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Das Merkel-Mantra

Von Sebastian Reuter
 - 06:34

Haben Sie am Sonntagmorgen auch voller Spannung den Start der Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD verfolgt? Haben Sie gesehen, mit welchem Tatendrang und Ideenreichtum sich Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz in die mögliche Zukunft einer dritten großen Koalition in dreizehn Jahren stürzen? Nein? Okay, so ist das Ganze nämlich auch nicht wirklich abgelaufen.

Generell hat man bei der sich abermals anbahnenden Groko ja ständig das Gefühl, sich auf der siebten Familienfeier des Jahres zu befinden: Alle kennen die Geschichten der anderen, keiner hat wirklich Lust, man geht sich ein bisschen auf die Nerven, aber um den Schein zu wahren, zieht man die nette Enkel/Schwiegersohn/Großmutter-Masche durch. Und hinterher wird im kleinen Kreis über den Rest gelästert.

Am Sonntag bestach CSU-Chef Seehofer jedenfalls durch den motivierenden Satz, er werde versuchen, „die Dinge zu einem guten Ende zu bringen“. Der SPD-Vorsitzende Schulz betete wieder einmal die Predigt der „ergebnisoffenen Gespräche“ herunter – und die Kanzlerin?

Nun, der Satz „Ich glaube, es kann gelingen“, war das Zuversichtlichste, was Angela Merkel an diesem Morgen im Berliner Willy-Brandt-Haus von sich gab. Dass sie genau die gleichen Worte bereits Mitte November vor den letzten Tagen der Jamaika-Sondierungen gewählt hatte, ist dann fast schon wieder lustig. Wie die Geschichte mit Lindner, Göring-Eckart und Co. ausging, ist bekannt.

Ob das Merkel-Mantra auch dieses Mal Pech bringt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Der Zeitplan ist jedenfalls straff (am Donnerstag soll schon über die Fortsetzung der Gespräche entschieden werden), es soll von den Verhandlungsteilnehmern zwischendurch nichts getwittert werden und die Pausen werden auf dreißig Minuten begrenzt.

Und einen kleinen Erfolg gab es am Ende des ersten Sondierungstages sogar auch schon: CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kamen weder die Wörter „Schwachsinnsidee“ oder „Schmollecke“ noch irgendwelche konfusen Visionen von konservativen Revolutionen über die Lippen. Das ist doch ein Anfang!

Was sonst noch wichtig ist

Für große Aufruhr – vor allem im Weißen Haus – hat am Wochenende die Veröffentlichung des „Fire and Fury“-Buches über die Zustände in Amerikas politischer Schaltzentrale gesorgt. Ob Burger im Bett, ein Gedächtnis wie ein Sieb oder einsame Anrufe bei den letzten verbliebenen Freunden: Donald Trump kommt in dem Enthüllungswerk des Journalisten Michael Wolff bekanntermaßen schlecht weg – und sah sich dazu genötigt, via Twitter eine psychologische Selbstdiagnose („stable genius!“) durchzuführen. Mal sehen, mit welchen (Selbst-) Erkenntnissen der Präsident in die neue Woche startet. Einige der wichtigsten Zitate aus dem Buch können Sie übrigens hier nachlesen.

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Vor zwei Jahren forderte ein Terroranschlag in der Altstadt von Istanbul insgesamt zwölf deutsche Todesopfer. An diesem Montag wird im Prozess gegen die 26 mutmaßlichen Drahtzieher des Attentats das Urteil erwartet. Ob das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nachkommt und drei der Angeklagten lebenslang ins Gefängnis steckt, können Sie dann auf FAZ.NET nachlesen.

In Los Angeles wurden heute Nacht die Golden Globes verliehen. Die Gala stand ganz im Zeichen der #MeToo-Debatte, die Amerikas Film- und Fernsehbranche weiter erschüttert. Lesen Sie hier nach, welche Filme und Stars ausgezeichnet wurden und wie viele Gäste dem Aufruf gefolgt sind, als Zeichen gegen sexuelle Belästigung und aus Solidarität mit den Opfern ganz in schwarz bei der Award-Show zu erscheinen.

Wofür Sie sich Zeit nehmen sollten

Wer versteht es eigentlich derzeit am besten, das Schlingern Amerikas unter der kompasslosen Führung von Donald Trump konsequent für seine eigenen Interessen zu nutzen? Europa – oder gar Russland? Falsch: China! Abseits des fortwährenden Getöses aus dem Weißen Haus ebnet das kommunistische Regime in Peking seinem Land derzeit den Weg zur Weltherrschaft, schreibt F.A.Z.-Mitherausgeber Holger Steltzner in seinem Essay.

Erfahren Sie, warum sich der Westen immer noch blenden lässt und wie China mehr und mehr die totale Kontrolle über die Privatwirtschaft beansprucht. Passend dazu empfehle ich Ihnen abschließend noch das Interview, das mein Kollege Alexander Armbruster mit dem Politologen Ian Bremmer über den Technik-Wettstreit zwischen Amerika und China geführt hat. Hier erfahren Sie, warum es beim kalten Krieg um die besten Technologien geht – und was er auch für uns bedeutet.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
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