Leo Trotzki leitete die russische Delegation während der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. Foto: picture alliance / akg-images

Von Brest-Litowsk zum Generalplan Ost?

Von CHRISTOPH STRAUCH
Leo Trotzki leitete die russische Delegation während der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk. Foto: picture alliance / akg-images

03.03.2018 · Die deutsche Ostexpansion im Ersten Weltkrieg sehen manche Historiker als Ouvertüre für die nationalsozialistische Vernichtungspolitik. Was spricht für eine Kontinuität, was dagegen?

A ls Russland vor genau hundert Jahren aus dem Ersten Weltkrieg austrat, ließ es sich den lang ersehnten Frieden teuer zu stehen kommen. Im Friedensvertrag von Brest-Litowsk, den seine Vertreter mit denen der Mittelmächte unter deutscher Führung am 3. März 1918 in der heute weißrussischen Stadt unterzeichneten, musste das geschlagene Russland auf große Teile seines europäischen Territoriums verzichten: Russisch-Polen, Litauen und Kurland – der Süden des heutigen Lettlands – sollten abgetreten werden; Finnland, Estland und Livland – den Nordteil des heutigen Lettlands und das südliche Estland – mussten russische Truppen und Rotgardisten zunächst räumen. Die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine, die sich als Ukrainische Volksrepublik schon im Januar vom revolutionären Russland losgesagt hatte, mussten die Bolschewiki ebenfalls zähneknirschend anerkennen.

Ostfront nach dem Waffenstillstand von Brest-Litowsk, 15. Dezember 1917 Karte: picture alliance

Deutschland dagegen, das vom Entstehen der mit ihm verbündeten Satellitenstaaten an der neuen Westgrenze Russlands profitierte, fuhr die Dividende für seine Investitionen in Revolutionsexport ein. Schließlich war es Wladimir Lenin, der am 24. Februar im Zentralkomitee der Kommunistischen Partei die Zustimmung der Seinen für eine Kapitulation und die Annahme der deutschen Forderungen errungen hatte – aus Furcht, dass „unsere Regierung hinweggefegt“ werde, wenn sie sich nicht auf den „zweifellos schmachvollen Frieden“ einlasse.

Vorausgegangen war diesem Unterwerfungsfrieden ein beispielloser militärischer Vormarsch der Mittelmächte. Die hatten am 19. Februar eine neue Großoffensive gestartet, innerhalb von zwei Wochen große Teile der Ukraine, Weißrusslands sowie des Baltikums besetzt und die Frontlinie um bis zu 500 Kilometer nach Osten verschoben. Auch nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags ließ die militärische Führung weiter gen Osten marschieren. Deutsche Truppen besetzten nun die Krim und rückten im Kaukasus vor. In den Zusatzverträgen von Brest-Litowsk vom 27. August 1918 wurde nun auch die Unabhängigkeit Georgiens anerkannt, das fortan ebenso unter deutschem Einfluss stand wie die übrigen neu entstandenen Satellitenstaaten. Zudem sollte Deutschland an den Ölquellen von Baku beteiligt werden, die aber bei Russland verblieben.

Deutsches Militär-Konzert am Treffpunkt zwischen den deutschen und russischen Stellungen 1917. Foto: Picture-Alliance
Zerstörte Brücke von Brest-Litowsk Foto: Picture-Alliance

Die deutsche Eroberungslust, wie sie 1918 im Osten zum Ausdruck kam, beflügelt immer wieder die Phantasie für gewagte Vergleiche. Hartnäckig hält sich etwa das Argument, Brest-Litowsk habe als Vorbild für den späteren Ostfeldzug der Nationalsozialisten gedient und so quasi den Grundstein gelegt für das rassistisch motivierte Vernichtungsprojekt, dem Millionen polnischer, tschechoslowakischer oder sowjetischer Bürger zum Opfer fielen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die Nationalsozialisten zur Legitimierung ihrer Ostpolitik auf viel ältere historische Vorbilder zurückgriffen und diese entweder verzerrten oder in beispielloser Form radikalisierten.

Schon am 15. Dezember 1917 unterzeichneten die Mittelmächte und Russland einen Waffenstillstandsvertrag. Danach begannen die Verhandlungen über einen Friedensvertrag. Foto: Picture Alliance

P hantasien eines deutschen Ostens jedenfalls werden nicht erst in Brest-Litowsk geboren. Sie betören die Köpfe nationaler und nationalistischer Denker schon im frühen 19. Jahrhundert: „Was ist des Deutschen Vaterland?“, fragt der Schriftsteller Ernst Moritz Arndt 1813 kurz vor der Völkerschlacht bei Leipzig und liefert die Antwort gleich mit: „So weit die deutsche Zunge klingt“, schreibt der Greifswalder, „Das ganze Deutschland soll es sein!“ Für Arndt klingt die deutsche Zunge „von der Nordsee bis zu den Karpaten“ und „von der Weichsel bis zur Schelde“.

