Neue Zeitalter

The Final Countdown

Von Sebastian Eder
 - 06:24

Was passiert eigentlich, wenn der Countdown abgelaufen ist? Im Falle des gleichnamigen FAZ.NET-Newsletters werden Sie es heute erleben: Angela Merkel wird sich vom Bundestag zum vierten Mal zur Kanzlerin wählen lassen, danach werden ihre Minister ernannt und vereidigt, spätestens um 13.40 Uhr soll Deutschland nach einer fast halbjährigen Hängepartie wieder eine richtige Regierung haben – wenn alles läuft, wie auf der Tagesordnung des Bundestages geplant. Die SPD wird Angela Merkel dann öfter zur Kanzlerin gewählt haben als Willy Brandt zum Kanzler.

Manch ein Genosse mag bei diesem Gedanken kurz sentimental werden. Aber von den guten alten Zeiten zu schwärmen, ist fast immer falsch. Im Gegenteil zeigt ein Blick in die Vergangenheit oft, was in der Gegenwart besser ist. Im ersten Countdown-Newsletter am 15. August 2017 schrieb unser damaliger Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron (beste Grüße aufs Segelboot!), dass ein Interview mit Angela Merkel am Vortag „keine einzige neue Position hervorbrachte, sondern eine Kanzlerin zeigte, die zum wiederholten Mal mit den oft immergleichen Worten ihre Politik erklärte, von der Flüchtlingsfrage bis zum Dieselskandal. Hinter den Kulissen indes wird mächtig über die möglichen Optionen spekuliert“.

An diesem Mittwoch wird Angela Merkel mit Helge Braun (CDU) zwar einen gelernten Narkosearzt als Kanzleramtsminister vorschlagen, die Zeiten, in denen die Kanzlerin das Land eingeschläfert hat, sind aber vorbei. Schon Horst Seehofer (CSU), Jens Spahn (CDU) und Franziska Giffey (SPD) werden im neuen schwarz-roten Kabinett dafür sorgen, dass über Themen, die das Land bewegen, nicht mehr hinter den Kulissen spekuliert – sondern auf großer Bühne gestritten wird. Den Rest wird das Ringen um die Nachfolge der Kanzlerin erledigen. „Der Streit gehört dazu, aber auch der Kompromiss“, warnt Berlin-Korrespondent Günter Bannas in seinem Leitartikel.

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Wie lange die große Koalition das Streiten aushält, wird sich zeigen. Gut ist eine gesunde politische Diskussionskultur aber für fast alle Beteiligten – nicht zuletzt für die Sozialdemokraten, die in Abgrenzung zu Spahn und Co. vielleicht wieder ihr eigenes Profil finden. Die AfD könnte dagegen an Zuspruch verlieren, wenn sie sich nicht länger als einzige Option rechts gerieren kann. Auch nicht die schlechtesten Aussichten.

Es liegen also spannende Wochen, Monate und Jahre vor uns – nicht nur vor Journalisten, sondern vor jedem politisch interessierten Leser. Deswegen verschicken wir heute zwar zum letzten Mal den FAZ.NET-Countdown – haben für Donnerstag aber schon etwas Neues für Sie vorbereitet. Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Was sonst noch wichtig wird

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking ist gestorben. Mit seinen Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern gilt er als einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten. In seinen letzten Jahren warnte er immer wieder vor den Gefahren, die von Klimaerwärmung, Atomkriegen und Gentechnik für die Erde ausgingen.

Kurz vor der russischen Präsidentenwahl besucht Amtsinhaber Wladimir Putin am Mittwoch die 2014 einverleibte ukrainische Halbinsel Krim. Fotos wird er von sich wohl an der Baustelle des Flughafens in Simferopol machen lassen – und damit noch mal um die Stimmen der vielen Russen werben, die auf der Krim gerne Urlaub machen. Die Wahl findet am Sonntag statt – dem vierten Jahrestag der völkerrechtswidrigen Krim-Annexion. „Putin spaltet Europa“, schreiben mehrere Europapolitiker heute in einem F.A.Z.-Gastbeitrag. Und beschreiben unter anderem, wie Russland dafür sorgt, dass Schulen und Kindergärten in der Ukraine vorerst geschlossen bleiben müssen – und wie Europa darauf reagieren sollte.

Aus ganz anderen Gründen wird in Schulen in Florida am Mittwoch für eine Weile Ruhe einkehren: Schüler im ganzen Bundesland wollen genau einen Monat nach dem Schulmassaker mit 17 Toten 17 Minuten lang streiken. Es ist sowohl ein Gedenken an die Opfer als auch eine Protestaktion gegen Waffengewalt.

Wie das Personalchaos im Weißen Haus unterdessen weiter geht, wird Washington-Korrespondent Andreas Ross für uns beobachten. Seinen Artikel über den Rauswurf des amerikanischen Außenministers, „Tillerson stürzt ins Drecksloch“, sollten Sie gelesen haben. Und wie sich der Konflikt zwischen Russland und Großbritannien um den in London vergifteten Ex-Spion entwickelt, nachdem in der Nacht „das May-Ultimatum“ abgelaufen ist, behalten unsere Korrespondenten in Moskau und London im Blick – und berichten dann für Sie auf FAZ.NET.

Quelle: FAZ.NET
Sebastian Eder
Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.
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