Teurer Urlaub

Sarkozy lässt sich gern verwöhnen

Von Christian Schubert, Paris
 - 14:45
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Die „rupture“, den Bruch mit der Vergangenheit, hat Nicolas Sarkozy den Franzosen vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten versprochen. Das sollte auch für den Stil seiner Politik gelten. Anders als sein Vorgänger Chirac wolle er nicht zurückgezogen hinter den Mauern des Elysée-Palastes die Geschicke des Staates lenken, eingepresst in steife Protokolle und Rituale, sondern er wolle bürgernah, offen und pragmatisch regieren, versprach Sarkozy. Dabei solle er für seine Handlungen immer zur Rechenschaft gezogen werden können.

Die Ferien von Sarkozy, so sehen es viele Kommentatoren, wollen nicht recht dazu passen. Schon zum zweiten Mal in seiner noch nicht einmal hundert Tage währenden Amtszeit sorgen sie für Aufsehen, weil sie teuer waren und von reichen Managern bezahlt wurden. Dem aufgrund von politischem Druck verkürzten Yachturlaub vor Malta zwischen Wahl und Amtseinführung im Mai, den der Unternehmer Vincent Bolloré bezahlte, folgten die gerade beendeten Ferien im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire.

Gereizte Konfrontation mit den Medien

Nach tagelangem Zögern hat Sarkozy bekanntgegeben, wer die zwei Wochen Miete von 44.000 Euro für die Villa mit ihren elf Badezimmern und dem Motorboot bezahlte: Es waren die Familien Agostinelli und Cromback, verriet er der Zeitung „Le Monde“. Mathilde Agostinelli ist eine enge Freundin von Sarkozys Ehefrau Cécilia und Kommunikationsdirektorin des Modehauses Prada. Roberto Agostinelli ist ein Bankier, der sein Geld einst bei der Investmentbank Lazard verdiente, bevor er sich mit einem Partner als Berater selbständig machte. Der Welt des Luxus entstammt auch das zweite Sponsorenpaar der Sarkozys: Agnès Cromback kommt aus einer Juweliersfamilie und ist seit 1999 Frankreich-Chefin des amerikanischen Schmuckkonzerns Tiffany.

Bei so viel Glanz ist es nicht überraschend, dass die französische Klatschpresse den Urlaub aufmerksam verfolgte. Doch auch die seriöseren Blätter waren diesmal mit von der Partie, zumal ein Sarkozy nicht abschalten kann, sondern von seinem Urlaubsort aus Stellungnahmen versandte, die Familie Bush besuchte und zur Trauerfeier von Kardinal Lustiger kurz nach Paris zurückflog. Reporter und Fotografen umlagerten die Urlaubsresidenz ohne Unterlass, was einmal zu einer gereizten Konfrontation mit Sarkozy führte.

Keine Scheu vor reichen Gönnern

Die Empörung der Öffentlichkeit über eine mögliche Interessenverquickung oder gar Abhängigkeit des Präsidenten hält sich unter den Franzosen bisher jedoch in Grenzen. Nach dem maltesischen Ausflug von Sarkozy hatten bereits zwei Drittel der befragten Franzosen angegeben, darüber „nicht schockiert“ zu sein. Daher meint Sarkozy wohl auch, unbefangen mit dem Thema umgehen zu können. „Ich habe nichts zu verstecken“, sagte er über seine Ferien und ihre Sponsoren. Den Umgang mit Leuten zu pflegen, „die es durch harte Arbeit zu etwas gebracht haben“, fand er nach seinen Worten noch nie kritikwürdig.

Schon in der Vergangenheit sind die Ferien französischer Staatspräsidenten umstritten gewesen. Jacques Chirac wurde 1998 vorgehalten, dass sein Urlaub auf Mauritius in einer Suite mehr als 20.000 Franc pro Nacht gekostet habe. Danach suchte er sich weniger kontroverse Ziele, etwa die Präsidentenresidenz des Fort Brégançon an der Mittelmeerküste, die besonders sein Vorvorgänger Valéry Giscard d'Estaing geschätzt hatte. Die Nähe zu reichen Gönnern scheute bisher aber kein französischer Staatspräsident. Chirac hatte zwar allgemein ein schwieriges Verhältnis zu Wirtschaftskapitänen, doch die Ausnahme stellt der Milliardär François Pinault dar, der ihn mit Gattin Bernadette auch in diesem Sommer wieder nach Saint-Tropez einlud. Und François Mitterrand spielte gerne Golf mit den Wohlhabenden und ließ dafür auch schon mal einen ganzen Golfplatz schließen.

Wie ein gejagter Filmstar

Die aktuellen Proteste der Sozialisten gegen die Urlaubsgeschenke für die Sarkozys verhallen daher zunächst auch im Leeren. Arnaud Montebourg, der Sprecher der Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal während des Wahlkampfes, verurteilte die Einladungen der „Millionärsfreunde“ und versuchte Sarkozy daran zu erinnern, dass der Staatspräsident „über privaten Interessen zu stehen habe“. Der sozialistische Abgeordnete René Dosière, der gerne genau die staatlichen Zuweisungen an den Präsidenten ausforscht, fragte, ob Sarkozy weiterhin eine Sommerresidenz auf Kosten der Steuerzahler brauche, „wenn der Präsident immer woandershin geht“.

Anders als seine Vorgänger zeigt Sarkozy seinen Umgang mit reichen Freunden indes offener. Giscard d'Estaing etwa ließ sich noch demonstrativ als Akkordeonspieler inmitten normaler Bürger fotografieren. Sarkozy dagegen wirkt gelegentlich wie ein von Paparazzi gejagter Filmstar.

Quelle: F.A.Z., 21.08.2007, Nr. 193 / Seite 6
Christian Schubert - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent in Paris.
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