Eine Rolle spielt auch die in dieser Zeit aufkommende Romantik mit ihrer Begeisterung für die Vergangenheit, das Alte, „Authentische“ und Traditionelle. Vor allem die hochmittelalterliche „Ostsiedlung“, in deren Folge deutschsprachige Siedler die slawisch bewohnten Randgebiete des Heiligen Römischen Reiches kolonisieren, hat es den nationalen Vordenkern unter den Romantikern angetan. Auch das Wirken des Deutschritterordens, der im 13. Jahrhundert bis zum Peipussee an der Ostgrenze des heutigen Estland ausgreift, interpretieren viele von ihnen unter deutschnationalen Vorzeichen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind es historisierende Publizisten wie Heinrich von Treitschke, die den Deutschritterorden als Vorbild für imperialistische Forderungen verherrlichen. In einem Essay über „Das deutsche Ordensland Preußen“ bezeichnet Treitschke den Ordensstaat als „deutsches Bollwerk“ im slawischen Osten und preist dessen „schonungslose Rassenkämpfe“ gegen die Slawen.

Die Karte zeigt die maximale Ausdehnung des Deutschen Ordens im Mittelalter. Karte: Wikimedia / Die deutsche Nord-und Ostseeherrschaft im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts. Aus: Putzgers historischer Weltaltlas 1901

1894 wird in Posen der „Verein zur Förderung des Deutschtums in den Ostmarken“ gegründet – später besser bekannt unter dem weniger sperrigen Namen „Deutscher Ostmarkenverein“. Kernforderung der Organisation, die von Bismarck und dem Industriellen Alfred Krupp unterstützt und von preußischen Großgrundbesitzern getragen wird, ist die konsequente Germanisierung der deutschen Ostgebiete, wo Polen die Bevölkerungsmehrheit stellen. Der polnische Einfluss soll durch Siedlungspolitik und die wirtschaftliche Förderung des „Deutschtums“ vor Ort zurückgedrängt werden. „Ziel des Vereins ist die Kräftigung des Deutschtums in den Ostmarken durch Hebung und Befestigung deutschnationalen Empfindens“, heißt es in Artikel 1 des Ostmarkenvereins.

Am radikalsten formuliert der 1891 gegründete „Alldeutsche Verband“ das Ziel vom „Drang nach dem Osten“. Wie kaum eine andere Organisation verbindet der Verband nationalistische mit imperialistischen Zielsetzungen. „Gedenke, dass du ein Deutscher bist!“, lautet das Motto in seiner Kampfschrift, den „Alldeutschen Blättern“. Es richtet sich an Volksdeutsche, die nach Übersee ausgewandert sind oder als Minderheit in Mittel- und Osteuropa leben. Geht es nach dem Vorsitzenden der Alldeutschen, Heinrich Claß, so sollen nicht nur große Gebiete im Osten annektiert werden – auch deren Bevölkerung ist zu vertreiben und durch deutsche Siedler zu ersetzen. Als „völkische Flurbereinigung“ bezeichnet Claß dies 1914 in einer Kriegszieldenkschrift.

Nicht zuletzt sind es einflussreiche Wirtschaftskreise, vor allem aus dem Bereich der Schwerindustrie, die auf Erdölquellen und Erzvorkommen im Kaukasus schielen und davon träumen, Persien auf dem Landweg zu erreichen. Ihre utopischen Wünsche werden im Sommer 1918 für kurze Zeit Realität – bis der Versailler Vertrag die Bestimmungen von Brest-Litowsk zunichte macht.

T atsächlich endete der Traum eines deutschen Ostimperiums damit aber nicht. „Die Erfahrung des Ausgreifens in den weiten Raum beeinflusste auch nach dem Krieg das Denken über Geopolitik“, sagt etwa der Historiker Vejas Liulevicius von der University of Tennessee. In seinem Werk „Kriegsland im Osten“ hat Liulevicius untersucht, wie die militärischen Erfolge des Jahres 1918 den deutschen Blick auf die besetzten Gebiete und ihre Bewohner geprägt haben und die Entstehung weiterer Eroberungs- und Siedlungspläne begünstigten.

