Druck auf Buchhändler

WWF drängt kritisches Buch vom Markt

Von Stefan Tomik
 - 16:38

Mit ungewöhnlicher Schärfe geht die Naturschutzstiftung WWF Deutschland gegen ein Buch vor, das sich kritisch mit dem „World Wildlife Fund“ auseinandersetzt. In seinem Auftrag hat eine Anwaltskanzlei bei großen Buchhändlern wie Amazon oder Libri interveniert und Unterlassungsansprüche geltend gemacht. Zahlreiche Buchhändler haben daraufhin das „Schwarzbuch WWF“ des Journalisten Wilfried Huismann aus ihrem Programm genommen, obwohl der WWF vor Gericht bislang keine einstweilige Verfügung gegen den Titel erreichen konnte. Das Landgericht Köln will erst nach einer mündlichen Verhandlung am 15. Juni darüber entscheiden. Somit bleibt das Buch vorerst erlaubt und ist dennoch praktisch vom Markt verschwunden. Über den Verlag kann es noch bezogen werden.

Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Burkhardt Müller-Sönksen warnte vor einer Selbstzensur durch die Großhändler. „Ob das Buch falsche Tatsachen enthält, wird das Gericht im Rahmen der mündlichen Verhandlung und einer etwaigen Beweisaufnahme klären“, sagte Müller-Sönksen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.). Derweil müssten die Großhändler nicht auf die Hinweise seitens der Anwälte des WWF eingehen. „Sollten die Händler ohne Prüfung kollektiv einknicken, käme dies einer Selbstzensur gleich, die die Meinungsfreiheit faktisch beschränkt“, warnte der FDP-Politiker.

Huismann kritisiert in seinem Buch die Nähe des WWF zur Industrie, dessen koloniale Vergangenheit und Intransparenz sowie die Beteiligung an ökologisch umstrittenen Projekten. Insbesondere wirft er dem WWF vor, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die für Naturzerstörungen verantwortlich sind. Der WWF Deutschland weist die Vorwürfe zurück und teilte mit, er stelle sich „selbstverständlich gerne jeder kritischen Berichterstattung“, wehre sich aber „gegen falsche Tatsachenbehauptungen“. Das Buch beschreibe viele Umweltprobleme, für die der WWF aber nicht verantwortlich sei. „Das Gegenteil ist richtig: Der WWF versucht, Märkte zu verändern, um eine möglichst nachhaltige Wirtschaftsweise voranzutreiben.“

Die Verlagsgruppe Random House teilte der F.A.S. mit, „im Auftrag des sonst so sanft auftretenden WWF Deutschland“ sei bereits vor der Buchveröffentlichung „massiv Druck auf den Verlag ausgeübt“ worden. „Unser Verlagsverständnis von Pluralismus und Meinungsfreiheit sieht jedenfalls anders aus.“ Das Buch war am 20. April erschienen und zunächst auch erhältlich. Gut eine Woche später bekamen die Buchhändler Post von der Anwaltskanzlei und stoppten den Verkauf. „Wir bewerten das nicht inhaltlich“, sagte der Geschäftsführer des Buchportals Libri.de, Per Dalheimer, der F.A.S. „Wir nehmen den Titel dann raus und warten auf eine Klärung.“ Der Buchhändler Thalia teilte mit, man wolle sicherstellen, „dass wir nur rechtlich unstrittige Titel im Sortiment führen“. Amazon wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern. Der Verlag hat bislang die Hälfte der Auflage in Höhe von 10.000 Stück absetzen können. Autor Huismann sprach von einer „flächendeckenden Einschüchterungskampagne des WWF“.

Quelle: F.A.S.
Stefan Tomik - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stefan Tomik
Redakteur in der Politik.
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