längst im herrschaftlichen Hôtel Particulier an der Avenue Henri Martin, das seiner Schwester gehört.

Liaison mit dem Außenminister

Bei Tlass’ Schwester, Nahed Ojjeh, geht seit Jahren „le tout Paris“ ein und aus. „Sie sieht alle, aber sie zeigt sich nur selten“, schrieb die französische Journalistin Ariane Chemin nach einer langen Recherche über die syrische Milliardärin, die in der französischen Hauptstadt Hof hält. Nahed Ojjeh ist die Tochter von Mustafa Tlass, der mehr als 20 Jahre eine der wichtigsten Stützen des Regimes der Assads war und als Verteidigungsminister wirkte.

Als sie gerade 18 Jahre alt war, wurde Nahed Tlass mit dem franko-saudischen Waffenhändler Akram Ojjeh vermählt. 1991 starb Akram Ojjeh und hinterließ seiner jungen Witwe ein stattliches Vermögen. Seither empfängt Nahed Ojjeh, die unter dem Namen „Madame O.“ bekannt ist, in ihrem Salon so ziemlich alle, die in Paris etwas auf sich halten, Schriftsteller und Diplomaten, Geschäftsleute und Politiker.

Einige Verbindungen waren enger, als es sich schickte. Ihre Liaison mit Roland Dumas, dem Außenminister Mitterrands, beunruhigte damals den französischen Geheimdienst. Mehrere Jahre war Nahed Ojjeh die Gefährtin Franz-Olivier Giesberts, der damals die Tageszeitung „Le Figaro“ und heute das Nachrichtenmagazin „Le Point“ leitet. Seinen 50. Geburtstag feierte Dominique de Villepin - kurze Zeit nach seiner Irak-Rede vor den Vereinten Nationen - 2003 in Madame O.s Speisesaal.

Für den Napoleonbewunderer aus dem französischen Außenministerium hatte die aufmerksame Gastgeberin eigens eine Tischdecke mit napoleonischen Maximen besticken lassen. Ein paar Jahre zuvor hatte sie den angesehenen Pariser Schachclub Caissa gekauft und in „Nahed Ojjeh Chess Club“ umbenannt. Zu den Mitgliedern des renommierten Clubs zählte Dominique Strauss-Kahn.

Vermögen aus Waffengeschäften

Die heute 52 Jahre alte Milliardärin gilt ihren Pariser Freunden noch immer als „schönste Frau des Orients“. Ihr immenses Vermögen, das auf die Waffengeschäfte ihres verstorbenen Mannes zurückgeht, erlaubt es ihr jetzt, den Rückzug ihrer Familie aus Syrien zu organisieren. Davon sind zumindest französische Beobachter überzeugt, die den frankophilen Familienclan der Tlass schon lange kennen.

Naheds Vater Mustafa Tlass, der von 1972 bis 2006 syrischer Verteidigungsminister war, lebt schon seit einigen Wochen in Paris, wie der Journalist George Malbrunot herausfand. Mustafa Tlass war unter dem Vorwand einer dringenden medizinischen Behandlung nach Frankreich gereist. Auch Firas Tlass, ein anderer Bruder Naheds, der als Hauptlieferant der syrischen Armee ein großes Vermögen angehäuft haben soll, hat sich nach Paris abgesetzt.

Die aus Rastan nahe Hama stammenden Tlass sind anders als die syrische Herrscherfamilie Sunniten. Bereits die Väter Mustafa Tlass und Hafis al Assad waren eng befreundet. Die Söhne lernten sich als Kinder kennen. In der Familie Tlass war Französisch die erste Fremdsprache, nicht Englisch wie bei den Assads. Die Tlass-Kinder besuchten das Lycée Francais in Damas. Nahed Ojjeh erhielt einen Diplomatenstatus, als sie sich in Paris niederließ. Es heißt, Madame O. habe ihren Einfluss geltend gemacht, als Nicolas Sarkozy 2008 die „Versöhnung“ mit Assad anbahnte und den syrischen Herrscher zum Ehrengast der Militärparade am 14. Juli machte. Jetzt könnten die Tlass eine wichtige Rolle für die französische Diplomatie spielen, um den Sturz des Assad Regimes zu erreichen, heißt es in Paris.

Quelle: F.A.Z.
Michaela Wiegel
Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
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