Deutsche Truppen 1918 in der Ukraine Video: Critical Past

„Eine wichtige Folge war, dass Staatsgrenzen nicht länger als dauerhaft und festgelegt galten, sondern als verhandelbar und in konstantem Wandel begriffen“, sagt Liulevicius. Lange Zeit habe es in Osteuropa kaum Grenzveränderungen gegeben, und plötzlich rückten deutsche Truppen nahezu ohne Gegenwehr Hunderte von Kilometern vor. „Das hatte besonders für die zwei bis drei Millionen Soldaten, die an der Ostfront im Einsatz waren, psychologische Auswirkungen.“ Eine Äußerung aus einem Schreiben des deutschen Generals Max Hoffmann, der auch in Brest-Litowsk die Fäden zog, demonstriert das: „Es ist der komischste Krieg, den ich je erlebt habe“, wundert sich der General darin. „Man setzt eine Handvoll Infanteristen mit Maschinengewehren und einer Kanone auf die Bahn und fährt los bis zur nächsten Station, nimmt sie, verhaftet die Bolschewiken und zieht mit der Bahn Truppen nach.“

In der Zwischenkriegszeit trug der gewandelte Blick auf Staatsgrenzen laut Liulevicius zur breiten Akzeptanz revisionistischer Forderungen bei. Deutsche Nationalisten und selbst demokratische Politiker hätten etwa in Polen einen „Saisonstaat“ gesehen, die deutsche Ostgrenze als nicht festgelegt. Ebenso wichtig aber sei gewesen, dass sich Gefühle einer deutschen Überlegenheit gegenüber der Bevölkerung in den besetzten Gebieten verstärkten, die schon zuvor existierten. In einer Denkschrift der Obersten Heeresleitung (OHL) über das seit 1915 unter deutscher Militärverwaltung stehende Gebiet des Oberbefehlshabers Ost („Ober Ost“) vom 26. März 1917 heißt es zur dortigen Bevölkerung: „Im Sinne westeuropäischer Anschauungen ist der allgemeine Kulturzustand aller Völker sehr niedrig“ – ihre Führer seien zudem „politisch naive“ und „nicht zu realpolitischem Denken erzogene Kinder.“

Die Botschaft war klar: Das betreffende Gebiet, bestehend aus Kurland, Litauen und Teilen Weißrusslands, sollte durch deutschen Zuzug und eine harte Hand gegenüber der lokalen Bevölkerung „geordnet“ werden. Erich Ludendorff, der neben Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg seit August 1916 die OHL führte, sah das Gebiet Ober Ost zudem als „Zuchtstätte“ für Elitekämpfer, die in künftigen Kriegen im Osten für Deutschland zum Einsatz kommen sollten.

Kaiser Wilhelm II. (Mitte) in einer Lagebesprechung 1917 mit Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (links) General Erich Ludendorff F.A.Z./Scherl

Es ist dieses Denken, das manchen Historiker eine direkte Linie von den Ereignissen im Jahr 1918 zu den späteren Expansionsphantasien der Nationalsozialisten ziehen lässt. Doch welche Argumente sprechen noch für die These einer Kontinuität zwischen 1918 und 1941? Und welche lassen sich dagegen heranziehen? Dafür spricht, dass sich im NS-Wortschatz Begriffe tummelten, die schon das Kaiserreich überdauert hatten. 1897 war erstmals das Schlagwort vom „Lebensraum“ aufgetaucht: Der Geograph Friedrich Ratzel, für den der Staat einem biologischen Organismus glich, hatte es in seinen Werken verwendet, um in Anlehnung an sozialdarwinistische Theorien das Ringen zwischen den Großmächten zu erklären. Ihm folgte Karl Haushofer, der in seiner Konzeption von Geopolitik ebenfalls das Expansionsstreben von Staaten wissenschaftlich zu legitimieren versuchte. Hitler knüpfte daran an: 1924 übernahm er in seiner Schrift „Mein Kampf“ den „Lebensraum“-Begriff und verknüpfte ihn mit seinem rassistischen Programm einer Unterwerfung der slawischen Völker.

Auch Verbände, die im Ersten Weltkrieg für exzessive Ostexpansion getrommelt hatten, blieben in der Zwischenkriegszeit aktiv und wurden später von den Nationalsozialisten aufgesogen: Mit Alfred Hugenberg initiierte 1931 ein Gründungsmitglied der Alldeutschen die „Harzburger Front“ zwischen deutschnationalen Gruppierungen und der NSDAP. Der Alldeutsche Verband selbst wurde 1939 von Reinhard Heydrich aufgelöst, seine Forderungen waren von den Nazis längst übernommen worden. Der Deutsche Ostmarkenverein ging im 1933 gegründeten „Bund Deutscher Osten“ auf, der wiederum sechs Jahre später der „Volksdeutschen Mittelstelle“ unterstellt wurde.

