FAZ.NET-Countdown

Endlich echte Obergrenzen!

Von Christian Palm
 - 06:17

Jens Spahn hofft auf Jamaika. Ja, der Jens Spahn, der sich in den vergangenen Monaten als CDU-Hardliner versucht hat. Im Gastbeitrag für die heutige Ausgabe der F.A.Z. beschreibt er seine Hoffnung, in einem Bündnis mit FDP und Grünen einen neuen, anderen Konservatismus zu entwickeln. Und hat sogar für Cem Özdemir ein paar Worte parat, die sich als Lob verstehen lassen können.

Aber wie so oft, wenn Politiker reden oder schreiben, ist das spannendste das, was Spahn verschweigt. So taucht in seinem Text das politische Mode-Wort des Jahres nicht auf: „Obergrenze“. Das darf nicht sein.

Deshalb folgen hier die Top-5-Obergrenzen-Forderungen, mit denen der heutige Countdown-Autor auf die Reise nach Jamaika gehen würde (In Klammern die angestrebte Höchstgrenze):

Brennende Asylbewerberheime (0)
Kinder, die in Armut groß werden (0)
Menschen, die im Mittelmeer ertrinken (0)
Terroristen, die nur an Werktagen von den Sicherheitsbehörden überwacht werden (0)
Gegentore für den FC Köln heute im Spiel in Stuttgart (0)

Zugegeben, der letzte Punkt ist absolut unrealistisch. Aber die Politik könnte sich ruhig mal an die großen Baustellen wagen, statt ständig den besorgten AfD-Wählern hinterherzuhecheln.

Countdown – der politische Newsletter der F.A.Z.
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Wie weit Deutschland mit einem der riesigen Zukunftsthemen vorangekommen ist, wird sich heute von 11 Uhr an zeigen: Dann stellen Forscher der Humboldt-Universität vor, was sie über das Niveau der Grundschüler in Deutsch und Mathe herausgefunden haben. Wir haben bei dieser Gelegenheit die Orthografie-Kenntnisse unserer Lieblings-Nachrichtenagentur getestet. In der Ankündigung für diesen Termin hat sie einen ordentlichen Schreibfehler eingebaut. Ergebnis also: So mittel.

Und sonst?

Deutlich höher ist das Niveau auf der Buchmesse. Zwar ist sie heute noch dem Fachpublikum und (lese-)hungrigen Journalisten vorbehalten. Wenn Sie dazu gehören oder morgen aufs Frankfurter Messegelände wollen, sollten sie die wichtigsten Hinweise aus dem F.A.Z.-Feuilleton kennen: Wo gibt es wann Essen und Trinken abzustauben? Heute kocht Lafer, morgen gibt es Mettbrötchen. Und an den Ständen aus dem Gastland Frankreich steht sicher auch das ein oder andere bereit.

Umso trauriger ist es, dass in der Nacht zu gestern einer der schönsten Orte der Literaturstadt Frankfurt zerstört wurde. Der Goetheturm ist abgebrannt, womöglich ist ein Serientäter am Werk, schließlich sind in den vergangenen Monaten zwei weitere Holz-Bauten abgefackelt. So unpoetisch kann das Leben in Zeiten der Buchmesse spielen. Zur Trauer des Tages endet der Countdown mit gehaltvollem Lesestoff.

Den Anti-Spahn machen meine Kollegen von der F.A.Z-Woche. Sie nennen das Kind beim Namen: In ihrer Titelgeschichte widmen sie sich den deutschen Grenzen, den Obergrenzen, den offenen Grenzen und den geschlossenen. Keinerlei Grenzen setzt im Moment hingegen der albanische Staat der Cannabis-Mafia. David Klaubert beschreibt in seiner Reportage, was das für den Markt der „weichen“, aber nicht gänzlich ungefährlichen Droge bedeutet. Wirklich beflügelnd sind seine Beobachtungen nicht.

Quelle: FAZ.NET
Christian Palm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Palm
Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET
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