Countdown als Jobbörse

Das große Stühlerücken

Von Sebastian Reuter
 - 06:55

Hand aufs Herz: Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Job? Sehr? Das wäre wünschenswert. Vielleicht streben Sie aber auch gerade eine berufliche Neuorientierung an und könnten sich einen Wechsel ins politische Berlin vorstellen? Dann ist jetzt jedenfalls die beste Zeit dafür. Zwar darf Angela Merkel ihren Beruf als Bundeskanzlerin wohl vier weitere Jahre ausüben, doch herrscht rund um das Regierungsviertel momentan auf vielen Ebenen großes Stühlerücken: Erst gestern wechselte Andrea Nahles vom Arbeitsministerium an die Spitze der SPD-Fraktion, bei der AfD versuchen sich derzeit mehr als 90 Menschen von der Position des Dauer-Wahlkämpfers in die eines echten Abgeordneten mit politischer Verantwortung zu wechseln, außerdem gibt Wolfgang Schäuble das Amt des Finanzministers auf und besetzt in der nächsten Legislaturperiode offenbar den Posten des Bundestagspräsidenten.

Na, Interesse? Dann müssen Sie schnell sein. Die Ministerposten sind zwar allesamt noch unbesetzt, aber gerade der Job im Finanzministerium ist heiß begehrt. Dass schon bald FDP-Chef Christian Lindner zum zweitwichtigsten deutschen Politiker in Europa aufsteigen wird – wenn es denn zu einer Jamaika-Koalition kommt – gilt fast schon als ausgemachte Sache wie Alexander Armbruster aus den Zwischentönen bedeutender liberaler und konservativer Politiker herausgehört hat.

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Ziemlich sicher auf verlorenem Posten steht Frauke Petry. Die bald ehemalige Parteichefin der AfD und künftige fraktionslose Bundestagsabgeordnete hat sich zwar im Internet die Rechte für die Internetseite dieblauen.de sowie die dazugehörigen Social-Media-Accounts gesichert – was sie damit vorhat, verschweigt sie vorerst aber. Dass Petry mit ihrem AfD-Austritt und dem inszenierten Eklat am Tag nach der Wahl allerdings ein doppeltes Spiel spielt, hat mein Kollege Stefan Tomik analysiert.

Wer sonst noch wichtige Jobs hat

Unbestritten einen der wichtigsten und mächtigsten Job der Welt hat immer noch Donald Trump. Seit nunmehr einem Dreivierteljahr regiert der Mann zwischen Twitter-Tiraden gegen den Staatschef Nordkoreas und Hassreden auf bei der amerikanischen Hymne streikende Sportler weiterhin mehr schlecht als recht die Vereinigten Staaten. Am Dienstag und Mittwoch musste Trump binnen 24 Stunden gleich drei empfindliche Niederlagen einstecken: Die Abschaffung von „Obamacare“ ist gescheitert, bei den republikanischen Vorwahlen zur Senatswahl in Alabama erlebte der von ihm favorisierte Kandidat ein Debakel, und dann kündigte der Senator von Tennessee auch noch seinen baldigen Rückzug an. All das wird es dem Präsidenten künftig nicht leichter machen, seine vor seinem Amtsantritt hochgesteckten Ziele zu erreichen. Ein Tag zum Abhaken also? Trump wäre nicht Trump, wenn er nicht auch von dieser Pleitenserie mit noch größeren Plänen ablenken würde. Diesmal verkündete er vollmundig die Ziele seiner groß angelegten Steuerreform. Bei der sind zwar auch noch viele Fragen offen – ein Jobwechsel steht aber derzeit nicht in Aussicht.

Schwer schuften muss derzeit auch Peter Stöger. Als Trainer des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga empfängt der Österreicher mit dem 1. FC Köln heute Abend um 19 Uhr im Gruppenspiel der Europa League Roter Stern Belgrad. Eine weitere Pleite könnte Stögers Stuhl langsam etwas stärker wackeln lassen.

Ein Job mit Knalleffekt

Das alles ist wirklich nichts für Sie? Dann empfehle ich Ihnen abschließend noch das Interview, das mein Kollege David Klaubert mit dem Kolumbianer Miguel Caballero über dessen Beruf geführt hat. Der Unternehmer produziert schusssichere Kleidung – und stellt zu Werbezwecken Videos von sich ins Netz, auf denen er auf Menschen schießt, die seine Anzüge oder Jacken tragen. Wie es dazu kam, dass Barack Obama bei seiner Amtseinführung vor achteinhalb Jahren einen von Caballeros Anzügen trug, warum der Unternehmer auch eine Kinderkollektion und welche Summe seine Versicherung bei einem Todesfall zahlen müsste, können Sie hier nachlesen.

Aber, vielleicht haben Sie Ihren Traumjob ja auch schon gefunden? Ich wünsche es Ihnen!

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Redakteur vom Dienst.
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