Alfred Hugenberg (Dritter von rechts) suchte als Vorsitzender der rechtsnationalen Partei DNVP in Bad Harzburg das Bündnis mit Hitlers Partei NSDAP. Foto: Picture-Alliance

Nicht zuletzt knüpften die Nationalsozialisten auch an die gleichen historischen Vorbilder an wie deutsche Imperialisten im Ersten Weltkrieg: „Wir Nationalsozialisten setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete“, schreibt Hitler 1924 in „Mein Kampf“ mit Bezug auf den Deutschritterorden und die mittelalterliche Ostsiedlung. „Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten.“ Führende Nationalsozialisten wie Heinrich Himmler verherrlichten das Mittelalter, deuteten die aus rein wirtschaftlichen Erwägungen heraus gegründete Deutsche Ostsiedlung als rassisch motivierten Masterplan und die christlichen Ordensritter, die aus religiösen Motiven handelten, als Proto-Nationalsozialisten.

Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Foto: DPA

Weltkriegsexperte Liulevicius warnt aber davor, die deutsche Ostpolitik im Ersten Weltkrieg mit der im Zweiten Weltkrieg gleichzusetzen. Zwar trage auch die militärische Okkupation durch die OHL im Ober-Ost-Gebiet harte und ausbeuterische Züge. „Sie hat aber eine ganz andere Qualität als der Genozid, den die Nationalsozialisten verübten.“ Im Ersten Weltkrieg habe es durchaus ernsthafte Überlegungen gegeben, die nichtrussischen Völker als Verbündete zu gewinnen und deren Unabhängigkeit zu respektieren. Die deutsche Führung habe zudem „erstaunlich viel Energie darauf verwendet“, die vermeintlich primitiven Ostvölker zu kultivieren und zivilisatorisch zu erziehen, sagt der Historiker. Als Beispiel nennt er die Eröffnung der Universität Dorpat in Estland noch im September 1918. Die Nazis aber hätten mit all dem nichts zu tun haben wollen: „Ihr Ziel war allein die ethnische Säuberung und Neubesiedlung der von ihnen besetzten Gebiete.“

Einen Eindruck vom Ausmaß dieser Säuberungspolitik gibt eine Reihe von Dokumenten, die als „Generalplan Ost“ die Vorstellungen Himmlers zur Neuordnung des Ostens zusammenfassten. In einem von ihnen werden 45 Millionen Menschen als „rassisch unerwünscht“ definiert, von denen die große Mehrheit – 31 Millionen – hinter den Ural deportiert oder ermordet werden sollte, während die restlichen 14 Millionen für Sklavenarbeit vorgesehen waren. Die Pläne betrafen die komplette jüdische Bevölkerung, die große Mehrheit der Russen, Weißrussen, Polen, Ukrainer und Litauer sowie jeweils die Hälfte der Letten, Esten und Tschechen.

Auch in ihrem Planungsgrad unterschied sich die NS-Ostexpansion von jener der Mittelmächte. Während es 1914 von Seiten der deutschen Führung kaum konkrete Pläne für den Osten gab und der Fokus zunächst auf Frankreich lag, hatten die Nazis von vornherein radikale Ziele hierfür definiert. Für Walther Darré, seit 1933 Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, stand schon 1936 fest: „Der natürliche Siedlungsraum des Deutschen Volkes ist das Gebiet östlich unserer Reichsgrenze bis zum Ural“. Im Ersten Weltkrieg dagegen seien die Pläne für die deutsch besetzten Ostgebiete in stetem Fluss gewesen, sagt Vejas Liulevicius: „Manchmal war die Rede von unabhängigen Pufferstaaten, manchmal von direkten Annexionen.“

Hitlers Vernichtungskrieg Video: ZDF

Die Kriegszieldebatte im Kaiserreich sieht er im Kontext des innenpolitischen Ringens zwischen zwei Lagern: der expansiven Hardlinern der OHL um Hindenburg sowie Ludendorff auf der einen Seite und dem Reichstag, dessen Mehrheit gegen maßlose Annexionen war, auf der anderen. Unter anderem zeigte sich diese Konkurrenz darin, dass neben dem Ober-Ost-Gebiet unter militärischer Verwaltung auch ein polnischer Verwaltungsbezirk eingerichtet worden war, der zivil verwaltet wurde. „Das Ober-Ost-Gebiet war als militärische Kolonie gedacht, in die der Reichstag nicht reinzureden hatte“, sagt Liulevicius – „eine Art Musterbeispiel dafür, wie ein späteres, nicht demokratisches Regime aussehen könnte.“ Als Hindenburg und Ludendorff an der Spitze der OHL so mächtig geworden waren, dass sie teils mit quasi-diktatorischen Vollmachten herrschten, uferten demnach auch die Expansionspläne im Osten vollends aus.

Brest-Litowsk war für den deutschen Imperialismus eine Sternstunde, die nur kurz währte. Die Nationalsozialisten radikalisierten die Ziele ihrer Vorgänger um ein Vielfaches und scheiterten ebenso radikal. Als Deutschland am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulierte, war seine Niederlage so umfassend, dass die Frage „Was ist des Deutschen Vaterland“ für viele Jahre nicht mehr Deutschland selbst zu entscheiden hatte.

Quelle: F.A.Z.