FAZ.NET-Countdown

Eintracht, nicht nur in Korea

Von Carsten Knop
 - 06:31

Wie war Ihr erster Arbeitstag im neuen Jahr? Gewiss, viele haben schon eine ganze Arbeitswoche hinter sich. Aber so richtig geht das Arbeitsleben ja doch erst nach dem Besuch der Heiligen Drei Könige los. Das gilt für die Vertreter Süd- und Nordkoreas, die an diesem Dienstag zum ersten Mal seit zwei Jahren zu einem offiziellen Gespräch zusammenkommen, ebenso wie für die seit Sonntag in bemerkenswerter Verschwiegenheit verhandelnden deutschen Politiker von CDU/CSU und SPD, aber eben auch für viele Menschen wie Sie und mich.

Und wissen Sie was? Es ist sehr erfreulich, mit der Arbeit in einem Jahr beginnen zu dürfen, das richtig gut angefangen hat: Es hört auf zu regnen, die Pegelstände der deutschen Flüsse fallen, der Wirtschaft geht es weiterhin blendend, was sich entsprechend auf dem Arbeitsmarkt und an der Börse widerspiegelt. Und ja, selbst Nord- und Südkorea reden wieder miteinander.

Im Grenzort Panmunjom, an dem sich mehr als 60 Jahre nach dem Korea-Krieg Soldaten beider Staaten ohne Friedensvertrag direkt gegenüberstehen, haben beide Länder die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen ausgehandelt. Diese beginnen am 9. Februar im südkoreanischen Pyeongchang. Nordkoreas Herrscher Kim Jong-un hat das Interesse seines Landes an den Spielen signalisiert. Das ist eine gute Nachricht, finden sowohl Peter Sturm, der Asien-Fachmann aus der politischen Redaktion der F.A.Z., als auch Patrick Welter, der Korea von seinem Korrespondentenplatz in Tokio aus für die Zeitung im Blick behält. Welter hat im heutigen Blatt gleich zwei sehr lesenswerte Texte geschrieben. Er analysiert für die Wirtschaft zum einen, wie Reformen in Nordkorea bisher ins Leere laufen, und für den Sport, welche Hoffnungen der südkoreanische Präsident Moon Jae-in mit den Verhandlungen verbindet.

Wir lernen abermals: Gerade in schweren Zeiten kann Sport Vertrauen schaffen – und Menschen zusammenführen. Das sollten sich ganz besonders diejenigen deutschen Athleten merken, die noch vor wenigen Wochen angesichts der Spannungen zwischen Amerika und Nordkorea mit dem Gedanken gespielt haben, möglicherweise gar nicht zu den Spielen zu reisen.

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Inzwischen lässt sogar der amerikanische Präsident Donald Trump Friedenstauben aufsteigen – und Angela Merkel, die sich im vergangenen Herbst auch schon einmal als Vermittlerin im Koreakonflikt angeboten hatte, kann sich tatsächlich auf ihre heimischen Koalitionsverhandlungen konzentrieren. Die sollten aus ihrer Sicht besser mit einem Erfolg zu Ende gehen – denn sonst dürfte es nicht nur für den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz, sondern auch für sie politisch eng werden. Heute geht es in Berlin voraussichtlich um Steuern und Finanzen, die Landwirtschaft, die Bildung, Soziales, Gesundheit und Inneres. Die beeindruckende Liste zeigt, dass man sich recht gut kennt. Denn wer weiß, wie lange man sich im eigenen Unternehmen oder auch in der Familie über viel nichtigere Punkte streiten kann, ist erstaunt, was hier alles abgearbeitet werden kann.

Was sonst noch wichtig wird ...

... ist ein Empfang des Bundespräsidenten. Bilder von diesem Empfang werden heute Abend überall gezeigt werden, mit gutem Grund: Neben Repräsentanten des öffentlichen Lebens sind rund 70 Bürgerinnen und Bürger aus allen Bundesländern eingeladen, die sich um das Gemeinwohl in besonderer Weise verdient gemacht haben. Vor allem sind alle, die der Bundespräsident heute ehrt, nicht so sensibel wie Berufsfußballspieler, sie machen ihr Ding, weil sie es wollen, gleichgültig, welche Wirrungen das Leben sonst noch für sie bereit hält.

Beim Italiener Ciro Immobile, einem Stürmer im Fußball, ist das anders – und das ist der Lesetipp zum Schluss. Immobile irrte zu seiner Zeit in Dortmund so unbeweglich, wie es sein Name sagt, über den Platz, und man fragte sich, wie er jemals Torschützenkönig in Italien werden konnte. Nun ist er nach einigen Irrungen schon seit Sommer 2016 zurück in der Heimat, bei Lazio Rom – und ist, wie bei Julius Müller-Meiningen im Sport nachzulesen ist, der Stürmer der Stunde in Italien. In 18 Partien dieser Saison erzielte Immobile 20 Treffer und führt damit die Torschützenliste an. Dortmunder werden sich fragen, ob Pizza und Pasta im Ruhrgebiet wirklich so viel schlechter sind, oder woran es Immobile sonst gemangelt hat. Einst hatte er dort die mangelnde Herzlichkeit beklagt.

Nun, das hat der Autor dieses Countdowns am ersten Tag in seiner neuen beruflichen Heimat, der Redaktion von FAZ.NET, anders erlebt: Nach zwanzig Jahren in der Wirtschaftsredaktion der F.A.Z. ist die Verantwortung für die digitalen Produkte des Hauses auch für mich ein neuer Anfang – und herzlicher hätte der Auftakt im neuen Team nicht sein können. Vielleicht sollte Immobile einmal in Frankfurt vorbeischauen. Echte Liebe heißt hier Eintracht.

Quelle: FAZ.NET
Carsten Knop
Chefredakteur digitale Produkte.
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