Einmal mehr aufstehen als fallen

Von OLIVER GEORGI
Foto: Jan Roeder

14.09.2018 · Cem Özdemir war schon fast Außenminister, da scheiterte Jamaika und er wurde aus der ersten Reihe gedrängt. Jetzt ist er wieder fast so präsent wie früher. Was hat er noch vor?

E s ist ein Sonntag im September, als Cem Özdemir endlich wieder der Mann ist, auf den alle gewartet haben. Straubing in Niederbayern, die Grünen haben zu einem „Town-Hall-Meeting“ geladen, um mit den Bürgern vor der Landtagswahl im Oktober ins Gespräch zu kommen. Die Hubertushalle ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stühle stehen im Kreis um einen Tisch, an dem Özdemir, Jeans, Sneakers, hochgekrempelte Ärmel, und der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann lehnen und anderthalb Stunden lang so ziemlich jede Frage gestellt bekommen, die man sich ausdenken kann. Die Lage in Chemnitz, Schulpolitik, Kita-Gebühren, Gleichberechtigung, die Verödung ganzer Landstriche durch uniforme Industriegebiete – vor allem Özdemirs Meinung ist gefragt vor dieser Wahl, bei der die bayerischen Grünen sich angesichts der Schwäche der CSU große Hoffnungen auf eine Zeitenwende machen.

Am Morgen hat er bei Weißwurst und Bier in einer nachgebauten Almhütte in Mühldorf am Inn geredet, danach vor ein paar Leuten bei einer Bürgerinitiative gegen einen Straßenneubau, später vor 200 Menschen in einem Park in Landshut – ein Terminkalender, fast so voll wie früher, als er noch Grünen-Vorsitzender war. Jetzt meldet sich ein junger Mann, er muss dringend etwas loswerden. Zwei Jahre habe er jetzt schon kein Auto mehr, erzählt er, und eigentlich klappe das ja auch ganz gut. Aber jetzt habe ihm die Autoversicherung mitgeteilt, er müsse innerhalb der nächsten sieben Jahre unbedingt wieder ein Auto anmelden, um die Prozente seiner Kfz-Versicherung nicht zu verlieren. „Das ist doch ungerecht, oder?“ Erwartungsvoll blickt der Mann den prominenten Gast aus Berlin an. Özdemir nickt verständnisvoll. „Danke für den Hinweis, ich nehm‘ das mit in meine Arbeit als Vorsitzender des Verkehrsausschusses“, antwortet er dann, dem jungen Mann zugewandt. „Das nehm‘ ich mit!“ So ist das jetzt: Die große Bühne, manchmal ist sie wieder ernüchternd klein.

In Straubing: Vor der Landtagswahl in Bayern besucht Cem Özdemir die bayerische Provinz. Foto: Jan Roeder

Es ist noch nicht lange her, da stand der 52-Jährige kurz vor der Krönung seiner politischen Karriere. Manchen galt er schon als erster türkischstämmiger deutscher Außenminister in einer Jamaika-Koalition. Washington, Erdogan, Syrien, die ganz große Bühne. Doch jetzt, nur einen kurzen Lindner später, sind diese Träume zerstoben. Nach fast zehn Jahren als Grünen-Vorsitzender und ein paar Wochen als Fast-Außenminister ist Özdemir jetzt wieder ein einfacher Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender im Verkehrsausschuss und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Viel zu tun, aber doch zu wenig für einen wie ihn, dem die meisten immer noch mehr zutrauen. Das mit „dem Tschem“ sei schon irgendwie schade, sagt eine Besucherin nach der Veranstaltung in Straubing, „so ein guter Mann!“ Wie tief sitzt die Kränkung, Herr Özdemir? Kopfschütteln:


„Eine Kränkung war das nicht, auch wenn ich mir natürlich etwas anderes gewünscht habe. Aber Politik ist nicht immer Wünsch-Dir-Was.“
CEM ÖZDEMIR

