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Wenn selbst twittern nichts mehr hilft

Von Sebastian Reuter
 - 06:15

Wissen Sie noch, wie Sie heute vor genau einem Jahr den Tag begonnen haben? Vielleicht haben Sie ja auch noch im Bett ein wenig schlaftrunken auf ihr Smartphone geschaut oder mit halb geschlossenen Augen das Radio eingeschaltet – und waren urplötzlich genauso hellwach wie Abermillionen Menschen es ebenso waren. Richtig, heute vor 365 Tagen und Nächten ist die Welt erstmals mit einem zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählten Donald Trump aufgewacht. Seitdem ist vieles anders im Weißen Haus: Politische Gegner werden via Twitter denunziert, das eigene Handeln wird ins Unermessliche gelobt und noch immer ist nicht ganz klar, ob Amerikas Präsident seinen Wahlsieg nicht mit Hilfe aus Russland errungen hat. Glücklicherweise ist zumindest ein Atomkrieg (bislang) nicht ausgebrochen. Die gängige Lesart unter vielen Bürgern in Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt lautet dennoch, dass Trump seit seinem Amtsantritt zwar viele Dinge angekündigt, aber nur wenige Versprechen auch wirklich eingelöst habe. Aber stimmt das auch? Mein Kollege Oliver Georgi hat sich die ersten zehn Monate der Ära Trump noch einmal genauer angesehen und von der Abschaffung von „Obamacare“ bis zu dessen angekündigten Plänen zur Steuer-, Klima- und Außenpolitik eine Bilanz aufgestellt. Das Ergebnis ist zumindest in Teilen überraschend.

Interessant ist zudem, was zwei ausgewiesene Experten nach dem ersten Trump-Jahr an der Spitze der Vereinigten Staaten für ein Fazit ziehen. Der Chef-Korrespondent der „New York Times“ im Weißen Haus, Peter Baker, erzählt im FAZ.NET-Interview von der derzeitigen Stimmung in Amerikas Zentrale der Macht und berichtet von einem „stürmischen Jahr“. Darüber hinaus nannte der berühmte Politikwissenschaftler Francis Fukuyama („Das Ende der Geschichte“) auf einer Konferenz in Mainz zuletzt mehrere Gründe, warum Trump in drei Jahren als Präsident sogar wiedergewählt werden könnte. Welche Argumente er genau liefert, (Spoiler: Einer von ihnen lautet: Die Leute lieben Populisten!) hat mein Kollege Alexander Armbruster aufgeschrieben.

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Und während Trump den Jahrestag seiner Wahl auf seiner Asienreise gemeinsam mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping gefeiert hat, sind in Deutschland die womöglich künftigen Jamaika-Koalitionäre von Union, FDP und Grüne noch dabei auszuhandeln, ob sie überhaupt in der Lage sind, eine gemeinsame Regierung auf die Beine zu stellen. Nachdem Angela Merkel nach den Streitereien der vergangenen Woche am Montag noch ein kleines Machtwörtchen gesprochen hatte, wird nun zumindest wieder mit etwas mehr Ruhe sondiert. Trotzdem nähern sich für die Kanzlerin als auch für ihre Wunsch-Partner in der Regierung langsam die Tage der Entscheidung. Denn Neuwahlen will nun wohl wirklich niemand. Warum jetzt die heiße Phase der Verhandlungen begonnen und wer alles seine Strategie geändert hat, analysiert meine Kollegin Tatjana Heid.

Was sonst noch wichtig ist

Wie ein Paukenschlag hat die Bundesrepublik am gestrigen Mittwoch dieser Beschluss des Bundesverfassungsgerichts getroffen: Weil manche Menschen weder Mann noch Frau sind, soll es künftig im Geburtenregister auch eine Möglichkeit geben, intersexuelle Personen einzutragen. Bis Ende 2018 muss der Gesetzgeber nun die Neuregelung für ein drittes Geschlecht schaffen. Was das für die Zukunft bedeutet und wie viele Menschen davon betroffen sind, hat meine Kollegin Leonie Feuerbach für Sie recherchiert. Darüber hinaus können Sie hier nachlesen, wie die Geschäftsführerin des Vereins „Intersexuelle Menschen“ über die Entscheidung denkt.

Spannend wird es an diesem Donnerstag zudem in Rüsselsheim. Dort stellt der seit kurzem zum französischen Mutterhaus PSA Peugeot-Citroën gehörende Autohersteller Opel am Vormittag seinen Sanierungsplan vor. Die F.A.Z. weiß bereits, was drin steht. Und die Quintessenz lautet: Opel setzt künftig voll auf französische Technik.

Was man gelesen haben sollte

Von Angela Merkel weiß man, dass sie – wenn sie denn tatsächlich mal etwas Freizeit hat – am liebsten in ihrer kleinen „Datsche“ in der Uckermark entspannt und sich dabei einen leckeren Eintopf kocht. Auch Donald Trump flieht oft und gerne in seinen Trump Tower nach New York City oder in sein Golfresort nach Florida, wenn ihm der Trubel im Weißen Haus zu groß wird und selbst twittern nichts mehr hilft. Wohl fast jeder Regierungschef oder Präsident hatte oder hat einen Rückzugsort, an dem die Leute in ihr oder ihm nur den „normalen“ Menschen sehen – und eben nicht den machtvollen Politiker. Bei Emmanuel Macron ist das anders. F.A.Z-Frankreich-Korrespondentin Michaela Wiegel war zu Besuch in der Heimatstadt des französischen Staatschefs und kommt zu dem Schluss: Auch in Amiens im Norden des Landes sehen in Macron viele nur den Präsidenten der Reichen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
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