Nach Parteitagsauftrtitt

Der Druck auf May wächst

 - 12:54

Die britische Premierministerin Theresa May gerät nach ihrem misslungenen Auftritt beim Parteitag der Konservativen immer stärker unter Druck. Britische Medien spekulieren bereits über einen bevorstehenden Rücktritt. Dem „Daily Telegraph“ von Donnerstag zufolge sollen sich 30 konservative Abgeordnete bereiterklärt haben, die Regierungschefin zu einem Amtsverzicht aufzufordern. Um in der konservativen Unterhausfraktion eine Abstimmung über die Führungsrolle der Premierministerin zu erzwingen, sind die Stimmen von 48 Abgeordneten nötig.

May wurde während der Rede in Manchester am Mittwoch von einem Komiker unterbrochen, der ihr – angeblich im Namen von Außenminister Boris Johnson – ein Entlassungsschreiben überreichte. Danach kam sie nicht mehr in die Spur. Sie litt unter schweren Hustenanfällen.

Zu allem Übel fielen dann auch noch mehrere Buchstaben aus dem Parteitagsmotto hinter ihr von der Wand. Nach der Rede kämpfte sie mit den Tränen, bevor sie in die Arme ihres Mannes Philip sank.

Mays Auftritt wurde überwiegend als missglückt bewertet. Die britische Zeitung „The Guardian“ schrieb, ihr Auftritt könne von ihren Feinden als ein „Zeichen weiblicher Schwäche“ gedeutet werden. Der „Daily Telegraph“ verglich die Rede mit Todesqualen, mit einem Albtraum – schon für jene, die dabei zugeschaut hätten, aber wohl vor allem für die Premierministerin selbst.

Eigentlich wollte May mit der Rede zum Abschluss des Parteitags der Konservativen in Manchester ihre Autorität wiederherstellen. Sie gilt seit der Parlamentswahl im Juni als angezählt. Die Konservativen verloren dabei ihre Mehrheit im britischen Unterhaus, May führt inzwischen eine Minderheitsregierung an.

Die Premierministerin entschuldigte sich beim Parteitag auch für die Niederlage der Tories bei den Parlamentswahlen im Juni. Die regierenden Konservativen hatten bei den von May einberufenen Neuwahlen ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren.

Gleichzeitig forderte May die Unterstützung ihrer Partei für ihre Brexit-Politik ein. „Reißen wir uns zusammen und geben wir dem Land die Regierung, die es braucht“, sagte die Parteivorsitzende. Innerhalb der Partei herrscht Uneinigkeit darüber, wie der Austritt aus der Europäischen Union erfolgen soll. Außenminister Boris Johnson wirbt für einen harten Bruch.

Am Dienstag hatte das Europaparlament mangelnde Fortschritte bei den Austrittsverhandlungen mit London beklagt. Auch aus Frankreich war Kritik zu hören: Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte am Dienstag in einem Interview mit dem französischen Fernsehsender CNews: „Wir wollen unser Geld zurück“ – als Anspielung auf die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher, die 1980 den Satz „Ich will mein Geld zurück“ äußerte und es schaffte, die Zahlungen ihres Landes an die EU zu reduzieren.

Quelle: alri./dpa/AFP
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