Parteifreunde, die Özdemir seit langem kennen, sagen hingegen: Oh doch, er ist immer noch gekränkt. Und wie. Gekränkt, dass es ausgerechnet sein alter Duzfreund Christian Lindner war, der ihm den größten Karriereschritt in letzter Minute verwehrte. Dass die grüne Flügelarithmetik ihn danach aus der ersten Reihe drängte und die Fraktion ihm, dem Realo, den Parteilinken Anton Hofreiter auf dem Fraktionsvorsitz vorzog. Dass ausgerechnet er, einer der beliebtesten Politiker in Deutschland und noch immer eines der stärksten Zugpferde der Grünen, ein Opfer der Umstände wurde. Erst der gelben und dann der grünen. „Cem ist unser Gesicht in Funk und Fernsehen“, sagt einer aus der Fraktion, „nach draußen ist er mit Abstand unser Bester.“ Dass ausgerechnet er aufs „Abstellgleis“ geschoben und mit dem Verkehrsausschuss „abgespeist“ worden sei, könne man keinem vermitteln. „Das versteht an der Basis niemand.“

Vor allem für viele Bürgerliche in der Partei, die Realos, die auch Winfried Kretschmann wählen würden, ist Özdemir noch immer einer der wichtigsten Männer. Aber bei den Grünen ist es eben so: Kein Flügel kann ohne den anderen, schon gar nicht der rechte ohne den linken. Mit Robert Habeck und Annalena Baerbock an der Parteispitze und Katrin Göring-Eckhardt als gesetzter linker Frau für die Fraktion waren vor der Wahl des Fraktionsvorstands schon drei von vier grünen Spitzenposten mit Realos besetzt. Özdemir wäre der vierte gewesen – deshalb hatte er gegen Hofreiter keine Chance. 40 Prozent Unterstützung, schätzte er damals, mehr habe er nicht in der Fraktion. Höchstens. Dass die Leute draußen ihn weiter lieben, habe seine Enttäuschung darüber kaum gelindert, sagen Leute aus seinem Umfeld. Oder eher: „gelindnert“, wie er neuerdings spötteln würde.

Große Kränkungen können zweierlei bewirken: Man kann mutlos werden, sich zurückziehen, aufgeben. Oder es kommt der Trotz: Jetzt zeige ich es Euch. Wer Özdemir in diesen Wochen beobachtet, für den können kaum Zweifel bleiben, wofür er sich entschieden hat. Nach dem Jamaika-Aus zog er sich für eine Weile zurück, machte Urlaub, „um den Kopf frei zu bekommen, wie er sagt. Haben Sie darüber nachgedacht, der Politik den Rücken zu kehren und in die Wirtschaft zu wechseln, Herr Özdemir? „Ich weiß, dass ich meine Vollkornbrötchen auch anderswo verdienen könnte.“ Özdemir kennt seinen Marktwert; wenn er wollte, hätte er schnell einen guten Job außerhalb der Politik. Gut zu wissen, das gibt er zu. „Das ist eine Unabhängigkeit, auch geistig, die gut tut.“


„Ich weiß, dass ich meine Vollkornbrötchen auch anderswo verdienen könnte.“
CEM ÖZDEMIR

Seit einer Weile wirkt Özdemir tatsächlich wie befreit – und ist plötzlich fast so präsent wie zu seiner Zeit als Parteivorsitzender. Özil-Debatte, Eklat mit Erdogan, Syrien-Krise, AfD: Kaum ein Thema, bei dem er in den letzten Monaten nicht mit prägnanten Äußerungen in den Medien war und Debatten damit teils sogar prägte. Als Mesut Özil sich vor der WM mit Erdogan fotografieren ließ und der DFB danach laut über seine Nominierung nachdachte, ohne zu der rassistischen Kritik an ihm Stellung zu nehmen, kritisierte Özdemir das „unmögliche Agieren“ des Fußballers, warf dem Verband aber auch als einer der ersten „Feigheit“ vor. Auch in der Debatte um den Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Erdogan im Herbst mischte sich Özdemir früh ein und warnte, Erdogan sei „kein normaler Präsident in einer Demokratie“ und dürfe deshalb auch nicht so empfangen werden. Solche Sätze sagen auch andere Politiker – aber bei Özdemir, dem Sohn türkischer Gastarbeiter, die Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland kamen, haben sie in der Debatte schnell eine andere Wertigkeit. So als habe er mehr als andere das Recht zur heftigen Kritik an der Türkei, weil er, der „anatolische Schwabe“, auf eine Art in beiden Welten zuhause ist. Trotzdem hat er es vor Jahren abgelehnt, neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Wie um schon lange vor Özil unmissverständlich klar zu machen, wer, und nur wer, sein Präsident ist.

