FAZ.NET-Countdown

Schöner wird’s nicht

Von Christian Palm
 - 06:16

Wir wollen nicht groß drum herum reden: Optisch ist von der nächsten Groko kein Fortschritt zu erwarten. Vier weitere Jahre wird das Kabinett keine Miss- oder Misterwahlen gewinnen. Hängende Lider, halbe Glatzen, über dem Bauch spannende Hemden und Hosenanzüge. Immer wieder Hosenanzüge. Doch, um es mit Christian Lindner zu sagen: „Besser richtig regieren, als schön und schlecht“. Oder so ähnlich.

Wie eng Schönheit und politischer Erfolg zusammenhängen, will heute ein Soziologie-Professor in Düsseldorf beweisen. Seit 2002 vergleicht ein Team um Ulrich Rosar die Attraktivitätswerte von Bundestagskandidaten mit ihren Wahlerfolgen. Seine Ergebnisse zur vergangenen Wahl stellt er heute vor. Für eine Partei wie die FDP ist das völlig uninteressant. Sie und ihr Chef setzen bekanntlich nur auf drei Dinge: Inhalte, Inhalte und Steuersenkungen.

Die Groko-Sondierer haben für derlei Schönwetter-Forschung keine Zeit. Offiziell ist die erste Halbzeit ihrer Gespräche vorbei. Das vorige Klimaziel haben sie leichten Herzens aufgegeben, ein Gesetz für qualifizierte Einwanderung scheint auch kein großes Hindernis darzustellen. Aber trotz aller positiven Signale: „Nix ist fix.“ Das sagte CSU-Mann Andreas Scheuer, der gestern Abend als Klassensprecher vor die Mikrofone treten durfte.

Countdown – der politische Newsletter der F.A.Z.
Sprinter – der politische und wirtschaftliche Newsletter der FAZ.

Werktags um 6.30 Uhr ordnen unsere Autoren die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam.

Jetzt abonnieren

Einen ganz schön komischen Termin haben die geschäftsführenden Minister an Merkels Kabinettstisch heute hinter sich zu bringen. Immerhin dürfte ihre Kabinettssitzung nicht allzu lange dauern. Einziger Punkt in der Tagesordnung ist ein Bericht zum Elterngeld plus. Und dann: schönen Feierabend! Oder schön weiter sondieren.

Die Schönheitsforscher aus Düsseldorf weisen derweil darauf hin, dass die physische Attraktivität nur die zweitwichtigste Personeneigenschaft der Kandidaten für den Wahlerfolg ist. Noch wichtiger ist selbstverständlich politische Klugheit. Sorry, nur ein Scherz. Bekanntheit ist natürlich die wichtigste Eigenschaft. Und damit lässt sich auch erklären, warum Amerika von einem Senior mit orangener Haut und senffarbener Fönfrisur regiert wird. Wobei regieren in Donald Trumps Fall nicht unbedingt bedeutet, dass er viele Termine wahrnimmt. Offenbar lässt er es bewusst etwas langsamer angehen. Um „executive time“ zu haben, sagt seine Sprecherin. Im Schönheits-Salon wird er seine Freizeit wohl nicht verbringen.

Was sonst noch wichtig wird

Wo Trumps ehemaliger Chefberater Stephen Bannon in Zukunft seine Zeit verbringen wird, ist nicht bekannt. In der „Breitbart“-Redaktion wird er es sich wohl nicht mehr schön gemütlich machen. Wie gestern Abend bekannt wurde, verlässt er das rechte Hetz-Nachrichten-Portal. Seit er als Kronzeuge für das Enthüllungsbuch über Trumps Amtszeit aufgetreten ist, ist er unter den Erzkonservativen in die Kritik geraten.

Darf man in #MeToo-Zeiten noch auf eine Frau überleiten mit dem Satz, sich nun etwas schönerem zu widmen? Die brasilianische Rapperin Annita würde wohl mit Ja antworten. Großartig anders lässt sich ihr laszives Video mit dem übersetzten Titel „Vorwärts Luder!“ wohl nicht interpretieren. Warum die freizügige Musikerin mit einem einzigen Video-Clip aus einer Favela das Land zum Diskutieren bringt, beschreibt unser Südamerika-Korrespondent Matthias Rüb. Ihre Chancen auf ein politisches Amt stünden nach diesem Video jedenfalls nicht schlecht.

Der Lesetipp zum Schluss

Auch wenn die ein oder andere Haarverpflanzung helfen kann: Schönheit kann man nicht lernen. Manch anderes lässt sich hingegen ganz gut in Seminaren vermitteln. Das glaubt zumindest die SPD und gibt ebensolche, wie mein Kollege Timo Steppat berichtet. Neun Teilnehmer hat er für seine Reportage durch den Lehrgang begleitet. Wir drücken ihnen die Daumen für die nächsten oder übernächsten Groko-Verhandlungen. Und vor der Wahl noch zum Friseur zu gehen könnte nicht schaden.

Quelle: FAZ.NET
Christian Palm
Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenDonald TrumpChristian LindnerDüsseldorfFDPCSUAndreas Scheuer