Erdogans Drohungen

Schneise der Verwüstung

Von Berthold Kohler
©

Die Provokationen und Verunglimpfungen, mit denen das Erdogan-Regime bislang enge Verbündete in der Nato überzog, haben nun auch deren Generalsekretär auf den Plan gerufen. Stoltenberg empfiehlt allen, sich auf das zu „konzentrieren, was uns verbindet“. Um da noch etwas zu finden, muss man sich in der Tat schon sehr konzentrieren. Erdogan opfert seinem Ziel, mittels des Referendums im April die Macht zu ergreifen, alles: Demokratie, Menschenrechte, Gewaltenteilung.

Auch durch die Außenbeziehungen tobt er wie ein Tornado und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Den Schaden, den die Türkei dabei selbst nimmt, werden viele Türken in ihrem nationalistischen Rausch vermutlich erst dann erkennen, wenn die Touristen und die Investitionen ausbleiben. Kann es sein, dass auch der rasende Erdogan nicht weiß, was er anrichtet? Es steht zu befürchten, dass er es genau weiß. Die Nato muss sich daher Gedanken machen, wie lange sie sich noch auf diesen Verbündeten an ihrer mehrfach gefährdeten Südostflanke verlassen kann, der eine Brücke zum Westen nach der anderen abbricht.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Themen zu diesem Beitrag:
Nato | Tornado