Reaktion in Nordkorea

„Treffen des Jahrhunderts“

 - 06:22

Die Hochstimmung nach dem historischen Gipfel in Singapur hält an. Amerikas Präsident Donald Trump dankte dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un für dessen „wagemutigen ersten Schritt zu einer neuen hellen Zukunft“ für sein Volk. „Unser beispielloses Treffen – das erste zwischen einem amerikanischen Präsidenten und einem Führer Nordkoreas – beweist, dass echte Änderungen möglich sind“, twitterte Trump in der Nacht zum Mittwoch.

„Die Welt hat einen großen Schritt zurück vor einer nuklearen Katastrophe gemacht. Keine Raketenstarts mehr, keine Nukleartests oder -Forschung mehr!“, fügte Trump in einem weiteren Tweet hinzu. „Danke, Vorsitzender Kim, unser Tag zusammen war historisch.“

„Es gibt keine Grenzen dessen, was NoKo (Nordkorea) erreichen kann, wenn es seine Atomwaffen aufgibt und stattdessen Handel und Zusammenarbeit mit der Welt aufgreift“, schrieb Trump. Kim habe die Chance, als der Mann in Erinnerung zu bleiben, der „eine herrliche neue Ära“ von Sicherheit und Wohlstand für sein Volk eingeleitet habe.

Kim macht eine Denuklearisierung nach Angaben nordkoreanischer Staatsmedien vom Ende der Feindschaft mit den Vereinigen Staaten abhängig. „Kim Jong-un hat gesagt, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen, sollten beide Länder davon absehen, sich gegenseitig zu bekämpfen“, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch. Dies sollte in gegenseitigem Einverständnis erfolgen. Die offizielle Parteizeitung in Nordkorea bezeichnete den Gipfel in Singapur als „Treffen des Jahrhunderts“.

Nordkorea: Einladungen angenommen

Kim habe die Einladung von Trump nach Amerika angenommen und wolle Trump „zu gegebener Zeit“ nach Pjöngjang einladen. Die „beiden Top-Führer“ hätten die gegenseitigen Einladungen „erfreut angenommen“. Sie seien überzeugt, dass dies „als weiterer wichtiger Anlass für verbesserte Beziehungen“ zwischen beiden Ländern diene. Die Annahme der Einladungen wurden von amerikanischer Seite noch nicht bestätigt.

Weiterhin beschrieb KCNA fast jeden Schritt der beiden Staatsmänner, angefangen vom ersten Händeschütteln, dem „Souvenir-Foto“, bis hin zum Verlauf der Gespräche, sowohl unter vier Augen als auch später im erweiterten Kreis mit Beratern. Zu den veröffentlichten Details der Gespräche gehörte unter anderem auch die Zusage Kims, die sterblichen Überreste gefallener amerikanischer Soldaten aus dem Koreakrieg möglichst bald zu repatriieren. Trumps Angebot zur Einstellung der gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea fand ebenso Niederschlag wie die nicht näher definierte Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel.

Trumps pathetisches Video für Kim

Das Weiße Haus stellte ein Video online, das die Amerikaner bei ihrem Treffen der nordkoreanischen Delegation vorgespielt hatten. Im Stil eines pathetischen Hollywood-Trailers mit bombastischer Musik ist darin die Rede von einer Wahl, vor der Nordkorea stehe. Trump und Kim werden immer wieder nacheinander gezeigt und unter anderem bezeichnet als Männer, die „ihr Heimatland verändern und den Lauf der Geschichte beeinflussen“ könnten. Als der vierminütige Film bei der Gipfel-Pressekonferenz in Singapur ohne weitere Einführung den Journalisten zuerst in einer koreanischen Version vorgespielt wurde, vermuteten einige laut einem Bericht der „Washington Post“ zunächst, es handle sich um ein nordkoreanisches Propagandavideo.

Trump und Kim hatten bei dem historischen Gipfel am Dienstag in Singapur eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet, in der sich der nordkoreanische Machthaber grundsätzlich zu einer „vollständigen“ atomaren Abrüstung bereit erklärte. Ein Zeitplan oder spezifische Schritte wurden in dem eher vage abgefassten Dokument nicht erwähnt. Trump erklärte sich im Gegenzug zu Sicherheitsgarantien bereit.

Keine Militärübungen mehr?

Das amerikanische Verteidigungsministerium begrüßte die Ergebnisse des Nordkorea-Gipfels, äußerte sich aber nicht zur Zukunft gemeinsamer Manöver mit Südkorea. Trump hatte nach dem Treffen angekündigt, sie zu beenden. Sie wirkten provokativ und seien teuer.

Berichten zufolge wurden Verbündete von dieser Ankündigung Trumps ebenso überrascht wie das Pentagon. So äußerte sich Japan skeptisch: Die amerikanische Militärpräsenz in Südkorea und die gemeinsamen Manöver seien wichtig für die Sicherheit in Ostasien, sagte Verteidigungsminister Itsunori Onodera am Mittwoch vor Journalisten. Darüber müsse eine Verständigung zwischen Japan, den Vereinigten Staaten und Südkorea hergestellt werden. Sein Land werde an gemeinsamen Manövern mit Amerika ebenso festhalten wie am Ausbau seiner Verteidigung gegen mögliche Raketenangriffe aus Nordkorea.

Quelle: bard./dpa/AFP
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