Frankfurter Zeitung 07.06.1918

Tauchboote versenken Schiffe vor der amerikanischen Küste

 - 18:31

Bisher 15 Schiffe versenkt.

t Haag, 6. Juni. (Priv.-Tel.) Die Zahl der seit dem 25. Mai an der Nordostküste Amerikas torpedierten Schiffe wird auf 15 geschätzt. Die „Carolina“, das größte Darmpfschiff der Portorico-Linie, wurde 125 Meilen südwestlich von Sandy Hook angegriffen. Das Schiff gab am 2. Juni abends ein drahtloses Telegramm auf. Ein zweites drahtloses Telegramm berichtete, daß das Schiff mit Granaten beschossen wurde und daß 120 Reisende in die Boote gingen. Die „Carolina“ hatte 220 Reisende an Bord, die Besatzung zählte 120 Mann. 58 Mann werden vermißt, von denen 16 durch Umschlagen eines Bootes ertranken. Der Rest ging an Land.

Der Kommandant des Schoners „Cole“ meldet, daß das Schiff am 2. Juni von einem 200 Fuß langen Unterseeboot angegriffen wurde, das zwei große und eine kleine Kanonen an Bord hatte. Die Bemannung der „Cole“ wurde von einem amerikanischen Hilfskreuzer gerettet, der ebenfalls von den deutschen Unterseebooten verfolgt wurde, dem es jedoch gelang, einen Hafen zu erreichen. Das Dampfschiff „Texel“ mit einer Fracht von Portorico nach New York wurde am Sonntag torpediert. Das Unterseeboot gab zwei Schüsse ab; hierauf gab der Kommandant des Unterseebootes den Befehl, das Schiff zu verlassen, das mit einer Bombe in die Luft gesprengt wurde. Die Mannschaft wurde ihrem Schicksal überlassen. Sie wurde jedoch von einem Küstenwachschiff aufgefischt und in Atlantic City an Land gebracht. Die Beamten des Marineministeriums glauben, daß die Unterseeboote gegenwärtig nach ihrer Basis zurückkehren. Schätzungsweise werden noch etwa 350 Personen vermißt.

Sofort nach Bekanntgabe des Angriffes wurden Wasserflugzeuge und Unterseebootsjäger sowie zahlreiche andere Streitkräfte längs der ganzen Küste ausgeschickt. Die Beamten des Marineamts erklären, daß Amerika gerüstet sei, jeden feindlichen Angriff in den Küstengewässern, von wo aus amerikanische Truppen nach Frankreich verschifft werden, zu verhindern.

Reuter meldet weiter aus New York: Die Washingtoner Zeitungskorrespondenten berichten, in Marinekreisen glaube man, daß die Anwesenheit der deutschen Unterseeboote drauf hinausgehe, die amerikanischen Marinestreitkräfte zur Rückkehr aus den ausländischen Gewässern zu zwingen. Deutschland würde jedoch hierin eine Enttäuschung erleben.

Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 11. Juni 2018.

Quelle: angr.
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