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Umbenennung von Kasernen

„Geht nicht darum, alle Erinnerungsstücke wegzuräumen“

 - 14:22

Beim Traditionswechsel in der Bundeswehr hat der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, Augenmaß angemahnt. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der SPD-Politiker: „Es geht nicht darum, alle Erinnerungsstücke an frühere Zeiten und ganze Sammlungen wegzuräumen.“ Es sei wichtiger, historische Gegenstände einzuordnen und für das Lernen zu nutzen, ohne sich in dessen geistige Tradition zu stellen.

Auch die Umbenennung von Kasernen muss nach Ansicht des Wehrbeauftragten maßvoll vorgenommen werden. Bartels hält es für richtig, dass die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im nordrhein-westfälischen Augustdorf ihren Name behalten soll. Der SPD-Politiker sagte: „Es gibt immer Grenzfälle, wo die historische Forschung nicht absolut eindeutig ist.“ Der Wehrmachtsoffizier Rommel, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem Einsatz in Afrika einen Namen als „Wüstenfuchs“ machte, habe wohl auch eine Rolle im Widerstand gehabt. „Die deutsche Geschichte ist voller Menschen mit gebrochenen Biographien“, sagte Bartels. Das gelte etwa auch für NVA-Soldaten, die in die Bundeswehr eingetreten seien.

„Diese Rolle sollten moderne Helden einnehmen“

Grundsätzlich begrüßte Bartels den Traditionserlass. „Er macht klar, dass Wehrmachts-Feldherren des Zweiten Weltkrieges wie Dietl oder Konrad keine Vorbilder und Namensgeber mehr sein dürfen. Diese Rolle sollten moderne Helden einnehmen, zum Beispiel auch Soldaten, die besondere Tapferkeit in Afghanistan gezeigt haben.“ Vorbilder gebe es genug: „Der letzte Traditionserlass ist von 1982. Seitdem ist so viel passiert.“ Bartels geht davon aus, dass „allenfalls eine Handvoll Kasernen“ noch Diskussionen um eine mögliche Umbenennung führen: „Es geht nur noch um fünf bis sechs Namen.“ Dazu zählt das Verteidigungsministerium etwa die Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme), die nach dem von der Wehrmacht gefeierten Weltkriegsflieger Helmut Lent benannt wurde, oder die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst, die nach dem Panzerjäger Diedrich Lilienthal benannt ist.

Über eine Umbenennung der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover war bereits vor sechs Jahren diskutiert worden. Erst nach dem Skandal um den rechtsextremen Soldaten Franco A. im vergangenen Jahr und der Diskussion über das Traditionsverständnis der Bundeswehr kommt es nun aber am Mittwoch zum Namenswechsel. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) benannte die Kaserne am Mittwoch nach einem in Hannover stationierten und in Afghanistan gestorbenen Feldjäger in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne um. Damit trägt eine Kaserne erstmals den Namen eines im Auslandseinsatz getöteten Bundeswehrsoldaten.

Zuvor hat die Ministerin den neuen Traditionserlass der Bundeswehr in Hannover unterzeichnet. Er enthält Richtlinien für den Umgang der Bundeswehr mit Traditionen und der Wehrmacht. Er gibt vor, dass die Soldaten bei der Suche nach Vorbildern den Blick künftig vor allem auf die eigene, mehr als 60 Jahre lange Geschichte richten sollen.

Der alte Traditionserlass stammt von 1982. In dem Zeitraum habe sich die Bundeswehr „in Gänze gehäutet“ und personell völlig erneuert, sagte Generalinspekteur Volker Wieker in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover. Es sei höchste Zeit gewesen, die Richtlinien neu zu fassen. Die Ereignisse des vergangenen Jahres seien ein „wesentlicher Augenöffner für uns alle“ gewesen.

„Lagenstein steht für die Bundeswehr von heute“, sagte von der Leyen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Es werde ein geachteter und hoch professioneller Soldat geehrt. „Er kannte die Gefahr seines Berufes und er hat sich mit seinem Leben für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Werte eingesetzt. Das ist ein Vorbild für unsere jungen Soldaten.“

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Ursula von der LeyenBundeswehr wird im Irak weiter gebraucht

Tobias Lagenstein – ein gefallener Feldjäger wird Namensgeber

Der 28. Mai 2011 hat sich als trauriger Tag in das kollektive Gedächtnis der Bundeswehr gebrannt. Die Truppe steckt noch mitten im Kampfeinsatz in Afghanistan gegen die Taliban. Der damalige Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Markus Kneip, bricht an jenem Tag zum Gouverneurspalast der Provinzhauptstadt Talokan auf, um politische Gespräche zu führen. Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein soll für seine Sicherheit sorgen. Der 31 Jahre alte Personenschützer kommt bei dem Job ums Leben.

Als die deutschen Soldaten das Gouverneursbüro verlassen, geht um 16.40 Uhr ein Sprengsatz durch Fernzündung in die Luft. Kneip wird schwer verwundet. Lagenstein und ein weiterer deutscher Soldat, Major Thomas Tholi, sterben. Später schreibt Kneip, er habe „jeden Tag mit diesen wunderbaren Menschen“ zusammengearbeitet.

Es war nicht der erste Einsatz für Lagenstein. Mehr als 500 Tage verbrachte er in Auslandseinsätzen – am Hindukusch, aber auch auf dem Balkan. Lagenstein habe den Einsatz als Maßstab für sein Können gesehen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. „Der Einsatz war für ihn Kerninhalt seines Berufs.“

Lagenstein kommt aus dem niedersächsischen Wildeshausen. Er war als Fußballer aktiv, spielte beim VfL Wildeshausen. Sein Facebook-Profil ist heute noch aktiv. Im Profilbild weht eine Deutschlandflagge.

Nun wird eine Kaserne seinen Namen tragen. Die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, wo Lagenstein zum Feldjäger ausgebildet wurde, heißt künftig Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. Es ist das erste Mal, dass ein in einem Auslandseinsatz gefallener Bundeswehrsoldat Namensgeber einer Kaserne wird. Die Soldaten der Kaserne hatten dafür gestimmt. (dpa)

Quelle: dpa
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