Cem Özdemir wird vor der Verleihung der „Goldenen Narrenschelle“ von einer Hexe aus Obernheim geneckt. Foto: dpa

Aus Berlin-Kreuzberg, wo er mit seiner Frau und seinem Sohn lebt, will Özdemir trotzdem nicht weg – vielleicht auch, weil er das als Signal unpassend fände. Schließlich hat er sich in der Debatte um Flüchtlinge und Migration in den letzten Monaten immer wieder dezidiert zu Wort gemeldet. Das macht er schon seit 1994, seit er mit Leyla Onur der erste Bundestagsabgeordnete mit türkischen Eltern wurde – aber erst jetzt, seit der Flüchtlingskrise und dem Erstarken der AfD, wirkt es, als habe er sein politisches Lebensthema zur Gänze entdeckt. Özdemir ist als Schwabe in Bad Urach bei Stuttgart geboren, aber er weiß, wie schwer es als Einwandererkind ist. Aufgewachsen als Einzelkind, der Vater Gastarbeiter in einer Textilfabrik, die Mutter Änderungsschneiderin, Mittlere Reife, Erzieherlehre, Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg, Studium der Sozialpädagogik und irgendwann einer der erfolgreichsten Politiker des Landes. Eine Aufstiegsgeschichte sondergleichen. Erst recht in der aufgeheizten Asyldebatte gilt Özdemir deshalb vielen als Paradebeispiel für gelungene Integration – und zugleich für die harte Arbeit, die sie bedeutet. Auch Özdemir betont diese Erzählung immer wieder, auch weil sie zu seinem schwäbischen Selbstverständnis als „säkularisierter Muslim“ gehört: dem Migrantensohn, der es gegen alle Erwartungen und gegen viele Widerstände aus eigener Kraft in Deutschland geschafft hat, mit Fleiß, harter Arbeit und einem unbedingten Willen. Wie einen Spiegel hält er dieses Narrativ in der Asyldebatte den Migranten vor – und zugleich jenen Deutschen, die noch immer große Zweifel an der integrativen Kraft des Landes für so viele Fremde haben. Auf Veranstaltung sagt er dann Sätze wie „Ned schwätzen, machen“ und „Ärmel hochkrempeln, anstrengen.“ Oder: „Wer in Deutschland bleiben will, der muss sich anstrengen. Und wer das nicht macht, der muss gehen.“ Integration ist eine Kraftanstrengung, so sieht er das. Und wer nicht alles gibt, der schafft es eben nicht.


„Wer in Deutschland bleiben will, der muss sich anstrengen. Und wer das nicht macht, der muss gehen.“
CEM ÖZDEMIR

Immer wieder kokettiert Özdemir mit seiner Herkunft, das ist Programm und ein Teil seines politischen Erfolgs, und auch mit der Irritation, die sein Name bei manchen noch immer auslöst, die offenbar nicht fassen können, dass einer mit dem Namen nicht nur bestens „integriert“, sondern noch deutscher als der „biodeutscheste“ Schwabe beim Daimler ist. „Dieser Ötzelbrötzel“, fragt Özdemir dann mit sichtlicher Freude, „warum heischt der ned‘ Walter oder Stefan, sondern Tschem?“ In breitestem Schwäbisch sagt er das, bei fast jeder Veranstaltung wie auch neulich in Straubing – vielleicht, weil der Satz so schön paradigmatisch für den scheinbaren Widerspruch steht, den er verkörpert: Gastarbeiterkind, „anatolischer Schwabe“, aber so deutsch wie nur was.

