FAZ plus ArtikelHandel in Syrien

Gier ist stärker als Ideologie

Von Christoph Ehrhardt, Beirut
 - 06:12

Was verbindet einen Schmuggelbaron, eine dschihadistische Rebellengruppe und einen Adjutanten des syrischen Regimes? Im Zweifel ist es ein lukrativer Handel. In Al Eis zum Beispiel. In dem Ort südlich der Großstadt Aleppo verdienen Männer, die im syrischen Krieg auf verschiedenen Seiten stehen, gemeinsam gutes Geld. Dort liegt ein Kontrollpunkt, durch den Waren aus den Rebellengebieten der nordwestlichen Provinz Idlib in die vom Regime kontrollierten Regionen verbracht werden – und andersherum. Millionen von Dollar hat er schon abgeworfen. Auf der einen Seite verdient eine Brigade aus der Islamistenallianz Hayat Tahrir al Scham, zu der auch Al-Qaida-Gruppen zählen. Auf der anderen die Männer des Regimes von Machthaber Baschar al Assad. In der Mitte die Schmuggler.

„Ein Normalsterblicher kann seine Waren nicht durch den Kontrollpunkt bringen, die Gegend ist eine Art Niemandsland“, berichtet ein Funktionär der oppositionellen Selbstverwaltung in Idlib. In Al Eis würden Rebellenkommandeure und das Regime im Verborgenen Geschäfte machen, bestätigt der Mann, der wegen des heiklen Themas namentlich nicht genannt werden will. „Dort werden strategisch wichtige Güter wie Treibstoff geschmuggelt“, fügt er an. Ein anderer Mann, der sich Abu Ali nennt und als wandelndes Lexikon für die syrische Schattenwelt beschrieben wird, sagt: „Zu Hochzeiten wirft der Wegzoll Hunderttausende Dollar am Tag ab.“ Die neuen Gefechte in der letzten verbliebenen Rebellenbastion und die drohende Offensive des Regimes hätten das Geschäft zwar eingeschränkt, aber nicht zum Erliegen gebracht.

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Quelle: F.A.Z.
Christoph Ehrhardt
Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.
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