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Frankfurter Zeitung 05.10.1917

„Angriffe auf das Heimatgebiet“ - Bomben auf Deutschland

Zeitgenössische Zeichnung von L.A. Shafer: Französische Flugzeuge greifen einen deutschen Flugplatz an. Alliierte Bomber nehmen im Oktober 1917 Kurs auf deutsche Großstädte. Bild: Picture-Alliance, sösi.

Berlin, 4. Oktbr. (W.B. Amtlich.)

In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober haben feindliche Flieger in zahlreichen Flügen Angriffe auf das deutsche Heimatgebiet versucht. Ein feindliches Flugzeug kam bis in die Gegend von Stuttgart und warf über Feuerbach 6 Bomben ab, die geringen Sachschaden, aber keine Verluste verursachten. Die offene Stadt Frankfurt a. M. wurde von etwa 10 Fliegern angegriffen, die aus südlicher und westlicher Richtung anflogen.

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Die meisten der abgeworfenen Bomben fielen wirkungslos außerhalb der Stadt nieder. Im Stadtbereich wurden bisher 13 Einschlagstellen gezählt. Die Bomben fielen meistens auf Straßen und offene Plätze. Der angerichtete Sachschaden ist gering. 5 Personen wurden leicht verletzt. Tote sind nicht zu beklagen. Das lothringische Industriegebiet wurde von zahlreichen Angreifern heimsucht, die jedoch wie gewöhnlich dank unseren gut durchgebildeten Abwehrmaßregeln nur wenig Erfolg hatten.

Bis in die Gegend von Dortmund vorzudringen, gelang wiederum nur einem feindlichen Flieger. Er warf dort auf die Bahnstrecke Dorstfeld-Dortmund-Süd 6 Bomben ab, die den Bahnkörper beschädigten. Bei diesem Angriff wurde eine Person getötet. Zeigt der Angriff auf das westfälische Industriegebiet erneut, welchen Wert die Gegner auf die Vernichtung dieses Hauptsitzes unserer wirtschaftlichen Stärke legen, so zeigt er andererseits, daß der Heimat das von unserem Heer gehaltene feindliche Gebiet auch gegen Luftangriffe Schutz und Bollwerk ist.

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Berlin, 4. Oktbr. (W.B. Amtlich.)

Eines der feindlichen Flugzeuge, die in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober Frankfurt a. M. angegriffen haben, wurde auf dem Rückfluge durch unsere Abwehrmaßnahmen zur Landung gezwungen. Der Insasse war ein Marchéchal des Logis. Das Flugzeug ist in der Sopwith-Einsitzer No. 128 mit einem 130 PS Clerget-Umlauf-Motor.

Berlin, 4. Oktbr. (W.B. Amtlich.)

Die Angriffe einzelner feindlicher Flieger in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober richteten sich auch gegen Rastatt, Baden-Baden und Tübingen. Auf die beiden ersten Orte fielen drei Bomben. Sie richteten glücklicherweise nirgends Unheil an; nur in Tübingen entstand durch zerbrochene Fensterscheiben einiger Sachschaden. Welchen Zweck die Franzosen mit diesen Angriffen auf offene Städte verfolgen, ist nicht ersichtlich. In Rastatt befinden sich keine militärischen Ziele. Die Angriffe auf Baden-Baden und Tübingen können vollends nur als Ausflüsse roher Zerstörungssucht betrachtet werden. Die Heilstätten des Kurortes Baden-Baden und die Kliniken der Universität Tübingen sind belegt mit zahlreichen Schwerverwundeten, die dort von ihren Leiden Erholung suchen. Daß die Angriffe auf weit hinter der Front befindliche Lazarette eine militärische Notwendigkeit sind, dürfen auch die Franzosen nicht behaupten. Durch dergleichen Rohheit kann der Wille zum Durchhalten im deutschen Volke nur bestärkt werden.

Berlin, 4. Oktbr. (W.B.)

Der Funkspruch Paris vom 1. Oktober 4 Uhr nachmittags meldet: als Vergeltung für die deutschen Fliegerangriffe auf die offene Stadt Bar-le-Duc warfen zwei französische Flugzeuge in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober auf die befestigte Stadt Stuttgart Bomben ab. Dieser Satz stellt in seinen beiden eindeutigen Punkten die Wahrheit auf den Kopf. Erstens ist Bar-le-Duc ein berechtigtes Ziel militärischer Angriffe, da es Truppen in Ruhe als Unterkunftsort dient und eine Hauptetappe für die französische Armee darstellt. Zweitens ist Stuttgart keine befestigte, sondern eine offene Stadt ohne jede militärische Bedeutung. Der Fliegerangriff gegen Stuttgart kann also nichts anderes als die Schädigung friedlicher Bürger und bürgerlichen Eigentums bezwecken.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 6. Oktober 2017.

Quelle: sösi.
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