Am 22. Februar rechnete Özdemir in einer Rede im Bundestag fulminant mit der AfD ab. Video: F.A.Z.

„Integration ist nicht nur Döner Kebab essen“, auch das ist so ein Satz, den unfallfrei eigentlich nur er sagen kann. Özdemir ist stolz auf seine gute Rhetorik, die mitreißend sein kann, aber auch beißend scharf und manchmal beides zugleich ist. Als er im Februar im Bundestag mit der AfD abrechnete, redete er die Rechtspopulisten so eindrucksvoll in Grund und Boden, dass es manchem Grünen danach umso wehmütiger im Herzen wurde. „In unserem Land, der Bundesrepublik Deutschland, gibt es keine Gleichschaltung, von der sie nachts träumen. Bei uns gibt es Pressefreiheit“, rief Özdemir der AfD zu und: „Sie verachten alles, wofür dieses Land geachtet und respektiert wird.“ Kurz davor hatten AfD-Vertreter bei einer Aschermittwochsveranstaltung öffentlich Özdemirs Abschiebung gefordert. „Das geht leichter, als Sie sich das vorstellen“, ätzte Özdemir. „Demnächst fahre ich wieder nach Bad Urach. Das ist meine schwäbische Heimat, und die lass ich mir von Ihnen nicht kaputt machen.“ So klar, so wütend und mitreißend hatte der AfD im Bundestag vielleicht noch niemand Paroli geboten. „Manch ein Linker wird für eine Millisekunde stolz gewesen sein, Bürger dieses Landes zu sein“, schrieb die „taz“ danach erstaunt. Und Özdemir hatte seinen Ruf, klarer als andere Politiker Stellung zu beziehen, eindrucksvoll untermauert. „Wir machen oft einen Fehler im Umgang mit der AfD: Wir greifen ihre Wähler zu viel an und schonen ihre Funktionäre“, sagt Özdemir über seine Rede. „Es muss umgekehrt sein.“

Es ist, als habe Özdemir sich nach der großen Enttäuschung nach dem Jamaika-Aus kurz geschüttelt und laufe jetzt, als einfacher Abgeordneter und Vorsitzender des Verkehrsausschusses, zu umso größerer Form auf. Stürzen und doch weitermachen – das gab es in seiner Karriere schon einmal. Als er 2002 bekannt wurde, dass Özdemir einen Privatkredit von dem PR-Berater Moritz Hunzinger angenommen und dienstlich erworbene Bonusmeilen für Privatreisen genutzt hatte, trat er als innenpolitischer Sprecher der Grünen zurück und nahm nach der Wahl 2002 auch sein Bundestagsmandat nicht an. Özdemirs Karriere schien am Ende – nach einer Legislaturperiode im EU-Parlament kehrte er 2008 aber als Parteivorsitzender nach Berlin zurück. Einmal mehr aufstehen als hinfallen, Özdemir kennt dieses alte Wort nur zu gut. Aber wofür steht er jetzt auf?

Cem Özdemir und Winfried Kretschmann stehen auf dem Parteitag der Grünen Baden-Württemberg auf der Bühne. Foto: dpa

Fragt man Grüne beider Flügel, die ihn gut kennen, dann sagen alle in etwa dasselbe: Der hat noch was vor. „Cem brennt noch, er hat einen Plan“, glaubt ein Parteifreund aus Berlin, der sich nach den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen und Özdemirs jähem Sturz wie viele andere erst nicht sicher war, ob ein erfolgsgewöhnter Typ wie er das verwindet. Immer wieder tauchen in seither Spekulationen auf, Özdemir könnte seinen langjährigen Vertrauten Winfried Kretschmann als baden-württembergischer Ministerpräsidenten beerben wollen. Das Verhältnis der beiden gilt als eng; Kretschmann betont immer wieder, es sei „durchaus vorstellbar“, dass einer wie Özdemir der erste Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln werde. Özdemir ist im „Ländle“ äußerst beliebt – trotzdem halten die meisten Grünen, auch in Stuttgart, diese Option derzeit für unwahrscheinlich. Denn zum einen hat Kretschmann zuletzt trotz seiner 70 Jahre im Unklaren gelassen, ob er 2021 nicht doch noch einmal antreten will. Zum anderen können sich viele Grüne noch nicht recht vorstellen, wie man Özdemir bis 2021 glaubhaft in der Landespolitik verankern könnte, wo sein Fokus derzeit doch ganz klar im Bund liegt. Trotzdem dürfte es in Stuttgart sehr wohl wahrgenommen werden, wie vage Özdemir selbst bei der Frage bleibt. „Kretschmann ist nicht umsonst der beliebteste Ministerpräsident, und es würde mich freuen, wenn er das noch lange weitermacht“, sagt er ausweichend. „Alles andere wird man sehen, wenn es soweit ist.“

Viele Grüne glauben aber ohnehin, dass Özdemir viel lieber wieder in die erste Reihe im Bund zurückkehren und Ende 2019, wenn der Fraktionsvorstand neu bestimmt wird, einen neuen Anlauf für den Fraktionsvorsitz nehmen will. Tatsächlich wäre das wohl die größte Genugtuung für ihn: Die Schmach zu tilgen und den öffentlichen Beweis zu führen, dass die Parteispitze doch nicht ohne ihn kann, Flügelarithmetik hin oder her. „Ich bin ziemlich sicher, dass Cem das nochmal versuchen wird“, sagt einer aus der Fraktion. Toni Hofreiter sei als Fraktionsvorsitzender „total schwach“, heißt es im überschaubar gewordenen Özdemir-Lager, und mit jeder Rede von Toni werde die Sehnsucht nach Cem nur noch größer.

14.02.2018, Baden-Württemberg, Biberach an der Riß: Cem Özdemir spricht beim politischen Aschermittwoch der Grünen. Foto: dpa

Trotzdem rechnen die meisten Özdemir kaum noch Chancen auf den Fraktionsvorsitz aus. Denn so stark er nach außen sei, so schwach sei er nach innen, heißt es aus der Fraktion – die 40 Prozent Zustimmung vom Anfang des Jahres seien eher hoch geschätzt. „Cem hat es in neun Jahren als Parteivorsitzender nicht geschafft, eine Hausmacht in der Fraktion aufzubauen“, sagt einer, der ihn gut kennt und noch immer für den Besten hält. „Das rächt sich jetzt.“ Von einer „autoritären Joschka-Fischer-Attitüde“ ist in der Fraktion die Rede, von „Schwächen in der Binnenkommunikation“, zu großer Arroganz und einem „Kleinkrieg“ gegen den linken Flügel und seine Ko-Parteivorsitzende Simone Peter, der die Grünen zermürbt habe. „Cem war als Parteivorsitzender nicht genügend vor Ort und hat zu wenig Kärrnerarbeit gemacht“, solche Sätze hört man öfter. Oder: „Cem hat sich schon immer nach außen fokussiert. Aber man kann nicht hin und wieder einfliegen und dann erwarten, dass man den Laden im Griff hat.“ Auch von Robert Habeck, dem neuen, nicht minder machtbewussten starken Mann der Grünen, könne Özdemir sich kaum Hilfe erwarten, heißt es aus der Fraktion. Für Habeck sei klar, dass es „nur einen König“ geben könne.

Es ist, als kämpften die Grünen gerade einen seltsamen Kampf zwischen Herz und Verstand. Das Herz sagt Sätze wie: „Cem hat Haltung und kann den Laden zum Kochen bringen. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir ihn nicht weiter einbinden würden.“ Der Kopf nickt erst begeistert. Dann neigt er sich zur Seite und sagt: Du hast ja so Recht. Aber es geht leider nicht.

Quelle: F.A.Z.